Ist es eine gute Idee, im Fußball Unentschieden abzuschaffen?
In Japan gibt es für eine Übergangssaison die Regel: Steht es nach regulärer Spielzeit remis, folgt ein Elfmeterschießen, um einen Sieger zu ermitteln. Unsere Autoren sind geteilter Meinung, ob das sinnvoll ist.

Die japanische Elite-Liga im Fußball, die J-League, widmet sich für eine Übergangssaison einer revolutionären Idee. Es gibt keine Punkteteilung mehr. Steht es nach 90 Minuten plus Nachspielzeit remis, folgt künftig ein Elfmeterschießen, um einen Sieger zu ermitteln. Das Punktesystem wird angepasst: Gewinnt ein Team das Duell im Elfmeterschießen, erhält es zwei Punkte. Die unterlegene Mannschaft bekommt einen Zähler. Unverändert bleibt die Wertung bei einer Entscheidung in der regulären Spielzeit: Drei Punkte gibt es für einen Sieg, null für eine Niederlage. Wäre das auch etwas für den deutschen Fußball? Unsere Autoren sind unterschiedlicher Meinung.
Pro
Von Andreas Öhlschläger
Natürlich ist für den Fan das Allerwichtigste, dass der ganz persönliche Herzensclub möglichst viele Punkte holt – und sei es über eine Beton-Abwehr mit vor dem eigenen Tor geparkten Bus. Ein 0:0 bringt auch einen Punkt. Doch wer Fußballspiele mit neutralem Interesse anschaut, will möglichst viele Höhepunkte erleben und nicht gelangweilt vor sich hin dösen.In unserer heutigen Zeit, die von stetig wechselnden Ablenkungsimpulsen geprägt ist, darf sich der Fußball nicht konservativ geben. Es braucht frischen Wind und neue Ideen, um das Geschehen prickelnd zu halten. Wobei es ja eigentlich keine neue Idee ist, auf Unentschieden zu verzichten. Im Eishockey sind Remis-Spiele nach der regulären Zeit auch nicht vorgesehen. Allerdings geht es vor einem Penaltyschießen noch in die Verlängerung. Da eine solche im Fußball aber viel mehr Zeit beansprucht, ist es eine sehr gute Sache, den Sieger und Verlierer in einem sofortigen Elfmeterschießen zu bestimmen. Das steigert die Spannung, das sorgt für ganz große Emotionen am Schluss.
Contra
Von Florian Huber
Der Zauber des Fußballs besteht nicht aus komplexen Regeln oder verzwungenen Neuerungen. Das macht der VAR Woche für Woche in der Bundesliga vor. Warum etwas Gutes verschlimmbessern? Es ist doch grausam genug, wenn es bei K.o.-Spielen unbedingt einen Sieger braucht, der nicht anders ermittelt werden kann. Ein dröges 0:0 wird nicht automatisch zum Top-Event, wenn anschließend ein Elfmeterschießen folgt. Zum Fußball und seinen Emotionen gehört doch immer auch der Spielverlauf. Auch ein Unentschieden kann sich wie ein Sieg anfühlen, wenn spät aus einem 0:2 noch ein 2:2 wird. Oder umgekehrt wie eine Niederlage bei verspieltem Vorsprung und zwei verlorenen Zählern. Oft genug heißt es hinterher bei allen Beteiligten: Das war ein gerechtes Remis. Eine Liga, in der über Titel oder Abstieg vom Elfmeterpunkt aus mitentschieden wird, ist weder besser, noch gerechter. Dann bitte gleich die 90 Minuten davor weglassen und nur noch Elfmeter schießen. Das ist dann aber eine andere Sportart.
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