Unfälle mit Toren sind grundsätzlich selten. In Deutschland gab es 2013 einen Fall in Hamburg, in dem ebenfalls ein Siebenjähriger durch ein umfallendes Tor erschlagen wurde. 2010 starb ein Zwölfjähriger im münsterländischen Nottuln. 2021 wurde ein Elfjähriger schwer verletzt. Auch in früheren Jahren und im Ausland gab es weitere ähnliche Unfälle.
Nach tödlichem Unfall mit Fußballtor: Verbände sensibilisieren Vereine für Gefahren
Der Unfall in Erlangen-Bruck, wo ein Siebenjähriger von einem mobilen Fußballtor lebensgefährlich verletzt wurde und später verstarb, treibt auch die Fußballverbände in Württemberg und Nordbaden um. Nun sind erste Ermittlungsergebnisse bekannt.
Der tödliche Unfall von vergangenem Samstag (21. März), als ein Siebenjähriger auf einem Sportgelände eines Fußballvereins in Erlangen-Bruck von einem mobilen Fußballtor lebensgefährlich verletzt wurde, so dass er später im Krankenhaus verstarb, hat bundesweit Bestürzung ausgelöst.
„Wir sind alle tief erschüttert und fassungslos. Uns fehlen die Worte“, schreibt der Bayerische Fußball-Verband. Man wolle den Fußball ruhen lassen. „Die Fußball-Familie ist in Gedanken bei all denen, die begreifen müssen, was es in dieser Stunde einfach nicht zu begreifen gibt.“ Alle für Sonntag geplanten Spiele der Junioren auf Kreisebene im Fußballkreis Erlangen/Pegnitzgrund wurden infolge des Unglücks abgesagt.
Unfall ereignete sich beim Aufstellen der mobilen Tore – Ermittlungen laufen noch
Wie sich das Unglück ereignet hatte, war lange nicht klar. Nun hätten die Ermittlungen ergeben, dass vier mobile Tore zunächst flach auf dem Spielfeld gelegen hätten und für das Spiel der F-Jugend aufgestellt worden seien, erläuterte ein Sprecher vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Bei dem vierten Tor habe es sich um ein anderes Modell gehandelt, das an der Querverbindung hinten Zusatzgewichte gehabt habe. Beim Aufstellen sei dieses in eine Schwung- und Kippbewegung geraten und habe den siebenjährigen Spieler des FSV Erlangen-Bruck lebensgefährlich verletzt.

Die Untersuchung zu dem Unfall - insbesondere auch dazu, welche Personen daran beteiligt waren - laufen nach Angaben der Polizei weiter. „Nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Ermittlungen gilt es seitens der Staatsanwaltschaft zu klären, ob ein vorwerfbares Handeln vorgelegen haben könnte“, hieß es.
Ob es etwa erkennbar gewesen sei, dass es sich bei dem vierten Tor um eines mit Gewichten handelte, sei noch unklar, sagte der Sprecher. Die Polizei hatte nach dem Unglück am Samstagnachmittag einen Gutachter hinzugezogen, um den Unfallhergang zu rekonstruieren.
Die Fußballverbände in Baden-Württemberg haben das Unglück zum Anlass genommen, ihre Vereine noch mal dafür zu sensibilisieren, dass sie Verkehrssicherungspflichten hätten. „Wir haben nach Bekanntwerden dieses Falls in Abstimmung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) unsere Vereine angeschrieben und sie darauf hingewiesen, welche Pflichten sie auf ihren Sportgeländen haben, dass es nicht zu solchen Unfällen kommt und wie sie diese vorbeugen können“, berichtet Katharina Guthmann, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Badischen Fußball-Verband (BFV). Der DFB habe dazu auch eine Broschüre unter dem Namen „Verkehrssicherheit auf dem Sportplatz - Schwerpunkt Tore“ aufgelegt, „die wir schon vor einigen Jahren verschickt haben“, erzählt Gutmann, und die auch auf der Homepage des nationalen Verbands herunterladbar ist.
