„Gut für die Köpfe und für die Herzen“ - mit Uwe Rapolder an der Seite gewinnt Türkspor Neckarsulm wieder
Das Kellerduell der Oberliga in Bissingen gewinnt Türkspor Neckarsulm mit 4:0. Aber weiterhin steht das Team von Feuerwehrmann Uwe Rapolder auf einem Abstiegsplatz. Immerhin, die Siegerzigarre schmeckt.

Uwe Rapolder war erleichtert. „Da ist schon einiges auf dem Spiel gestanden.“ Als Feuerwehrmann soll der frühere Bundesligatrainer die Oberliga-Mannschaft von Türkspor Neckarsulm aus der brenzligen Situation im roten Abstiegsbereich der Tabelle führen. Beim Debüt des routinierten Helfers in der Not gab es einen 4:0 (2:0)-Sieg im Kellerduell beim Vorletzten FSV 08 Bietigheim-Bissingen. „Eine Niederlage wäre natürlich verheerend gewesen“, sagte Rapolder nach dem Befreiungsschlag am Freitagabend.
Jetzt ist seine Zuversicht auf ein Happy End am Ende der Saison groß, „absolut“. Ganz eng geht es zu zischen Platz 10 und 16 im Feld der 18 Teams. Türkspor ist nach dem Sieg Viertletzter. Die Neckarsulmer kletterten einen Rang nach oben.
„Ein Auswärtsspiel, dann mit 4:0 gewinnen, das ist nach fünf Niederlagen auch in Bissingen schwierig“, sagte der 67-jährige Zabergäuer, der einst im deutschen Fußball-Oberhaus Arminia Bielefeld und den 1. FC Köln gecoacht hat.
Türkspor Neckarsulm hat die Negativserie beendet, die das Team bis auf den drittletzten Tabellenplatz in der Oberliga abrutschen ließ. Sechs Spiele sind es jetzt noch, um die Mission Klassenerhalt zu vollenden. Uwe Rapolders Optimismus ist durch sein Sieg-Debüt an der Seitenlinie bestätigt worden. „Das Ergebnis ist für uns natürlich ganz wichtig, aber auch die Art und Weise, die Einstellung. Insgesamt war es eine willensstarke Leistung.“
Von Anfang an beharkt die Türkspor-Elf den Gegner
Koray Kilic (21. Minute), Pascal Sohm (27.) und Cristian Giles Sanchez (57., 86.) erzielten die Türkspor-Tore. Uwe Rapolder verteilte Lob ans gesamte Team. Ihm hatte gefallen, wie die Nullachter angegangen wurden. „Wir haben sie von Anfang an beharkt. Wenn keine Zeit und kein Raum da ist, dann werden die Schwächen aufgezeigt.“ Das 4:0 soll nun für Ruhe sorgen, um die weiteren Aufgaben ohne Panik angehen zu können. „Das war gut für die Köpfe und für die Herzen“, sagte Rapolder. „Man kann an unserem Spiel sicherlich noch feilen. Beim taktischen Verhalten gibt es noch ein paar kleine Stellschrauben.“ Doch das große Ganze gefiel ihm.
Weiter geht es am 25. April mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Normannia Gmünd, eine Mannschaft, die auch Angst haben muss, in die Verbandsliga abzurutschen. Dann wird der Neckarsulmer Spielertrainer Julian Grupp erneut Uwe Rapolder das Coaching überlassen. „Es ist gut für ihn, wenn er sich in dieser schwierigen Phase auf sein Spiel konzentrieren kann. Gerade in der zweiten Halbzeit war er in Bissingen sehr stark“, sagte der vom Club-Berater zum Seitenlinien-Feuerwehrmann gemachte Ex-Bundesligacoach. „Das ist für Julian keine Rückstufung, das darf er so nicht empfinden. Ich war auch mal Spielertrainer in der zweiten Liga in der Schweiz, das ist nicht so einfach.“
Rapolder sagte: „Es war wichtig, dass jemand von außen vielleicht neue Impulse setzen kann. Das war die Grundüberlegung.“ Die Trainerlizenz von Julian Grupp ist weiterhin nötig. Im ersten Spiel des erhofften Neckarsulmer Rettungs-Schlussspurts ging der Plan der Türkspor-Verantwortlichen auf.
Uwe Rapolder motzt den Assistenten an und sieht die Gelbe Karte
Uwe Rapolder war an der Seitenlinie mit viel Herzblut dabei. In der 73. Minute bekam der leidenschaftlich gegen eine Abseitsentscheidung wetternde Routinier Stress mit Schiedsrichter-Assistent Philip Dickemann an der Linie. „Der hat mich einfach geduzt. Ich habe ihm gesagt: Junge, ich bin 30 Jahre älter, also ein bisschen Respekt.“
Weil die Sache nach einem nicht gegebenen Treffer von Giles Sanchez ziemlich hitzig verlief, sah Rapolder von Referee Alessio Remili wegen Motzens die Gelbe Karte und musste sich anhören: „Bei 3:0 ist das sowas von unnötig.“ Der Türkspor-Impulsgeber blieb allerdings dabei: „Das war kein Abseits, hundert Prozent nicht. Aber das sind Kinkerlitzchen. Ich war in meiner Karriere sieben Mal auf der Tribüne.“
Auch etliche Tausend Euro an Strafen musste Uwe Rapolder während seiner Trainerkarriere im Profifußball bezahlen, weil er sich zu eruptiv verhalten hatte. Die Verwarnung in Bissingen war nichts Großes, aber sie zeigte: „Ich war vor dem Spiel schon angespannt. Ich habe versucht, das ein bisschen zu verbergen. Wenn du da verlierst, hast du natürlich die Spötter gegen dich.“ So ist es jetzt nicht.
Der 67-Jährige durfte sich nach dem 4:0 eine Siegerzigarre gönnen. Wobei: geraucht hätte Rapolder sowieso. „Sonst wäre es eine Trostzigarre geworden“, grinste er. Die Laune war nach dem Befreiungsschlag prima. Aber weiterhin steht Türkspor auf einem Abstiegsplatz.
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