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Handball

Kritik während des Spiels, das geht nur positiv

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Der Lauffener Alexander Weiland trainiert die Oberliga-Frauen des VfB Obertürkheim. Eine spannende, aber ganz andere Aufgabe als bei Männern.

Von unserem Redakteur Alexander Bertok
Alexander Weiland (rechts) wohnt in Lauffen, trainierte die Fußballfrauen des TGV Dürrenzimmern und ist aktuell Coach des Oberligisten Obertürkheim.
Foto: Bertok
Alexander Weiland (rechts) wohnt in Lauffen, trainierte die Fußballfrauen des TGV Dürrenzimmern und ist aktuell Coach des Oberligisten Obertürkheim. Foto: Bertok  Foto: Bertok, Alexander

"Oh je", ruft Alexander Weiland entsetzt und fasst sich mit beiden Händen an den Kopf. In allerletzter Sekunde kassieren die Fußballfrauen des Oberligisten VfB Obertürkheim im ersten Gruppenspiel gegen den SV Jungingen das 1:1. Das Team des Trainers aus Lauffen erreicht in der Leintal-Sporthalle in Frankenbach dennoch das Finale, unterliegt dort aber dem neuen württembergischen Hallenmeister TV Derendingen 0:1.

"Das war eine mehr als unglückliche Niederlage", hadert Weiland mit der Finalpleite und ist nicht zufrieden. "Wir waren die bessere Mannschaft, das Tor kassierten wir, als eine unsere Spielerinnen verletzt am Boden lag." Der 38-Jährige war der einzige Vertreter aus der Region bei der WFV-Endrunde, sieht man vom Helferteam des Ausrichters SV Heilbronn am Leinbach ab.

Er trägt das Frauenversteher-Gen in sich

Die beiden aus dem Bezirk Unterland für die WFV-Runde qualifizierten Vereine, Gastgeber SVH und der SV Sülzbach, waren bereits im Vorrundenturnier in Talheim ausgeschieden.

Weiland arbeitete von 2011 bis 2017 erfolgreich bei den Frauen des TGV Dürrenzimmern. Wer als Übungsleiter im weiblichen Fußballbereich tätig ist, der sollte schon das Frauenversteher-Gen in sich tragen. "Als ich in Dürrenzimmern angefangen habe, nahmen mich zunächst erfahrene Spielerinnen an die Hand und erklärten mir, wie man mit Fußballfrauen umgeht", erinnert sich Weiland.

"Den Mädels muss man zuhören können. Wichtig ist Offenheit, Ehrlichkeit und Geduld. Man braucht aber auch ein dickes Fell, zumindest in den unteren Spielklassen."

Frauen sins sensibler, vor allem unter Anspannung

Was die Kritikfähigkeit der Spielerinnen anbelangt, hat Weiland schnell gelernt. "Frauen sind sensibler, vor allem unter Anspannung. Kritik während der Partie muss positiv rüberkommen. Nach dem Abpfiff ist das anders, da kommen die Spielerinnen schon auf mich zu und wollen wissen, wie ihre Leistung war." Im Vergleich zu den Männern seien die Mädels disziplinierter, wissbegieriger und intelligenter.

"Leider interessiert sich die große Öffentlichkeit für den Frauenfußball erst bei einer EM oder WM", bemängelt Weiland. Die Zuschauerzahlen in den unteren Spielklassen halten sich somit in Grenzen. Eintritt wird erst ab der Oberliga bezahlt, und selbst da sind es nur drei Euro. "Frauen-Mannschaften haben in ihren Vereinen einen schweren Stand, mit ihnen lassen sich keine Sponsoren gewinnen und sind daher nicht gewinnbringend." Keine Einritts- und keine Sponsorengelder - Schiedsrichter, Trikots und Trainer müssen dennoch bezahlt werden.

In Obertürkheim hat Frauenfußball Tradition

Beim VfB Obertürkheim ticken die Uhren etwas anders, da hat der Frauenfußball Tradition. Neben dem Oberliga-Team mit im Schnitt etwas mehr als 100 Zuschauern, gibt es zwei weitere Teams in der Regionen- und Bezirksliga. Die B-Juniorinnen gehen in der Verbandsstaffel auf Torejagd. Reich wird Weiland als Trainer aber auch dort nicht. "Von Lauffen nach Obertürkheim sind es 52 Kilometer, mein Übungsleiter-Gehalt reicht da gerade, um die Bezinkosten abzudecken." Geld für die Spielerinnen gibt es nicht, lediglich beim Liga-Konkurrenten Karlsruher SC fließen ein paar Euro.

Mitte März beginnt in der Oberliga die zweite Saisonhälfte. Der VfB Obertürkheim überwintert als unbesiegter Spitzenreiter. "Stehen wir an Ostern immer noch ganz vorne, dann wollen wir auch Meister werden", sagt Weiland. Würde es dann wie bei der WFV-Hallenmeisterschaft nur Platz zwei werden, wäre Alexander Weiland erneut nicht zufrieden.

Laufbahn

Alexander Weiland spielte in der Jugend des TSV Nordheim, aktiv für den TGV Dürrenzimmern und übernahm 2011 bis 2017 die Fußballfrauen des TGV, mit denen er eine Saison in der Verbandsliga spielte. Er war zuvor als Trainer im männlichen Nachwuchsbereich tätig. Erstmals als 16-Jähriger in Nordheim. In Dürrenzimmern führte er die A-Junioren zur Vizemeisterschaft in der Bezirksstaffel. Seine Frau Sina ist bei den Zabergäuerinnen als Co-Trainerin geblieben. Unter Nachfolgerin Viktoria Meyer ist der TGV wieder in die Verbandsliga aufgestiegen. Alexander Weiland kam nach einem Kurzgastspiel im Männerbereich beim Enz-Murr-A-Ligisten GSV Erdmannhausen im Januar 2018 zu den Oberliga-Frauen des VfB Obertürkheim und führte diese aus der Abstiegsregion auf Platz fünf. Aktuell ist der VfB Tabellenführer. tok

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