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Wenn Lorch auf Lorch trifft: Auf dem Platz gibt‘s keine Familie

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Im Testspiel des Verbandsligisten VfB Eppingen beim Oberligisten FSV 08 Bietigheim-Bissingen stehen sich Noah und Jona Lorch aus Meimsheim direkt gegenüber. Rücksicht auf den jeweils anderen Bruder wird in Zweikämpfen aber nicht genommen.

Noah Lorch (links) läuft im zweiten Jahr für den VfB Eppingen in der Verbandsliga Baden auf.
Noah Lorch (links) läuft im zweiten Jahr für den VfB Eppingen in der Verbandsliga Baden auf.  Foto: Michael Nachreiner

„War das kein Foul?“, wandte sich Jona Lorch an den Schiedsrichter, nachdem ihn Noah Lorch leicht in die Hacken getreten hatte, obwohl ohne Chance an den Ball zu kommen. Es war das einzige Mal, dass sich die Brüder aus Meimsheim im Testspiel des Oberligisten FSV 08 Bietigheim-Bissingen gegen den badischen Verbandsligisten VfB Eppingen so nahekamen. Beide machen keine Unterschiede, gegen wen sie in die Zweikämpfe gehen. „Man geht rein wie bei jedem anderen, man zieht nicht zurück oder will beweisen, dass man auch hart ist“, sagt der 20-jährige Noah Lorch, der beim VfB Eppingen im offensiven Mittelfeld spielt.

Beide Brüder haben in der Jugend vor allem im defensiven Mittelfeld gespielt

Sein ein Jahr älterer Bruder Jona läuft als Innenverteidiger auf. „Ich spiele ein bisschen lieber auf der Sechs. Dort war ich aber auch eher für die Zweikämpfe und die Balleroberungen zuständig“, erzählt Jona Lorch. „Durch die Knieverletzung von Steven Keklik war klar, dass ich nach hinten rücke. Ich fühle mich als Innenverteidiger auch wohl – die Position gefällt mir in der Zwischenzeit sogar etwas besser, auch wenn es erst eine Umstellung war.“

Jona Lorch (rechts) ist in der Zwischenzeit in die Innenverteidigung beordert worden, weil dort bei 08 Bissingen Personalnot herrscht.
Jona Lorch (rechts) ist in der Zwischenzeit in die Innenverteidigung beordert worden, weil dort bei 08 Bissingen Personalnot herrscht.  Foto: Michael Nachreiner

Angefangen hat auch Noah Lorch im defensiven Mittelfeld. „Fast die gesamte Jugend habe ich auch auf der Sechs gespielt“, sagt der 20-Jährige. Erst beim TSV Meimsheim, dann in Bietigheim-Bissingen. Nach der A-Jugend trennten sich ihre Wege. Während Jona Lorch eine Chance unter Trainer Markus Lang in der Oberliga beim FSV bekam, wechselte Noah Lorch zum VfB Eppingen. Und dort wurde sein Part offensiver. „Am Anfang musste ich mich umstellen. Denn ich wollte viele Bälle. Und als Sechser bekommt man mehr Bälle als als Zehner“, meint Noah Lorch.

Neid auf den Erfolg des anderen kommt nicht auf - auch nicht auf den des ältesten Bruders Jeremias

Neid kommt auf den anderen nicht auf – auch nicht auf den neun Jahre älteren Bruder Jeremias Lorch, der mehr als 200 Spiele in der 3. Liga und 20 in der 2. Liga absolviert hat. „Ich weiß, dass meine Brüder das können“, erzählt Noah Lorch. „Bei anderen Spielern denke ich aber manchmal: Warum spielen die da und nicht ich?“

Noah Lorch (rechts) strahlt als Zehner auch viel Torgefahr aus.
Noah Lorch (rechts) strahlt als Zehner auch viel Torgefahr aus.  Foto: Michael Nachreiner

Jeremias Lorch ist auf jeden Fall ein Vorbild für die beiden jüngeren Brüder. Der Traum, Profi zu werden, ist noch nicht abgehakt. „Ich will mal so hoch wie möglich spielen – vielleicht ein bisschen Profi-Luft schnuppern. Man muss ja große Ziele haben“, sagt Noah Lorch. Und Jona Lorch ergänzt: „So lange man noch jung ist, kann man noch ein bisschen träumen. Vielleicht klappt es ja noch – dafür geben wir auf jeden Fall Gas.“

Niederlage des VfB Eppingen

Im Testspiel gewann der Oberligist FSV 08 Bietigheim-Bissingen gegen den badischen Verbandsligisten VfB Eppingen mit 2:1 (1:0). Den Rückstand durch Bleart Dautaj (5. Minute) egalisierte Dino Corajevic (58.). Doch nur sieben Minuten später verschuldete Valerij Felk einen Elfmeter an Emre Yalcin, den der Gefoulte verwandelte (65.). Bitter für den VfB: Corajevic verletzte sich kurz nach seinem Tor am Knie. Sollte sich das Gefühl des Stürmers bewahrheiten, dass etwas mehr kaputt gegangen ist, „wäre das für Dino richtig bitter. Er war bisher gut drauf“, sagt Eppingens Trainer David Pfeiffer. nac

Die Jagd nach dem Ball ist das bestimmende Thema in der Familie Lorch. „Es geht die meiste Zeit um Fußball“, berichtet Jona Lorch. Und Noah Lorch ergänzt: „In der Regel geht es darum, was beim jeweils anderen im Verein abgeht.“

Abseits des Fußballplatzes gehen Brüder meist getrennte Wege

Allgemeine Themen aus den Topligen werden aber ebenfalls angeschnitten. Man trifft sich immerhin jeden Tag zu Hause. Das Interesse am Fußball haben die Lorch-Brüder von ihrem Großvater geerbt. „Er war ein guter Fußballer – das erzählt er zumindest“, berichtet Jona Lorch und lacht.

Abseits des Fußballplatzes gehen die Brüder allerdings meist getrennte Wege. Jeder hat seinen eigenen Freundeskreis. „Wir verstehen uns aber sehr gut“, berichtet Jona Lorch, der im vergangenen Jahr sein Abitur bestanden und derzeit ein Sabbatjahr macht, bevor er im Oktober anfangen möchte zu studieren. „Wir sind immer für den anderen da. Der andere hat immer ein offenes Ohr.“ Und Noah Lorch, der eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert, ergänzt: „Wir haben keine großen Konflikte, wir sind eng.“

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