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Fußball-Landesliga Rhein-Neckar
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Türkspor Eppingen trotz 16 Punkten Rückstand: Transfers sollen neue Energie entfachen

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Obwohl er seinen Rücktritt angeboten hat, bleibt Mehmet Öztürk beim Landesliga-Neuling Türkspor Eppingen bis Saisonende Trainer. Der personelle Umbruch fällt im Winter verhaltener aus als befürchtet.

Der Ex-Profi Hakan Aslantas (rechts) holte mit Türkspor Eppingen in der Landesliga bisher nur sieben Punkte. Dennoch glauben er und vor allem die Vereinsverantwortlichen noch daran, dass der Klassenerhalt gelingen kann.
Der Ex-Profi Hakan Aslantas (rechts) holte mit Türkspor Eppingen in der Landesliga bisher nur sieben Punkte. Dennoch glauben er und vor allem die Vereinsverantwortlichen noch daran, dass der Klassenerhalt gelingen kann.  Foto: Michael Nachreiner

Als sich Türkspor Eppingen vor Weihnachten in die Winterpause verabschiedet hat, stand ganz viel zur Disposition. Allen voran stellte sich Trainer Mehmet Öztürk die Frage, ob es für ihn Sinn mache, den Abstieg praktisch nur noch zu verwalten. Denn der Aufsteiger überwinterte in der Landesliga Rhein-Neckar abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Der Rückstand auf Rang 13, der den Klassenerhalt bedeuten würde, beträgt 16 Punkte, auf den Relegationsrang sind es auch schon 15 Zähler Rückstand. Außerdem bestand die Gefahr, dass die Kraichgauer einen Spieler-Aderlass verkraften müssen.

Doch Entwarnung. Türkspor steht weder führungslos noch ohne einen einigermaßen konkurrenzfähigen Kader da. Mehmet Öztürk bleibt zumindest bis zum Saisonende. „Ich stehe gegenüber dem Verein im Wort. Ich verlange von den Spielern, dass sie Bälle holen, die sie nicht erreichen können. Dann muss ich auch von mir fordern, dass ich ein Ziel verfolge, das wir nicht erreichen können – nämlich den Klassenerhalt“, berichtet der Coach. „Aber ich habe den Verantwortlichen auch angeboten zurückzutreten. Denn es ist eigentlich aussichtslos. Ob es dann Sinn macht, dass ich den Aufwand weiterhin betreibe und dass der Club noch einmal Ablöse für neue Spieler zahlt, musste man sich überlegen.“

Vereinsverantwortliche zögerten nicht lange: Öztürk genießt großes Vertrauen

Für die Vereinsverantwortlichen gab es allerdings wenig zu überlegen. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Sein Trainingsaufbau und seine -inhalte sind hervorragend“, erklärt Ferhat Fistikci, der Sportliche Leiter von Türkspor. „Und auch wenn er noch nicht wirklich mit der Mannschaft harmoniert hat, kam aus dem Kreis der Spieler noch kein schlechtes Wort über ihn.“

Unter der Hand wurde dennoch immer wieder Kritik geübt. Umso erstaunlicher ist es, dass sich der personelle Umbruch in der Winterpause in Grenzen hielt. Nur vier Spieler haben Türkspor verlassen. Salih Tokgöz, erst Ende August zum Team gestoßen, zog es in die dritte türkische Liga zu Izmir Coruhlu. „Sein Abgang tut uns weh. Er ist ein junger Spieler, der seine Chance sucht“, sagt Ferhat Fistikci über den dribbelstarken Flügelflitzer. Außerdem wechselten Alieu Sowe und Mikail Cavus (beide SV Menzingen) sowie Efekan Cevlik (unbekannt). Auch Muhammed Korkmaz spielt keine Rolle mehr in den Planungen, hat aber mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Gleich sieben Spieler hat der Landesliga-Neuling aus Eppingen in der Winterpause geholt

Dafür lockten die Eppinger gleich sieben neue Spieler zu Türkspor. „Sie sollen vor allem wieder ein Feuer entfachen und Energie reinbringen ins Team. Das sind alles Spieler, die uns auch spielerisch weiterbringen können“, meint Öztürk.

Die Offensive verstärken Serif Ciftci (TSV Kleinglattbach), Marius Tutea (Türk Gücü Sinsheim) und Elyesa Cetin (TG Böckingen), der bereits erste Einsätze für Türkspor hatte. „Serif ist ein großer Stürmer, der für eine Überraschung sorgen kann. Marius hat seine Qualität in der Kreisliga schon bewiesen. Wenn er diese auch eine Klasse höher abrufen kann, ist das ein Plus für uns“, analysiert Mehmet Öztürk. „Und Elyesa hat bereits bewiesen, dass er uns helfen kann mit seiner Schnelligkeit und Power.“

Die Defensive verstärkt ein ehemaliger Junioren-Nationalspieler

Alternativen fürs Mittelfeld sind Rückkehrer Sebahattin Öztürk (TSG Öhringen), Dogukan Ag (TVD Velbert) sowie Yusuf Erdogan (ASV Heilbronn). „Bei Seba ist ganz klar, dass er eine Verstärkung sein kann“, erklärt Mehmet Öztürk. „Dokugan ist in unserer Region nicht so bekannt, er spielte vor allem in Westfalen. Auch er hat aber einiges zu bieten. Und Yusuf ist ein Linksfuß, der auf beiden Flügeln spielen kann.“

Die Defensive verstärkt Mikail Arslanoglu (GU-Türk. SV Pforzheim). „Er war Junioren-Nationalspieler, der immer noch ein junger Spieler ist und viel mitbringt“, sagt Mehmet Öztürk. Für den Trainer sind auch Ilja Eckel und Maximilian Gräßle Neuzugänge, „da sie so lange gefehlt haben“.

Dank der neuen Spieler blicken die Verantwortlichen positiv auf die zweite Saisonhälfte

Mit den neuen Kräften blicken die Türkspor-Verantwortlichen positiv auf die zweite Saisonhälfte, die mit dem Nachholspiel gegen den VfB St. Leon am 22. Februar beginnt. „Mit einem guten Start kann es noch mal heiß werden“, sagt Mehmet Öztürk. Und Ferhat Fistikci ergänzt: „Mit den Transfers haben wir unsere letzte Karte gespielt. Aber wir gehen davon aus, dass wir mit ihnen vorankommen. Und wenn wir in den ersten beiden Spielen gegen St. Leon und Rheinau punkten, sind wir wieder mit dabei bei der Musik.“ Mehmet Öztürk warnt aber auch: „Es kann auch ganz schnell ganz deprimierend werden.“

Belastetes Verhältnis

Gianluca Boellis hat sein Amt als Sportlicher Leiter beim Landesliga-Aufsteiger Türkspor Eppingen niedergelegt. „Ich habe schon Anfang Dezember die Entscheidung zu diesem Schritt getroffen“, sagt der Deutsch-Italiener. Das Verhältnis zwischen der Vereinsführung um Hasan Fistikci wie seinem Stellvertreter Ferhat Fistikci auf der einen Seite und Boellis auf der anderen war schon seit Längerem belastet. „Seit den letzten Spielen im Dezember herrschte Funkstille zwischen beiden Seiten. Sie haben sich nicht bei mir gemeldet und ich mich nicht bei ihnen“, erklärt Boellis. Bei allen Spielerverpflichtungen hat er nicht mehr mitgewirkt. nac

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