Außerdem gibt es vom DFB das Punktespiel, das erstmals zur Heim-EM 2024 aufgelegt wurde. Es „macht Engagement für Vereine lohnenswert. Mit gezielten Maßnahmen zur Vereinsentwicklung stellen sich teilnehmende Klubs positiv für die Zukunft auf. Gleichzeitig sammeln sie mit jeder erfolgreich umgesetzten Maßnahme Punkte, für die im Gegenzug attraktive Prämien abgestaubt werden können“, schreibt der nationale Verband auf seiner Homepage. Das aktuelle DFB-Punktespiel endet am 31. August. Es werden alle Maßnahmen gewertet, die seit dem 1. Juli 2025 durchgeführt wurden und bis zum 31. August eingereicht werden. „In dem DFB-Punktespiel ist eine Aktion, die Punkte gibt, die Standfestigkeit der Tore zu überprüfen“, erzählt Oliver Deutscher, Abteilungsleiter Gesellschaftliche Verantwortung beim Württembergischen Fußball-Verband (WFV).
WFV hatte mit Stickern auf Gefahren von mobilen Toren hinweisen
Der WFV berät derzeit intern, ob neue Aktionen aufgelegt werden, um auf solche Gefahren hinzuweisen. „Wir haben Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre - das war noch zu Zeiten, als wir noch das alte WFV-Logo hatten - Aufkleber produziert und an die Vereine verschickt mit dem Hinweis: ,Achtung, tragbares Tor, kann umstürzen’“, erzählt Deutscher. Diese würden teilweise heute noch an mobilen Toren auf den Sportplätzen in Württemberg kleben. Darüber hinaus steht in unseren Bestimmungen, dass Tore immer auf Standfestigkeit zu überprüfen und auch dementsprechend verankert werden müssen.
Die Technik bei mobilen Toren sei in der Zwischenzeit allerdings auch vorangeschritten. „Die meisten Tore haben in der Zwischenzeit integrierte Gewichte. Ich habe schon lange keine Tore mehr gesehen, die noch keine haben“, berichtet Deutscher. „Früher war die Verankerung noch manuell zu machen mit Haken, die man im Boden versenken musste.“
Absicherung von Sportvereinen
Erster Ansprechpartner für Oliver Deutscher auf der Suche nach genauen Informationen zu dem Unfall in Erlangen-Bruck, als ein siebenjähriger von einem umstürzenden mobilen Tor lebensgefährlich verletzt wurde und später im Krankenhaus verstarb, ist der Württembergische Landessportbund (WLSB). „Ich habe mit dem Versicherungsvertreter des WLSB gesprochen, ob er mit seinem bayerischen Kollegen Kontakt hatte“, berichtet der Abteilungsleiter Gesellschaftliche Verantwortung beim Württembergischen Fußball-Verband (WFV). Doch auch über diese Schiene ist nur bekannt, dass der Verein, auf dessen Gelände der Unfall passiert ist, den Vorfall bei seiner Versicherung gemeldet hat.
Alle Sportvereine sind über ihre Landessportverbände versicherungstechnisch abgesichert. „Die Landessportverbände haben für ihre Vereine Rahmenverträge mit Versicherungen abgeschlossen. Der sichert diese ab, wenn beispielsweise Sportverletzungen, Sportvorfälle oder Sachbeschädigungen passieren“, erklärt Deutscher. „Unter den Sportversicherungsvertrag fällt auch der Unfall in Erlangen-Bruck, da der Unfall bei den Vorbereitungen auf ein offiziell angesetztes Pflichtspiel passiert ist. Wäre der Unfall passiert, wenn der Sportplatz leer gewesen wäre und Kinder an den mobilen Toren gespielt hätten, wäre der Fall anders gelagert.“
Gespielt wird in der F-Jugend in Württemberg ein Mix. „Die Kinder spielen an einem Spieltag zwei Spielformen“, berichtet Deutscher. Auf der einen Seite wird im Vier-gegen-vier auf Jugendtore in der Größe fünf auf zwei Meter gespielt. „Man muss ja auch die Torspieler zum Einsatz bringen und die Positionen spielen lassen“, erklärt der WFV-Abteilungsleiter Gesellschaftliche Verantwortung. Auf der anderen Seite wird die Funino-Variante absolviert - drei gegen drei auf die ganz kleinen Tore. Diese gehen Erwachsenen nur bis zur Hüfte.
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