Situation beim FSV Hollenbach wird brenzlig
Nach der vierten Niederlage in Folge ist der Fußball-Oberligist FSV Hollenbach auf einen möglichen Abstiegsplatz abgerutscht, Trotzdem blieb der Manager ruhig. Zumindest vordergründig.
Das kommt selten vor, aber Boris Nzuzi fehlten am Samstagmittag wirklich die Worte: „Ich bin sprachlos“, sagte der Mittelfeldspieler des FSV Hollenbach. „Wenn man scheiße spielt, hält man am besten die Fresse.“ Der Oberligist nahm sich am Samstag bei der 0:3-Niederlage gegen den 1. CfR Pforzheim einen kollektiven Aussetzer. Kein Spieler fand zur Normalform. Auf zuvor drei Niederlagen, die durchaus unnötig und auch unglücklich waren, folgte eine völlig verdiente, die sogar weitaus höher ausfallen hätte können.
„Die Situation ist jetzt brenzlig. Wegen der vier Niederlagen und wegen unseres Auftritts“, sagte Trainer Martin Kleinschrodt. Mit weiterhin 17 Punkten ist der FSV auf Rang 13 abgerutscht.
Hollenbach hat keinen Zugriff
Die Hollenbacher waren zu weit weg vom Gegner, hatten keinen Zugriff in den Zweikämpfen und liefen über weite Strecken nur hinterher. Ein Spiel nach vorne fand praktisch nicht statt. „Wir waren im wahrsten Sinne des Wortes chancenlos“, sagte Kapitän Manuel Hofmann. „Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal ein Spiel hatten, in dem wir keine klare Torchance herausgespielt haben. Dabei hatten wir uns so viel vorgenommen, sind aber überhaupt nicht ins Spiel gekommen.“
Dominante Gäste Hollenbach ließ dem Gegner von Beginn an viel zu viele Räume, stand zu tief und es fehlte die Aggressivität. Dies nutzten die spielstarken Pforzheimer gnadenlos aus. Sie ließen den Ball laufen und der FSV war immer einen Schritt zu spät. „Wir hatten wahrscheinlich ein Zweikampfverhältnis von 30:70“, meinte Kleinschrodt. Bereits in den ersten Minuten dominierten die Gäste. Die erste Chance ließ Salvatore Catanzano noch liegen. Dann hatte Alexander Götz (12.) Platz, legte sich den Ball zurecht und traf aus 20 Metern. Ein vermeidbarer Treffer, wenn der Außenstürmer vorher konsequent angegriffen worden wäre.
„Danach haben die Jungs den Kopf hängen lassen“, sagte Kleinschrodt. Er ist momentan auf der Suche nach Führungsspielern, die in der Krise vorangehen: „Ich brauche in so einer Situation, in der wir sind, Spieler, die den Ball wollen.“ Das Problem: In den vergangenen Jahren waren Führungsqualitäten nie nötig gewesen. Es ist eine gänzlich neue Erfahrung für viele Spieler. Und auch für den Trainer.
Hollenbach lässt die Galligkeit vermissen
Pforzheim blieb nach der Führung tonangebend. Bis zur Pause verpassten es die Gäste, das Ergebnis weiter auszubauen. Und so war trotz des pomadigen Auftritts noch alles drin für den FSV. Nach den drei Niederlagen hatte Kleinschrodt das System von einem 5-2-3-1 auf ein 4-4-2 umgestellt, wollte mit einer Doppelspitze früh Druck erzeugen. „Wir wollten klaren Fußball spielen, auf die zweiten Bälle gehen“, sagte Kleinschrodt. Es funktionierte nicht, weil die Abstände nicht passten, weil die Galligkeit in den Zweikämpfen nicht vorhanden war und die Pforzheimer dadurch viel Zeit hatten den Ball laufen zu lassen.
Dies änderte sich aber auch nach der Rückkehr zum gewohnten System nicht. Einfach hatte es der CfR dann in der 70. Minute. Wycliff Yeboah brachte den Ball flach vor das Tor, Yunus Emre Kahriman hielt in der Mitte völlig frei stehend den Fuß hin – 0:2. Pforzheim blieb gnädig, ließ noch einige Möglichkeiten liegen und setzte erst in der Nachspielzeit das 3:0 drauf. Nach einem weiten Ball von Torwart Yusuf Tirso schob Salvatore Varese den Ball an Hörner vorbei. Besiegelt war die Niederlage aber vorher schon, weil jegliches Aufbäumen fehlte.
Manager bleibt ruhig
„Dieses Mal kann man das erste Mal sagen, wir haben verdient verloren. Aber reinschlagen bringt jetzt nichts. Es war ja auch ein guter Gegner. Aber wir können mehr, das müssen wir auch wieder zeigen“, sagte Manager Karl-Heinz Sprügel.
Die Frage ist nun, wie schnell die Hollenbacher die Verunsicherung nun wieder abschütteln können. „Bei uns ist gerade das Selbstvertrauen nicht da“, sagt Kleinschrodt. Die Negativserie hat tiefe Spuren hinterlassen. „Wenn man Selbstvertrauen hat, spielt man anders“, sagt Hofmann. „Da müssen wir wieder hinkommen.“ Dass die Truppe es kann, hat sie in den ersten Saisonspielen bewiesen.
Stuttgarter Kickers setzen sich in der Tabelle ab
Mit ihrem 3:0-Sieg im Spitzenspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach setzen sich die Stuttgarter Kickers an der Tabellenspitze der Oberliga etwas ab. „Großaspach und Göppingen streiten sich um Platz zwei, dahinter spielen gefühlt alle anderen Teams um den Klassenerhalt, so eng ist es“, sagte FSV-Abteilungsleiter Kurt Sprügel. Pforzheims Coach Alexander Freygang konnte nur beipflichten. „In der Liga kann an einem guten Tag jeder jeden schlagen. Dafür muss eine Mannschaft Herz und Leidenschaft zeigen.“ Dies ließen die Hollenbacher am Samstag vermissen.
FSV Hollenbach: Hörner, Nzuzi (77. Wagemann), Schülke, Kleinschrodt, Scherer, Schmitt (85. Specht), Kurz (46. Minder), Hofmann, Limbach, Rohmer (64. Krieger), Uhl.
1. CfR Pforzheim: Tirso, Macorig, Kahriman, Latifovic, Gudzevic, Götz (77. Varese), Münst, Schwaiger, Asare, Markopoulos (65. Sauerborn), Catanzano (55. Yeboah).
Tore: 0:1 (12.) Alexander Götz, 0:2 (70.) Yunus Emre Kahriman, 0:3 (90.+3) Salvatore Varese.
Schiedsrichter: Timo Bugglin.
Zuschauer: 750.
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