Deshalb kann die TSG Hoffenheim bald gegen Real Madrid oder PSG spielen
Der Dritte der Fußball-Bundesliga hat den SC Freiburg souverän mit 3:0 geschlagen. Die TSG Hoffenheim hat es drauf, in der Champions League mitzumischen. Trainer Christian Ilzer sieht aber ein gefährliches Bild.

Christian Ilzer steht mit dem Rücken zur Wand. Der Druck des Umfelds ist groß. Der Hoffenheimer Trainer wird von zahlreichen Reportern bedrängt, deshalb hat er sich am Ausgang des Pressekonferenz-Raums an die Seitenwand gelehnt. Einige Dinge müssen noch im Detail geklärt werden, eines vor allem: Warum ist die TSG Hoffenheim in dieser Bundesliga-Saison dermaßen gut?
Das 3:0 im badischen Fußballduell mit dem SC Freiburg ist der achte Heimsieg in Folge. Das gab es noch nie, seit die Hoffenheimer 2008 in die Bundesliga aufgestiegen sind. Auch nicht in der Erfolgsära mit dem heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann, der die TSG einst in den Elitekreis der Champions League hineincoachte.
Für die neue Vereinsrekord-Serie hat Christian Ilzer gesorgt. Fisnik Asllani (46. Minute), Ozan Kabak (51.) und Valentin Gendrey (90.+5) erzielen am Samstag die Tore, danach muss der Trainer über Europas Fußball-Königsklasse reden - und die Euphorie bremsen, dass es für den Bundesliga-Tabellendritten aus dem Kraichgau jetzt doch bitte Richtung Real Madrid, Manchester City und Paris St. Germain gehen möge. Es sei „sehr gefährlich, dieses Bild zu zeichnen“, sagt Christian Ilzer. „Vorsprung groß, Champions League.“ Das seien „alles Dinge, die noch weit in der Zukunft schweben, die ablenken“.
TSG Hoffenheim will top vorbereitet in die Erntephase der Saison gehen
Fakt ist: Die TSG Hoffenheim hat in 22 Spielen famose 45 Punkte eingesammelt. Zu Platz sieben in der Tabelle, auf dem Eintracht Frankfurt mit 31 Zählern steht, ist es ein enormer Abstand. Champions League oder Europa League, das ist die Frage. Nicht mehr: Europapokal, ja oder nein? „Jetzt kommt dann die Erntezeit. Und da musst du präsent sein und nicht schon irgendwo am Ende der Saison, gedanklich. Bei der Preisverleihung“, sagt Christian Ilzer. Man müsse „richtig top vorbereitet in die Erntephase“ gehen.
Das ist sein Credo, das ist sein Job. Aus einer Rumpeltruppe, die in der Vorsaison ängstlich gen 2. Liga schauen musste, hat der Österreicher eine Spitzenmannschaft geformt - auch dank des sehr gelungenen Kaderumbaus im vergangenen Sommer. Der Hoffenheimer Fußball ist sehenswert, die Fitness der TSG-Profis enorm. Ilzers Mannschaft kann richtig Gas geben. Als die Freiburger abgefertigt sind, sagt Mittelfeld-Kilometerfresser Grischa Prömel, man sei „über sie drübergelaufen“, habe „brutal intensiv“ gespielt, „sehr, sehr dominant“ schon vor der Pause, als es noch 0:0 stand.
Es ist „richtig geil“, mit Vorzeigeprofi Vladimir Coufal zusammenzuspielen
Der Sport-Club wirkt müde vom DFB-Pokalspiel unter der Woche, auch mental. Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte lassen sich die Freiburger überrumpeln. Hoffenheims Rechtsverteidiger Vladimir Coufal bereitet die Kopfballtore zum 1:0 (46.) und 2:0 (51.) jeweils mit Hereingaben vor. Der 33-jährige Tscheche gehört zu den herausragenden TSG-Neuverpflichtungen des Sommers 2025. „Ein Weltklasse-Typ“, sagt Grischa Prömel. „Ein absoluter Vorzeigeprofi.“ In der Defensive stabil, in der Offensive ein wichtiger Impulsgeber, viel unterwegs zwischen hinten und vorne. Es sei „richtig geil, mit ihm zusammenzuspielen“, sagt Prömel.
Das findet auch TSG-Stürmer Fisnik Asllani, der Coufals Flanke zum 1:0 ins Freiburger Tor köpft. „Man merkt, was für Erfahrung er hat“, sagt der Torjäger über den lange in der englischen Premier League aktiven Tschechen. „Ein Kampfer, ein Läufer, der arbeitet fürs Team.“ Aber auch ein netter Kerl. „Er bringt immer mal wieder einen Spruch - auf Englisch, das Deutsch ist noch in Arbeit“, erzählt Asllani grinsend.
Für den Hoffenheimer Trainer Christian Ilzer sind nicht allein die fußballerischen Fähigkeiten von Vladimir Coufal sehr wertvoll. Sieben TSG-Tore hat der Rechtsverteidiger in dieser Bundesliga-Runde schon vorbereitet. Es ist auch Coufals Denken, das Ilzer bei seiner Umprogrammierung des defensiv immer wieder krass patzenden Abstiegskandidaten aus dem Kraichgau (2024/25) zum selbstbewusst guten Fußball zelebrierenden Champions-League-Anwärter (2025/26) prima ins Konzept passt. „Er ist brutal erfolgsorientiert.“
Mit viel Überzeugung: Die TSG Hoffenheim erdrückt den SC Freiburg
Teilweise ist es ein richtiges Powerplay, mit dem die TSG Hoffenheim den SC Freiburg vor dessen Tor festnagelt. „Um sie irgendwann zu erdrücken“, wie der Trainer sagt, als er da nun mit dem Rücken zur Wand steht und über den Aufschwung seines Teams redet, das die Unterzahl-1:5-Pleite beim FC Bayern sehr gut weggesteckt hat.
In den Hoffenheimer Spieler-Köpfen steckt inzwischen viel Überzeugung. Zu sehen zum Beispiel im Angriffs-Powerplay vor der Halbzeitpause. „Zu wissen, dass du das kannst, ist ein Vorteil“, sagt Ilzer. Der Trainer hat bei der TSG einen bemerkenswerten Mentalitätswandel vollzogen. „Wir haben jetzt eine Haltung, die geht Richtung Erfolg.“
Der Österreicher hat die Saat gelegt. Nun kommt es darauf an, bis zum Saisonschluss im Mai die Ernte einzubringen. Auch wenn Christian Ilzer vor der verfrühten Beschäftigung mit Europas Fußball-Königsklasse warnt, drauf hat es seine Mannschaft. In Sinsheim gegen Real Madrid oder PSG, irgendwann im Herbst. Das ist kein bloßer Traum, das ist absolut im Bereich des Möglichen.
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