Die Reiter der Hoffenheimer Erfolgswelle
TSG Hoffenheim könnte am Samstag gegen Union Berlin einen Heimsiegrekord einstellen. Wie kompensieren die Kraichgauer die Sperre von Schlüsselspieler Wouter Burger?

Natürlich wusste Christian Ilzer Bescheid, sein Pressesprecher Jörg Bock hatte ihm auf dem Weg von der Geschäftsstelle hinab in den Presseraum die Information gesteckt, dass Ilzer an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Union Berlin Vereinsgeschichte schreiben kann. Sieben Heimsiege in Serie, die gab es seit 1899 in der Bundesliga für die TSG erst einmal, zwischen Februar und April 2017 unter Julian Nagelsmann. Im Erfolgsfall der Fälle „können wir es mitnehmen. Aber es ist nicht etwas, das wir in unserem Kopf tragen, weil es ablenkt“, sagte Christian Ilzer am Freitagnachmittag.
Gleiche Punktzahl wie die Bayern seit dem 7. Spieltag als Ausdruck des Hoffenheimer Erfolgslaufs
Es ist ja das Schöne an einem Lauf: Einfach nichts ändern, die Dinge so weiterlaufen zu lassen. Es läuft und läuft und läuft ja schon seit langem beim Kraichgauclub. Die Tabelle seit dem 7. Spieltag ist der Beweis. Nach drei Niederlagen in den ersten sechs Saisonspielen hat die TSG Hoffenheim in den vergangenen 13 Bundesligaspielen tatsächlich genauso viele Punkte gesammelt wie der FC Bayern München. Es gibt also noch Tabellen, in denen die Konkurrenz auf Augenhöhe ist mit dem Riesen FC Bayern.Für einen Hoffenheimer Trainer, der in der Vorsaison mitten im Abstiegskampf von Titeln mit der TSG sprach, muss sich das doch prima anfühlen, oder? „Es zeigt, dass wir über die Saison eine Entwicklung genommen haben“, sagt Christian Ilzer, angesprochen auf die vergangenen 13 Partien. Ilzers Mission und Vision: „Am Ende der Saison ein besseres Team zu sein als zu Beginn der Saison.“
Und genau danach sieht es für den aktuellen Tabellendritten (39 Punkte) aus. Ilzer verriet in der Vorsaison, als es nicht so gut lief, dass er als Trainer auch mal gerne einen Schritt zurück mache, in die Beobachterrolle schlüpfe. „Erfolgreiche Mannschaften sind in sich sehr gut organisiert“, sagt er. Das war zum Beispiel beim 2:0 in Bremen am Dienstag gut zu sehen. Noch während der VAR das Foul checkte, das in einer Roten Karte für Wouter Burger mündete, seien die Spieler auf ihn zugekommen.
Die TSG-Profis hätten nicht mit der Unterzahlsituation gehadert, sondern umgehend nach Lösungen gesucht, lobte Ilzer. Nun muss er gegen Union Berlin auf Schlüsselspieler Burger verzichten, der auch in der Woche darauf beim FC Bayern München fehlen wird. „Wie gut wir ihn ersetzen können, das wird sich weisen“, sagt Ilzer. Vor allem die physische Präsenz des Sommer-Neuzugangs dürfte schwer zu kompensieren sein. Ausgerechnet gegen einen Kontrahenten, zu dessen Kernkompetenz die Physis zählt.
Vor einem Jahr setzte es eine 0:4-Heimpleite der TSG gegen Berlin
„Steffen Baumgart hat seine Art und Weise auf die Mannschaft übertragen“, sagt Ilzer über das „unangenehme, zweikampfbetonte Union-Spiel“. Für den Österreicher sind die Berliner das beste Standardteam der Liga: „Man unterschätzt die Truppe immer.“ Große Gefahr wird von Ecken und Freistößen ausgehen. „Die haben halt eine Mannschaft, in der jeder gefühlt 1,90 Meter groß ist. Da können sie eine Wucht entwickeln“, sagt Ilzer. Die hat er vor rund einem Jahr selbst zu spüren bekommen.
Damals gewannen die Berliner mit 4:0 in Sinsheim. Ilzer kriegte danach die Kurve zum Klassenerhalt. Damals wie heute hat die TSG ein Problem, das Stadion mit eigenen Fans zu füllen. Trotz niedriger Preise wird am Samstag rund ein Drittel aller Plätze freibleiben. Mit rund 20 000 Zuschauern rechnet die TSG, die waren auch beim 0:4 vor einem Jahr da. Wurmt das nicht, dass die Erfolge nicht von mehr Zuschauern honoriert werden? „Wir sind sicherlich nicht die größte Familie im deutschen Fußball. Ich bin extrem dankbar für jeden, der mit uns mitfiebert“, sagt Christian Ilzer.
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