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Tag der VfR-Legenden: Wehmut mit Gänsehaut-Atmosphäre

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Beim "Tag der Legenden" des VfR Heilbronn feiern Fußball-Akteure aus fünf Jahrzehnten ein Wiedersehen.

Von Alexander Bertok
Gruppenbild mit spielenden und zuschauenden Akteuren des alten VfR Heilbronn. Die anschließende Begegnung gegen den neugegründeten VfR Heilbronn 96/18 endete mit einem verdienten 4:3-Erfolg der Ehemaligen-Auswahl.  
Fotos: Alexander Bertok
Gruppenbild mit spielenden und zuschauenden Akteuren des alten VfR Heilbronn. Die anschließende Begegnung gegen den neugegründeten VfR Heilbronn 96/18 endete mit einem verdienten 4:3-Erfolg der Ehemaligen-Auswahl. Fotos: Alexander Bertok  Foto: Bertok, Alexander

Es war ein emotionales Treffen. Der mit viel Pathos behaftete "Tag der Legenden" im altehrwürdigen Frankenstadion brachte Akteure des VfR Heilbronn aus mehr als fünf Jahrzehnten zusammen. Im Mittelpunkt stand am Sonntagvormittag ein Spiel des im Frühjahr neugegründeten VfR Heilbronn 96/18 gegen eine Auswahl des alten VfR 1896. Es war ein Stelldichein von Protagonisten Heilbronner Fußball-Glanztage und weniger erfolgreicher Zeiten.

Während es sich viele der Ehemaligen auf der Tribüne gemütlich machten, zeigten die jüngeren Alten auf dem Platz, dass sie es immer noch drauf haben. Die Oldies besiegten das aktuelle Team des B 2-Tabellenführers VfR Heilbronn verdient mit 4:3.

Noch einmal im schwarz-weißen Trikot

Marijo Maric (Mitte) beim Fachsimpeln mit VfR-Erkan Acikara (links).
Marijo Maric (Mitte) beim Fachsimpeln mit VfR-Erkan Acikara (links).  Foto: Picasa

Auch VfR-Rekordspieler Jürgen Schöpf ließ es sich nicht nehmen, nochmals das schwarz-weiße Trikot überzustreifen. Der 58-Jährige absolvierte zwischen 1982 und 1995 insgesamt 383 Punktspiele für die Heilbronner. "Das war richtig super, ich hätte nicht gedacht, dass so viele Ehemalige kommen würden und bereue es nicht, dabei gewesen zu sein", sagte Schöpf - der die Frauen des Regionenligisten SV Leingarten trainiert - und gab zu, dass "eine Portion Wehmut" dabei war.

Die Begegnung begann mit einem emotionalen Moment. In einer Schweigeminute wurde dem im Frühjahr überraschend verstorbenen Martin Wörner gedacht. Neben dem Spielfeld war eine lebensgroße Figur des langjährigen Zeugwarts aufgestellt. Er war Betreuer und mehr noch gute Seele vieler Jugend- und Aktiventeams des VfR, FCH und FC Union.

Ein Mückenschiss in der Historie

Mit einer Schweigeminute und einer lebensgroßen Pappfigur wurde der guten Seele des VfR Heilbronn, Martin Wörner, gedacht, der im Mai verstarb.
Mit einer Schweigeminute und einer lebensgroßen Pappfigur wurde der guten Seele des VfR Heilbronn, Martin Wörner, gedacht, der im Mai verstarb.  Foto: Bertok, Alexander

Geehrt, eingeladen worden zu sein, war Oliver Walla. "Ich habe nur eine Saison hier gespielt und bin daher lediglich ein Mückenschiss in der Historie dieses Vereins. Aber es hat richtig Spaß gemacht, mit Leuten zusammengespielt zu haben, die wirklich Geschichte geschrieben haben", sagte der Abwehrchef, der auch in Ludwigsburg und Berlichingen aktiv war. "Schon in der Kabine herrschte eine gute Stimmung", meinte Rüdiger Rehm, einer der deutschen A-Jugend-Pokalsieger-Helden von 1996 nach dem Abpfiff und einem Begrüßungs-Rundgang durch die Reihen alter Bekannter auf der Tribüne. Der Trainer des Drittligisten SV Wehen Wiesbaden nutzte die Spielpause seines Arbeitsgebers wegen der Länderspiel-Woche, um selbst die Fußballschuhe anzuziehen. "Meine Jungs beim SV haben die vergangenen Tage gut gearbeitet, da habe ich ihnen für den Sonntag frei gegeben."

Lob von Profitrainer Rehm

Viele ehemalige Spieler und Funktionäre des VfR verfolgten das Geschehen auf dem Platz von der Tribüne aus.
Viele ehemalige Spieler und Funktionäre des VfR verfolgten das Geschehen auf dem Platz von der Tribüne aus.  Foto: Bertok, Alexander

Dass der VfR neu gegründet wurde, freue ihn, sagte Rehm. "Hut ab, was die alles auf die Beine stellen." Auch Zweitliga-Torhüter-Ikone Charly Hrynda gehört zu den Fans. "Es begeistert mich kolossal, dass der VfR Heilbronn wieder da ist. Ich bin ein Schwarz-Weißer durch und durch", sagte der 68-Jährige, der nach seiner aktiven Zeit an der Badstraße auch Abteilungsleiter, Jugendleiter und Jugendtrainer war. "Wenn ich sehe, wer alles gekommen ist, das ist einfach nur überragend", schwärmte Hrynda. "Uns Alten ist es eiskalt den Rücken hinunter gelaufen", war auch Karl-Friedrich "Fiddich" Schmidt von der Gänsehaut-Atmosphäre sichtlich berührt.

