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TSV Neuenstein und Trainer Thilo Baier gehen ab sofort getrennte Wege

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Pink Ladies vergeben am Samstag zunächst einen Matchball zum Regionalliga-Aufstieg und haben am Sonntag keinen Trainer mehr.

Die Neuensteinerin Emily Kübler (Zweite von links) wird auf dem Weg zum Tor gerade noch gestoppt. Sand II stand in der Defensive stabil und ließ den Pink Ladies nur wenige Räume.
Die Neuensteinerin Emily Kübler (Zweite von links) wird auf dem Weg zum Tor gerade noch gestoppt. Sand II stand in der Defensive stabil und ließ den Pink Ladies nur wenige Räume.  Foto: Schmerbeck, Marc

Am Samstag wusste Thilo Baier noch nicht, was für eine unliebsame Überraschung ihm bevorstehen sollte. Anzeichen, dass er bei der 0:2-Niederlage des TSV Neuenstein zum letzten Mal an der Seitenlinie des Oberligisten stand, hatte es zwar gegeben, dass es dann jedoch tatsächlich so kommen sollte, war auch für Baier unerwartet. Doch einen Tag später trennten sich die Wege des Trainers und des Clubs.

Sportliche Dinge spielten dabei eine untergeordnete Rolle. Denn trotz der Niederlage hätte das Team am Sonntag noch vorzeitig Meister werden können - wenn der VfB Stuttgart in Niefern nicht gewonnen hätte. Selbst jetzt, nach dem 1:0 des Verfolgers, haben die Pink Ladies noch zwei Matchbälle. "Dass die Trennung sofort erfolgt, war nicht unsere Entscheidung", sagt Melanie Sinzinger, eine der Abteilungsleiter des TSV. "Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir für nächste Saison mit jemand anderem planen. Es war seine Entscheidung, dass er ab sofort nicht mehr kommen wollte."

TSV plant mit Interimslösung bis Saisonende

Warum? Sinzinger möchte keine genauen Gründe nennen, sagt nur: "Wir haben seit Dezember Gespräche mit ihm geführt. Es gab einige Themen, in denen wir auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sind."

Ein weiterer Punkt sei die Tatsache gewesen, dass Thilo Baier die nötige Trainerlizenz nicht besitzt. Für die letzten beiden Spiele wird nun wohl eine Interimslösung installiert. Dies soll sich in den nächsten Tagen entscheiden und dann bekanntgegeben werden. Ebenso will der Verein beim Trainer für die nächste Runde verfahren. Vor dem Saisonabschluss soll nicht noch mehr Unruhe aufkommen.

Baier sieht fehlende Lizenz nicht als Problem

"Mir wurden keine klaren Gründe genannt", sagt Thilo Baier zu seinem Aus. Und die Lizenzfrage entkräftet er: "Ich habe extra beim Verband nachgefragt, als der mögliche Aufstieg konkreter wurde. Und mir wurde gesagt, dass es kein Problem sei. Ein Aufstiegstrainer darf auch ein Jahr ohne nötige Lizenz trainieren und hat in der Zeit die Chance, sie zu machen", erklärt er und verweist auf Paragraf 11, Absatz 5 der Ausbildungsordnung. Baier wäre auch bereit gewesen, die Anforderungen zu erfüllen.

"Natürlich habe ich im Winter mal gesagt, dass es momentan nicht möglich sei", meint Baier. "Aber da war der mögliche Aufstieg noch nicht so konkret." So plante er nach der Saison als Spieler bei der SG Sindringen/Ernsbach aufzuhören und sich auf Neuenstein zu konzentrieren. Nun könnte sich das Karriereende verschieben.

Eltern der Spielerinnen wissen mehr als der Trainer

Am Samstag ärgerte sich Thilo Baier noch über die Niederlage.
Am Samstag ärgerte sich Thilo Baier noch über die Niederlage.  Foto: Schmerbeck, Marc

Dass etwas nicht stimmte, war seit einiger Zeit zu sehen. Eine Probe-Spielerin sei im Training gewesen und ihr Vater habe gefragt, was es mit dem bevorstehenden Trainerwechsel auf sich habe, erzählt Baier. Spätestens da klingelten bei ihm die Alarmglocken. Er bestätigt, dass es im Dezember ein erstes Gespräch gegeben hat. Da stellte er auch die Frage, ob der Verein einen möglichen Aufstieg überhaupt stemmen kann und will.

Das nächste Treffen fand dann erst nach Ostern statt. "Dabei ging es vor allem um das VfB-Spiel und einen Sponsoren-Deal. Wir konnten also auf gar keinen Nenner kommen", sagt Baier. "Wir haben ja nie konkret über bestimmte Dinge geredet." Vergangenen Mittwoch gab es eine erneute Zusammenkunft. "Es war immer wieder die Lizenzfrage, und die ist kein Problem", sagt Baier. "Ich weiß nicht, was die Intention dahinter ist, ob jemand ein persönliches Problem mit mir hat. Wenn man bei einem Trainer etwas Schlechtes finden will, findet man immer was."

Baier erfährt sein Aus telefonisch auf dem Sportplatz

Das Thema beschäftige nun auch die Mannschaft. "Einige waren am Samstag mit der Energie am Ende, weil sie nicht mit der Situation klarkommen. Sie waren mental mit anderem beschäftigt", meint Baier. Nach dem Spiel gegen Sand II seien die Abteilungsleiter auf ihn zugekommen. "Da hieß es noch, wir wären die Nummer eins in Sachen Zusammenarbeit." Doch er zweifelte, "weil man am Samstag mit dem potenziellen Nachfolger noch lange zusammengesessen hatte".

Am Sonntag bekam Baier dann den entscheidenden Anruf. Mit Spielerinnen und dem Sportlichen Leiter Tobias Heer hatte er sich die Partie in Niefern angeschaut, dabei mit Sinzinger telefoniert, die ihn über sein Aus informierte. "Wir haben es zehn Jahre ehrenamtlich gemacht, viel Zeit investiert, das Meiste auf eigene Rechnung. Wenn es jetzt so jäh beendet wird, ist das bitter", sagte Baier.

TSV Neuenstein: Prucha - Hilkert, Lang (59. Bürkle), Nath, Herrmann, Klenk, Würth (77. Reuther), Polny, Gronbach (59. J. Uhl), Adler, L. Uhl (77. Kübler).

Tore: 0:1 (29.) Kahn, 0:2 (61.) Migliazza. Schiedsrichter: Pooch.

Zuschauer: 200.

 
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