Einer aus dem Dorf für den Dorfverein: Das plant der neue Hoffenheim-Präsident
Der neue Vorstand der TSG Hoffenheim bringt die Hoffnung auf ruhigere Zeiten und sportliche Expertise mit ins Amt.

Der neue TSG-Vorsitzende ist ehrlich. Ganz kurz habe er schon mit dem Gedanken gespielt, „was prinzipiell möglich wäre“, sagt André Kreuzwieser, der neue Vorsitzende der TSG Hoffenheim. Mit Blick auf die Bundesligatabelle braucht es nicht viel Vorstellungskraft wie im nächsten Herbst Florentino Pérez zu einem kleinen, aber feinen Abendessen im ehrwürdigen Bernabeu-Stadion von Real Madrid bittet. Am Vorabend eines Champions-League-Spiels gegen die TSG 1899 wäre genau das der Fall. Da würde er dann sitzen, der Ur-Hoffenheimer André Kreuzwieser, 45 Jahre alt – und gegenüber säße der milliardenschwere Baumagnat, der als Präsident mit Real Madrid gefühlt mehr Königsklassen-Pokale gesammelt hat als die TSG Hoffenheim Titel mit all ihren Mannschaften seit 1899.
Der letzte Präsident aus Hoffenheim hieß Peter Hofmann
Seit Montagabend ist André Kreuzwieser, selbstständig in der IT-Branche (vorher bei SAP tätig), neuer Vorsitzender der TSG Hoffenheim. Einem aus dem Dorf trauen sie zu, dass es künftig nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch daneben wieder erfolgreich zugeht beim selbsternannten Dorfverein der Fußball-Bundesliga. Kreuzwieser galt im Vorfeld bereits als klarer Favorit, setzte sich dann auch im ersten Wahlgang durch. Bei der fast dreistündigen Mitgliederversammlung vor den 1218 Mitgliedern, darunter auch Mäzen Dietmar Hopp, war er der klare Gewinner. Der letzte TSG-Präsident aus Hoffenheim hieß Peter Hofmann, Von 1996 bis zu seinem viel zu frühen Tod 2020 war er im Amt.
„Dass wir Ruhe und Stabilität brauchen war ja sehr oft zu hören. Das habe ich definitiv in der Zusammenstellung“, ist sich Andreas Schicker, der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH sicher. Seitdem der eingetragene Verein wieder als Hauptgesellschafter der Spielbetriebs-GmbH fungiert, liegt beim e.V. auch die Macht bei den Profifußballern. Das brachte zahlreiche Schwierigkeiten mit sich. So gab es vor allem nach dem krankheitsbedingten Rückzug von Jörg Albrecht, der interimsweise kurz zurückkehrte, zahlreiche Querelen. Dank Prozessen um Spielerberater, Datenaffären, sowie Rücktritten kam es zum personellen Kahlschlag. Sportchef Andreas Schicker stand als letzter von zuvor vier Geschäftsführern der GmbH ziemlich alleine da. Jeder gegen jeden lautete zu häufig das Motto im Kraichgau-Intrigantenstadl.
Damit soll nun Schluss sein. Die Jugend muss es richten, denn neben dem 45-jährigen Kreuzwieser ergänzt Florian Beil (37) den neuen TSG-Vorstand. Bei der Wahl zum Vorsitzenden chancenlos, setzte er sich beim Vize-Posten knapp durch.
Das neue Führungstrio bringt eigene Fußballerfahrung mit
Am Dienstag gab es bereits einen Kennenlerntermin. Auf der Fußball-Taktiktafel bekleidete das Trio einst unterschiedliche Positionen. So viel Fußball-Expertise gab es bei den hohen Hoffenheimer Herren schon lange nimmer. „Das ist immer schön, wenn man sich auf hohem Niveau austauschen kann“, sagt der Sportchef. Der 39-jährige Schicker war einst Linksverteidiger (162 Erstligapartien in Österreich), Kreuzwieser kickte in der U23 der TSG Hoffenheim. Der Fußballer Kreuzwieser wanderte von vorne nach hinten. „Aus dem Stürmer in der Jugend wurde – der Länge geschuldet – bei den Aktiven dann ein Innenverteidiger“, erzählt er. Auch der ehemalige Stürmer Florian Beil bringt reichlich Fußball-Erfahrung aus 179 Regionalligaspielen mit, ausgebildet wurde er einst bei der TSG Hoffenheim, wo er nun als Teammanager in der TSG-Akademie arbeitet. Ein Problem? Als Präsident wäre er quasi sein eigener Chef geworden. „Auch so werden wir das sauber trennen. Den Interessenskonflikt wird es nicht geben“, sagt Beil.
Die Ausgangslage für die Neuen ist gut. Schlimmer als zuletzt kann es ja kaum kommen. „In die ganzen Gräben reinzugucken, die da entstanden sind, ist nicht immer gut. Der Fokus sollte auf der Zukunft liegen“, sagt Florian Beil.Als Kernthemen sieht der neue Vorsitzende Kreuzwieser „einen engeren Draht zu den Fans und Sponsoren aufzubauen und die Schnittstelle zwischen dem eingetragenen Verein und der GmbH.“
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