Nico Klotz, der heimatverbundene Wanderarbeiter
Aufstiegs-Experte Nico Klotz tingelt zehn Jahre durch die 2. und 3. Liga. Der pfeilschnelle Senkrechtstarter, der kreuz und quer durch die Republik zieht, bleibt seiner Heimat, dem Zabergäu, stets verbunden.

Historisch betrachtet ist der Begriff Emporkömmling eher negativ besetzt. Als jemand, der von krankhaftem Ehrgeiz getrieben ist, sich mit fremden Federn schmückt oder durch glückliche Fügung zu unverdientem Erfolg gelangt. Auf die moderne Fußballwelt übertragen, sind Emporkömmlinge eine Rarität. Und in mancherlei Hinsicht eine erfrischende Ausnahme zu den stereotypisch glatten Akademiekickern aus den Nachwuchsleistungszentren.
Von der Landesliga in die Landeshauptstadt
Der Brackenheimer Nico Klotz ist einer dieser raren Senkrechtstarter. 2007 macht der Abiturient beim damaligen Landesligisten VfL Brackenheim mit zahlreichen Toren überregional auf sich aufmerksam. Die Bayern klopfen an, doch das Rennen macht der VfB Stuttgart. "Ich hab" mir das damals gar nicht so richtig zugetraut", sagt Klotz heute. "Auch im Probetraining dachte ich, das ist schon ein anderes Kaliber."
Der 33-Jährige bearbeitet während seiner zehnjährigen Profi-Laufbahn den rechten Flügel mit extremem Tempo und forschen Dribblings. Heute schiebt er eine ruhige Kugel. "Durch den Corona-Lockdown bin ich zum Heimwerker-King geworden", sagt er und grinst. Ob Kommode, Grillvorrichtung, Gartenmöbel oder Weinregal, Klotz hat die Quarantäne-Zeit genutzt und eine schlummernde Begabung mit Leidenschaft genutzt.
Nico Klotz, der Aufstiegsexperte
Kreuz und quer durch die Republik hat ihn die Karriere geführt, nachdem bei der Zweitvertretung des VfB Stuttgart 2009 Schluss war. In Aue, Paderborn, Sandhausen und bis zur Saison 2017/18 beim MSV Duisburg wirbelt er durch die 2. und die 3. Liga.
Besonders bemerkenswert: Gleich viermal gelingt ihm der Aufstieg in Liga zwei. "Als mich Duisburg verpflichtet hat, wurde ich schon als Aufstiegsexperte angekündigt", schmunzelt er.
Lebensmittelpunkt Brackenheim
Mit seiner Freundin lebt er noch immer in der gemeinsamen Wohnung in Duisburg. "Die Stadt ist gar nicht so schlimm, wie sie immer gemacht wird", sagt Nico Klotz, "aber mal ehrlich: dass ich zwanzig Jahre im Zabergäu gelebt habe, ist kein Zufall."
Die starke Bindung zur Region hat während der langen Abwesenheit nicht gelitten. Langfristig sieht Nico Klotz seinen Lebensmittelpunkt im Süden. Selbst als er bei Erzgebirge Aue oder beim SC Paderborn spielte, sei er zweimal im Monat in die Heimat gefahren. Die Eltern und Freunde besuchen, das braucht er, um sich wohlzufühlen. Bevor sich der Ex-Profi aber in Brackenheim oder Umgebung nach einer Bleibe umschaut, liebäugelt er mit einer Phase im Exil. "Ein Jahr in Thailand würde mich reizen - oder auf Malta." In Asien lebt ein Freund, auf der Insel reizt die Ruhe.
Zukunftsperspektive im Fußball
Ganz aus dem Mikrokosmos Fußball hat er sich übrigens nicht zurückgezogen, nachdem sein Vertrag in Duisburg ausgelaufen ist. Bei den Sportfreunden Hamborn 07, im Norden von Duisburg, kickt Nico Klotz in der Landesliga. Auch beruflich wäre eine Zukunft im Fußball vorstellbar: "Den Übungsleiterschein habe ich schon, die B-Lizenz bekommt man mit mehr als hundert Profispielen quasi auf dem Silbertablett serviert."
Als spielender Co-Trainer, im Jugendbereich oder in einer Fußballschule könnte Nico Klotz eines Tages wieder auf den Sportplätzen im Unterland anzutreffen sein. Ob er allerdings als Cheftrainer jemals auf gehobenem Niveau unterwegs sein wird? Da herrscht bei ihm eher Skepsis vor, aber so sagt der vom Stürmer zum Rechtsverteidiger Umgeschulte: "Sag niemals nie."
Der Neid der Kollegen
Dass ein Bundesliga-Einsatz, oder gar noch höhere Weihen wie bei den Nationalspielern Miroslav Klose und Jonas Hector, die ebenfalls lange durchs Raster gefallen sind, auf dem Briefkopf fehlt, lässt sich verschmerzen. Dafür habe einfach die Disziplin gefehlt. Vielleicht waren das Flausen, die dem Nachwuchs in den Bundesliga-Akademien schnell ausgetrieben werden. Hadern will der Aufstiegs-Experte Nico Klotz aber nicht, denn "aus meinem Bekanntenkreis unter den Profis war darauf jeder neidisch. Die mussten ihre Jugend opfern, ich habe einfach gemacht, worauf ich Lust hatte."
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare