Stimme+
Fußball Landesliga

TSG Öhringen scheitert an der Effektivität der SSV Schwäbisch Hall

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Der Landesligist TSG Öhringen unterliegt im Hohenlohe-Derby der SSV Schwäbisch Hall.

Kein Ball wird verloren gegeben, selbst an der Seitenauslinie nicht: Öhringens Samuel Helming hält in dieser Szene das Spielgerät noch vor Schwäbisch Halls Leon Eckelmann noch im Derby gegen Schwäbisch Hall.
Foto: Michael Nachreiner
Kein Ball wird verloren gegeben, selbst an der Seitenauslinie nicht: Öhringens Samuel Helming hält in dieser Szene das Spielgerät noch vor Schwäbisch Halls Leon Eckelmann noch im Derby gegen Schwäbisch Hall. Foto: Michael Nachreiner  Foto: Michael Nachreiner

Der Stachel der verlorenen Aufstiegsrelegation zur Landesliga gegen die SSV Schwäbisch Hall steckt bei der TSG Öhringen noch tief – obwohl die Mannschaft von Trainer Tobias Weis eine Saison später dem hohenlohischen Konkurrenten ebenfalls in die erste überbezirkliche Klasse gefolgt ist. Entsprechend viel hatten sich die Öhringer für das erste Derby mit den Schwäbisch Hallern seit der Relegation vorgenommen. Doch der Ertrag war null. Die TSG scheiterte an der gnadenlosen Effizienz der SSV und verlor am Samstagnachmittag mit 3:4 (1:2). Jedoch nahmen die Öhringer die Niederlage recht gefasst auf. „Sie tut auch nicht mehr weh wie jede andere“, sagt Tobias Weis. Geärgert hat den TSG-Trainer an dem 3:4 etwas Anderes. „Wir haben uns die ersten drei Gegentore selbst reingelegt.“

Gökdemir mit Geniestreich: Treffer über Dreiviertel der Spielfeldlänge

Beim 0:1 verlor Len Brutzer das Laufduell des ihm entgegenkommenden Elmedin Zogaj, der den Ball aus fast 30 Metern über den TSG-Schlussmann ins Tor lupfte (25. Minute). Beim 1:2 rutschte ein Öhringer im Mittelfeld weg, so dass Zogaj freie Bahn aufs Tor hatte. Den Schuss des Haller Linksaußen parierte Brutzer noch. Doch in der Mitte schaltete Enrico Ebel am schnellsten und drückte den Ball über die Linie (41.). Und beim 1:3 erkannte Ali Gutda Gökdemir, dass Brutzer zu weit vor seinem Tor stand und abgelenkt war. Der SSV-Innenverteidiger drosch den Ball über mindestens Dreiviertel der Spielfeldlänge ins Netz.

„Die Qualität hat er einfach. Nicht umsonst war er Nationalspieler Aserbaidschans“, zollt Mert Sipahi dem Schwäbisch Haller Routinier Respekt. SSV-Trainer Marcus Becker schmunzelte ob des Geniestreiches seines Abwehrchefs. „Da war ich selbst überrascht, dass er so etwas drauf hat. Trainiert wird so etwas nicht, das ist seine individuelle Klasse.“

Trainer Weis nimmt Torwart Brutzer wegen der beiden Fernschusstore in Schutz

Vorwürfe macht Tobias Weis seinem Torwart wegen der beiden Gegentore per Fernschüsse, bei denen Brutzer mehr als unglücklich aussah, nicht. „Ich will, dass Len hoch steht. Wenn er so eine Bude kassiert, nehme ich die auf meine Kappe.“ Und Sipahi ergänzt: „An solchen Toren ist immer das ganze Team schuld. Die Defensivarbeit fängt vorne im Sturm an. Wenn wir da nicht richtig anlaufen, ist es eine Kette und der Torwart am Ende die ärmste Sau.“

Denn die Öhringer hatten die Partie im Griff. Sie verfügten über mehr Spielanteile und betrieben viel Aufwand. Aber: „Immer, wenn wir am Drücker waren, haben wir ein Gegentor kassiert – also immer zum falschen Zeitpunkt. Wenn man so die Buden kassiert, steht man halt mit leeren Händen da“, ärgert sich Weis. Und sein Gegenüber Becker ergänzt: „Es war kein schönes Fußballspiel, es war viel Kampf dabei. Dennoch wollten wir mehr spielerische Lösungen finden. Doch wir waren effektiv.“

„Wir haben uns die ersten drei Gegentore selbst reingelegt.“Tobias Weis

Nach dem 0:1 drückten die Öhringer die Schwäbisch Haller zunehmend in deren eigene Hälfte. Als dann Yannick Jankowski nach einem Querschläger eines Gästespielers im eigenen Strafraum aus etwa elf Metern den Pfosten traf (35.), lag der Ausgleich fast greifbar in der Luft. Und nur eine Minute darauf verlängerte der TSG-Innenverteidiger einen langen Einwurf von Cedric Weyreter an der Fünfmeterlinie mit dem Hinterkopf über SSV-Schlussmann Cedric Moser ins lange Eck (36.). Auch nach dem Seitenwechsel übernahmen die Öhringen bei 1:2-Rückstand direkt wieder die Initiative. Yannick Jankowski traf mit einer Kopfball-Bogenlampe nach einer Ecke erneut Aluminium (50.). Und Simon Wilske (59.) sowie Lorik Makolli (60.) zielten auch jeweils knapp vorbei.

Öhringen steckt Gegentore gut weg

Sogar die kalte Dusche in Form des 1:3 steckten die Öhringer gut weg. Lorik Makolli gelang per Elfmeter der erneute Anschlusstreffer (72.). Einen Schuss von Öhringens Linksaußen hatte Moser noch pariert. Beim Nachsetzen foulte David Svecak allerdings Jankowski im eigenen Strafraum.

In der Folge warfen die Gastgeber alles nach vorne und entblößten ihre Abwehr immer mehr. Dies nutzten die Schwäbisch Haller in der 82. Minute erneut aus. Nach einem langen Schlag erzielte Ebel aus relativ spitzem Winkel noch das 4:2. Doch auch dieser Treffer war noch nicht die Entscheidung. Volkan Demir zirkelte in der 88. Minute einen Freistoß aus 18 Metern zum 3:4 in den Winkel. Nun schnürten die Öhringer die Schwäbisch Haller regelrecht in deren Strafraum ein. Doch ein weiterer Treffer wollte ihnen nicht mehr gelingen. Demir verzog bereits in der Nachspielzeit knapp (90.+1) und Jankowski traf mit einem Kopfball noch ein drittes Mal Aluminium (90.+5).

TSG Öhringen: Brutzer – Helming, Schropp, Jankowski, Ceesay – Weyreter – Sipahi (68. Demir), Wilske, Cosentino (88. Stegmeier), Makolli – Hergüngezer (55. Pantelis).

SSV Schwäbisch Hall: Moser – Svecak, Gökdemir, Gomez (65. Kühnlein) – Ilmekli (84. Müller), Mlinaric, Winker, Koch (44. Eckelmann) – Ebel (89. Bergemann), Zogaj (69. Doganay), Selcuk Vural.

Tore: 0:1 Zogaj (25.), 1:1 Jankowski (36.), 1:2 Ebel (41.), 1:3 Gökdemir (66.), 2:3 Makolli (2:3 (72./Foulelfmeter), 2:4 Ebel (82.), 3:4 Demir (88.).

Schiedsrichter: Antonio Agazio (Winnenden), Jonas Weber, Jens Drodofsky.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben