Rüdiger Rehm führt Wehen Wiesbaden in die 2. Bundesliga
Relegations-Krimi mit Happy End für den 40-jährigen Coach aus dem Unterland: In Ingolstadt gelingt Wehen Wiesbaden ein 3:2-Coup. Nicht nur wegen des Trainers war es ein Erfolg mit regionaler Komponente.

Rüdiger Rehm herzte nach Spielende einfach jeden, der ihm über den Weg lief. Seinen Co-Trainer Mike Krannich, Spieler, jubelnde Fans. Immer wieder war der jubelnde Rehm groß zu sehen auf den TV-Livebildern des ZDF. Der 40-Jährige kommt auch künftig groß raus. Der Heilbronner Fußballlehrer trainiert ab sofort einen Fußball-Zweitligisten.
Der 3:2-Sieg seines SV Wehen Wiesbaden beim bisherigen Zweitligisten FC Ingolstadt war nach der 1:2-Heimniederlage im Hinspiel am Freitag genug für den Sprung in die 2. Liga. Rehm hatte noch am Wochenende per Kurznachricht angekündigt: „Wir werden uns am Dienstag steigern und dann sind wir überzeugt, dass wir es schaffen.“ Genau so kam es am Dienstag Abend.
Rehm hat den perfekten Matchplan im Gepäck
Rüdiger Rehm hatte seiner Mannschaft einen perfekten Matchplan mitgegeben. Mit viel offensiver Wucht knackte der Außenseiter den Favoriten. Der einstige Abwehrspieler setzt als Trainer auf Offensivspektakel. Es war zudem ein Sieg mit weiterem regionalen Anteil.
Max Dittgen, der während seiner Zeit bei der SG Sonnenhof in Heilbronn lebte, erzielte das 2:1 für Wehen (30.). Beim Tor zum 3:1 zog der Zabergäuer Jeremias Lorch aus der Distanz ab. Sein Ball wäre weit neben dem Ingolstädter Tor gelandet. Doch Björn Paulsen fälschte den Ball unhaltbar ab (43.). Ein bisschen Glück war auch dabei. Das Glück des Tüchtigen.
Auch Lorch hatte Rehm einst schon zu Großaspacher Zeiten trainiert. Ihn von dort nach Wiesbaden gelotst. Jetzt ist der 23-Jährige Zweitligaprofi. Daniel Kofi-Kyereh traf bereits nach elf Minuten zur Führung der Gäste aus der hessischen Landeshauptstadt. Die Tore von Konstantin Kerschbaumer (11.) zum 1:1 und Björn Paulsen (68.) zum 2:3-Anschluss reichten nicht für den ehemaligen Erstligisten Ingolstadt.
Ingolstadt kann sich von seinem großen Etat nichts kaufen
Der war mit großem Etat von rund 30 Millionen Euro und noch größeren Ambitionen in die Saison gestartet – und muss nun den bitteren Gang in Liga drei antreten. Sportdirektor Christian Hock genoss unterdessen die obligatorische Bierdusche nach dem Schlusspfiff.
„Ich habe etliche Liter Bier drübergekriegt, aber das ist mir völlig egal, das ist heute so. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen“, sagte er. Wehen hatte seine Auswärtsstärke schon mehrmals in dieser Saison gezeigt, unter anderem beim 5:2 in Karlsruhe.
Mit dem VfB, HSV, Hannover und Nürnberg warten große Gegner
Nach zehn Jahren Abstinenz ist der SV Wehen Wiesbaden zurück in der 2. Liga. Und das genau in jener Saison, in der diese Spielklasse so attraktiv wie noch nie sein wird. Für den SVWW geht es zum VfB Stuttgart, Hamburger SV, Hannover 96 und 1. FC Nürnberg.
Für Rüdiger Rehm ist es bereits der zweite Aufstieg als Trainer. Wie schon vor fünf Jahren mit Großaspach beim Weg in die 3.Liga, gelang dies jetzt in der Relegation. Die 2. Liga kennt der ehemalige Spieler des VfR Heilbronn aus 188 Partien als Profi. Und zehn erfolglosen Spielen als Trainer von Arminia Bielefeld in der Saison 2016/17. „Ich will mich beweisen in dieser Liga“, hat Rehm kürzlich im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Jetzt hat er dazu die Chance. Gegen illustre Gegner wie den VfB Stuttgart.
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