Marijo Maric, der es bis ins kroatische Nationalteam geschafft hatte, war ebenfalls da. "Ich bin ein Heilbronner Junge, das VfR-Emblem wieder auf der Brust getragen zu haben, war ein tolles Gefühl", sagte der 41-Jährige, der in Bad Rappenau lebt und beim dortigen VfB zusammen mit Erwin Delic eine AH-Truppe auf die Beine gestellt hat.

Auf dem Platz mit dabei war auch der Neckarsulmer Oberliga-Trainer Marcel Busch. "Spielern wie Jürgen Schöpf habe ich früher von der Tribüne aus zugesehen. Es war schön, jetzt mit ihnen in einem Team gespielt zu haben", sagte Busch, mit 36 Jahren, der Jüngste der VfR-Oldies.

Gegangen, um wiederzukommen

"Es war ein gelungener Tag", sagte Onur Celik, früher A-Jugend-Pokalheld und aktuell Vorstand des neuen VfR. "Nach dem Spiel sind viele noch lange zusammengesessen. Die Letzten sind erst gegen 17 Uhr gegangen." Etliche der Alten werden sicher wieder ins Frankenstadion kommen. "Am 28. Oktober sind wir erneut da", ließ Charly Hrynda wissen. Dann trifft der neue VfR im Spitzenspiel der Kreisliga B2 auf den Titel-Konkurrenten VfL Obereisesheim.

 


Das Spiel: Erste Halbzeit 30 und zweite 40 Minuten

Es war ein unterhaltsames Spiel, das am Sonntagvormittag die Teams des alten und neuen VfR Heilbronn den Zuschauern boten. Völlig verdient, siegten die Oldies mit 4:3. Nach einer Flanke von Marcus Tautz ließ Marijo Marcic gleich zu Beginn eine Kopfballchance ungenutzt. Es war nicht die einzige Möglichkeit, die der Stürmer vergab. Ein Schuss von Tautz wurde auf der Linie geklärt, dann war es Patrick Kuhn, der für den neuen VfR zur Führung traf. Für Erheiterung sorgte Erwin Delic, der knapp eine Minute nach seiner Einwechslung mit Wadenproblemen wieder auf der Bank Platz nahm. "Nach der Pause komme ich wieder", sagte Delic.

Onur Celik verlängerte dann die Spielzeit des zweiten Durchgangs: "In der zweiten Halbzeit spielen wir 40 statt 30 Minuten." Der VfR-Vorstand hatte erkannt: Bei den Alten passt die Kondition. Rainer Baumgart zeigte sich sportlich fair und zielte bei einem fälschlich zugesprochenen Handelfmeter absichtlich neben das Tor, was Oliver Walla augenzwinkernd mit dem Zuruf quittierte: "Der kann ja nicht mal Elfmeter schießen."

Einen weiteren Handelfmeter verwandelte Timo Dörflinger zum 1:1. Nach einem Foul von Marco Merz im Strafraum brachte Basri Tyriaki den neuen VfR 2:1 in Front. Doch dann machten die Alten ernst. Fatih Ceylan glänzte als dreifacher Vorbereiter und Marijo Maric, Timo Dörflinger und Rüdiger Rehm schlossen zum 4:1 ab. Das 4:3 durch Patrick Kuhn änderte nicht mehr am Sieg der ehemaligen VfR-ler. 

 

Die ehemaligen VfR-ler

Auch auf die Gefahr hin, den ein oder anderen Namen vergessen zu haben, hier eine Aufllistung der anwesenden ehemaligen Spieler und Funktionäre des VfR Heilbronn. Auf dem Platz standen: Günter Major (Trainer), Jürgen Stricker, Uli Bauer, Rüdiger Rehm, Jürgen Schöpf, Jochen Heisig, Jürgen Schmidt, Oliver Walla, Dirk Wengert, Marijo Maric, Marcel Busch, Markus Tautz, Rainer Baumgart, Zdenko Juric, Marco Merz, Mutlu Cehri, Reinhard Santo, Stephan Sieger, Rüdiger Bühler, Sinan Korkar, Fatih Ceylan, Christian Layher, Joachim Böhner, Ali Ünsal, Timo Dörflinger und Erwin Delic.

Am Spielfeldrand oder auf der Tribüne saßen: Gerd Störzer, Uwe Drautz, Klaus Kubasik, Walter Güntner, Karl-Friedrich Schmidt, Joachim Schuster, Gerd Schneider, Charly Hrynda, Klaus Teichmann, Helmut Röhrig, Manfred Grimm, Mischa Heuschele, Heiko Bachmann, Karl-Heinz Brudi, Marco Fackler, Fred Steininger, Batze Kübler, Peter Hartbrich und Hans Goller. 

 
 
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