Schiedsrichter als „Nazi“ beschimpft – Fußballspieler muss 3000 Euro zahlen
Im Oktober 2023 beleidigt ein Fußballspieler eines B-Ligisten einen Schiedsrichter als „Nazi“. Es kommt zu einer Verhandlung am Sportgericht – und einer am Amtsgericht Heilbronn.
Am Amtsgericht Heilbronn wurde nun gegen einen Fußballer eine Geldauflage von insgesamt 3000 Euro verhängt. Der Akteur eines B-Ligisten aus der Region hatte im Oktober 2023 in einem Punktspiel den eingeteilten Schiedsrichter Andre Endreß als Nazi beschimpft. Endreß, stellvertretender Obmann der Schiedsrichtergruppe Heilbronn, hatte den Fußballspieler daraufhin auf zivilrechtlichem Weg verklagt.
„In der 21. Minute dieser Partie habe ich den betreffenden Spieler, der zuvor wegen Meckerns schon die Gelbe Karte gesehen hatte, nach einem rücksichtslosen Foulspiel mittels der Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen“, erzählt Endreß. Es sei daraufhin zweimal zu Brust-an-Brust-Situationen mit dem Akteur gekommen. „Er fragte mich, ob ich ausländerfeindlich sei.“
Schiedsrichter von Fußballspieler als „Nazi“ beschimpft – bedrohliche Situation
Endreß forderte den Spieler auf, wegzugehen. „Er ging dann zwei, drei Schritte zurück und beleidigte mich als Nazi“, berichtet Endreß. Der Spieler wurde von Betreuern und Funktionären vom Platz geführt.
Nach Abpfiff der Begegnung kam der vom Platz gestellte Spieler – inzwischen in Zivilkleidung – erneut auf den Schiri zu und wollte wissen, warum er vom Platz gestellt worden war. „Für mich war es eine bedrohliche Situation. Ich ging zwei, drei Meter zurück und forderte den Spieler auf, wegzugehen“, sagt Endreß, der von zwei Ordnern in Richtung Kabine begleitet wurde. Auf dem Weg dorthin bedrängte der Spieler den Schiri verbal und versuchte ihn mehrmals mit der Hand zu berühren. „Es war schon ein Akt, mich in die Kabine zu bringen“, sagt Endreß.
„Nazi“-Beschimpfung und mehr: Fußballspieler vom Sportgericht Unterland für zwölf Spiele gesperrt
Der Platzverweis, die Beleidigung und das weitere Geschehen wurden dem Sportgericht gemeldet. Der Spieler wurde von der Spruchbehörde Unterland für insgesamt zwölf Spiele gesperrt. Der Verein legte gegen das Urteil Einspruch ein und hoffte auf eine geringere Sperre, da der Spieler sein Fehlverhalten eingestand und sich entschuldigte. Das Urteil wurde in nächster Instanz vom Verbandssportgericht bestätigt.
Endreß verklagte den Spieler zudem zivilrechtlich. „Ich stehe da stellvertretend für alle Schiedsrichter. Wir sind kein Freiwild, es gibt eine Grenze. Und sobald es zu rassistischen oder diskriminierenden Auswüchsen kommt, ist diese überschritten.“
Würde er sich als Schiedsrichter derartiges erlauben, wäre „meine Karriere beendet, ich wäre weg, während ein Spieler nur für ein paar Spiele gesperrt wird“, sagt Endreß.
Vorwürfe des Angeklagten gegen den Schiedsrichter wurden entkräftet
Die Kanzlei PHP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH vertrat Endreß vor Gericht, unter anderem in Person von Sascha Wirth, Obmann der Schiedsrichtergruppe Kocher/Jagst und stellvertretender Vorsitzender im Fußballbezirk Franken. Der Angeklagte wies bei der Verhandlung die Vorwürfe zurück. „Er stellte alles als Lüge dar“, erzählt Endreß, der Spieler habe versucht, „mich durch den Dreck zu ziehen“. Die Vorwürfe des Angeklagten konnten jedoch entkräftet werden.
Bei der Gerichtsverhandlung vergangenen Freitag kamen die Parteien überein, dass der Spieler nicht rechtskräftig verurteilt wird und das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt wird. Der Spieler zahlt 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation sowie 1000 Euro Schmerzensgeld an Andre Endreß.
Erleichterung beim Schiedsrichter nach Gerichtsverhandlung: „Stein vom Herzen gefallen“
„Das ganze wird leider oft belächelt. Aber wenn man selbst mal mit solchen schweren und nicht der Wahrheit entsprechenden Anschuldigungen konfrontiert wird, insbesondere in der Rolle des unparteiischen Schiedsrichters, macht das was mit einem“, sagt Andre Endreß. Er habe damals einige Nächte schlecht geschlafen. Nach der Gerichtsverhandlung sei er im Namen aller Schiedsrichter erleichtert und dankbar gewesen: „Mir ist da schon ein Stein vom Herzen gefallen.“
„Wir als Kanzlei hatten schon im Vorfeld dem Gericht den Vorschlag gemacht, wir hätten nichts dagegen einzuwenden, würde das Verfahren gegen eine angemessene Geldauflage eingestellt“, erzählt Sascha Wirth. „Das war aber ursprünglich von Seiten des Angeklagten nicht gewünscht. Und so ist es zur Verhandlung gekommen.“
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