Walter Thomae trainert ab Sommer die Neckarsulmer Fußballer
Die Oberliga-Kicker der Sport-Union Neckarsulm überraschen mit der Verpflichtung eines hauptamtlichen Trainers. Was steckt hinter dem Engagement von Walter Thomae, der lange Jahre die Nachwuchsarbeit beim VfB Stuttgart mitgestaltete?

Seit Dienstagabend wissen die Oberligaspieler der Sport-Union Neckarsulm, wer sie ab Sommer trainiert. Der Neue heißt Walter Thomae. 13 Jahre war er beim VfB Stuttgart in verschiedensten Funktionen tätig. Drittliga-Trainer der zweiten Mannschaft, langjähriger Co-Trainer, ein Jahr Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.
Thomae hat auch für die Verbandsliga unterschrieben
Eine solche Vita hat noch kein Verantwortlicher mit an den Pichterich gebracht. Erstmals gibt es einen hauptamtlichen Trainer beim Fünftligisten. Ein Fußballlehrer, also einer mit der Lizenz, einen Erstligisten zu betreuen, ist ebenfalls ein absolutes Novum. Thomae, einst auch beim VfR Heilbronn als Spieler aktiv, erhält einen Vertrag für zwei Jahre. Er wäre auch für die Verbandsliga gültig, sollten die Neckarsulmer Anfang Juni doch zu den Oberliga-Absteigern zählen.
Ist ein Profitrainer gleichbedeutend mit dem Angriff auf den Profifußball? "Das erweckt bei anderen natürlich Erwartungen, das ist mir schon klar", sagt Rolf Härdtner, der Vereinsvorsitzende der Sport-Union Neckarsulm über den Nachfolger von Marcel Busch, der sich im Sommer nach vier Spielzeiten eine Trainer-Auszeit gönnt. Am Ziel, ein relativ gesicherter Oberligist zu sein, ändere sich nichts, sagt Rolf Härdtner. Ebenso wenig am Budget: "Wir sind nicht größenwahnsinnig."
Er soll sich auch um die Jugendabteilung kümmern
Denn auch Walter Thomae hat in den Gesprächen der vergangenen Wochen gelernt: Oberliga ist das höchste der Gefühle für Neckarsulm. Das Stadion ist und wird nicht regionalligatauglich. Finanziell wäre Liga vier mit dem dafür nötigen Budget nie und nimmer möglich. Fußballlehrer Thomae ist trotzdem Teil eines Kulturwandels bei den Neckarsulmer Fußballern. Aber keiner in Richtung Profifußball, das stellen alle Beteiligten klar. Die Hauptamtlichkeit habe sich im Prozess ergeben, sagt Härdtner: "Wenn es nicht Walter Thomae gewesen wäre, dann hätten wir es wohl nicht gemacht." Der 55-Jährige aus Oberriexingen bei Bietigheim-Bissingen soll langfristig Oberliga-Fußball ermöglichen, in dem er sich auch stärker um die Jugendabteilung kümmert.
Weil er eben - anders als seine Vorgänger Thorsten Damm und Marcel Busch - nicht nur nebenberuflich tätig sein wird. "Wir erhoffen uns schon, dass wir mit Blick auf seine Erfahrung Schulungen und Perspektivtraining anbieten, übergreifend die ganze Jugendabteilung pushen", sagt der Sportliche Leiter Thorsten Damm. Das klare Ziel für die nächsten Jahre umreißt Rolf Härdtner ganz deutlich: "Wir wollen für unsere Oberliga-Mannschaft mehr eigene Talente entwickeln." Eigengewächse Jahr für Jahr zu integrieren, das ist die Mission.
SUN soll auch für Sprungbrett-Union Neckarsulm stehen
Der neue Trainer sei ein Zeichen an die Talente der Region, dass Neckarsulm als Ausbildungsverein fungiere, betont Härdtner, dem es um Nachhaltigkeit geht. "Leiste ich mir nur eine erste Mannschaft und kaufe da jedes Jahr etwas hinzu oder entwickle ich mir auch eigene Talente?", sagt der Vereinsvorsitzende. Es geht dabei nicht darum, im Jugendbereich mit dem VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim zu konkurrieren.
"Ich sehe aber keinen Sinn darin, dass Neckarsulmer Talente nach Neckarelz gehen", sagt Härdtner. Neckarsulm will zum Sprungbrettclub werden - und Thomae soll den Talenten zeigen, wie man richtig abspringt. "Jeder Trainer will nur gewinnen und keiner hat mehr die Ausbildung der Spieler im Blick", sagt Thomae. Eine Nische finden als Ausbildungsverein, das ist das Ziel des Neuen. "Wir wollen der Verein sein, der dir als Talent den nächsten Step ermöglicht", sagt Thomae.
Das Gefühl passt bei Thomae
Der 55-Jährige hat höherklassige Angebote aus Norddeutschland ausgeschlagen, weil er heimatnah etwas aufbauen möchte. "Ich bin ein Typ, der auf sein Gefühl hört, das hat in den Gesprächen gepasst", sagt Walter Thomae. In Neckarsulm erhält er die erhoffte Gestaltungsmöglichkeit. "Ich möchte nicht, dass mir ein Sponsor reinredet, sondern im Team Lösungen finden", sagt Thomae, der im Vorjahr ein kurzes Intermezzo bei der SG Sonnenhof Großaspach selbst beendete.
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