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Fußballer Mattia Trianni ist raus aus dem persönlichen Lockdown

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Der Heilbronner Fußball-Profi Mattia Trianni hat viel erlebt und war zuletzt fast ein Jahr ohne Spielpraxis. In Delmenhorst bei Bremen hat er einen neuen Regionalliga-Verein gefunden.

Ein Foto aus Drittliga-Zeiten mit dem VfR Aalen: Mattia Trianni (links) im Duell mit Daniel Bohl von Energie Cottbus. Danach ging es für den Heilbronner in die USA, nun ist er beim Viertligisten Delmenhorst gelandet.
Foto: imago images /Steffen Beyer
Ein Foto aus Drittliga-Zeiten mit dem VfR Aalen: Mattia Trianni (links) im Duell mit Daniel Bohl von Energie Cottbus. Danach ging es für den Heilbronner in die USA, nun ist er beim Viertligisten Delmenhorst gelandet. Foto: imago images /Steffen Beyer  Foto: Steffen Beyer, via www.imago-images.de

Mattia Trianni kennt den Zauber, dem ein erstes Mal innewohnt. Er hat ihn schon oft genug erlebt, immer dann, wenn er der Neue war. Der 28-Jährige ist als Berufsfußballer viel herumgekommen in den vergangenen Jahren. Sieben Jugendvereine, acht im Aktivenbereich. Dieser neunte Neuanfang ist dieses Mal ganz anders.

Vorstellung via Videoschalte

In einem Zoom-Treffen, via Videoschalte, hat der Heilbronner seine neuen Teamkameraden beim Fußball-Regionalligisten Atlas Delmenhorst kennengelernt. Händeschütteln vorm Training, Umarmungen, das alles ging ja nicht. Genauso wenig, ein Lied beim Mannschaftsabend anstimmen. Erst danach ist man ja ein vollwertiges Team-Mitglied. Ein Lied vorm PC trällern? "Das wäre komisch gewesen", sagt Mattia Trianni, der sich noch keine musikalischen Gedanken gemacht hat. "Vielleicht singe ich einen Ballermann-Hit". Trianni ist in eine möblierte Wohnung umgezogen, Freundin Theresa bleibt erst mal in Stuttgart. Am vergangenen Wochenende stand das erste Training an. Ob und wann die Saison in der Regionalliga Nord weitergeht, ist ungewiss.

Statt nach Italien geht es in die USA

Nach Jahren bei Regionalliga-Clubs im Norden und Osten der Republik steigt der Mann für die linke offensive Außenbahn nach zwei Jahren in der 3. Liga mit dem VfR Aalen ab. Der Wunsch nach einer Auslandsstation ist groß. Italien als Heimatland des Vaters ist naheliegend. "Ich spreche ja die Sprache", sagt Trianni.

Berater Axel Dierolf verfügt über Kontakte in die USA, so landet der Heilbronner beim FC Reno, in der 2. Liga in den USA. "Man fliegt zu den Auswärtsspielen, du spielst in Las Vegas, siehst auch was vom Land", sagt er. Weil er ohne Vorbereitung einsteigt, lange auf Papiere vor Ort warten muss, reicht es nur zu einem Kurzeinsatz. "Mit 18 wollte ich mit Fußball aufhören, dafür habe ich es weit gebracht", sagt er.

Anfang 2020 ist die Saison in den USA beendet. Das Abenteuer dort auch. Drei Spiele macht Trianni für den SV Babelsberg in der Regionalliga Nordost, dann kommt Corona, Saisonabbruch. Ende Juni läuft sein Vertrag aus. "Ich wollte wieder in die USA", sagt er. Corona macht Optionen zu Seifenblasen, die platzen. In den Vereinigten Staaten und in der Heimat. Wie viele andere auch, wird Trianni unschuldig Opfer eines fiesen Virus, einer globalen Pandemie.

Fithalten mit dem Bruder

Trianni ist ohne Club, hält sich daheim in Heilbronn mit einem Personal Trainer und Bruder Alessio fit, der in der U19 des FSV Bissingen kickt. Einheiten auf dem Platz, auf der Tartanbahn, Kraftzirkel im Home-Gym. "Ich bin nicht der Typ, den das runterzieht", sagt er über seine Arbeitslosigkeit. Er wartet ab.

Den Schritt zurück, einen Job und Fußball in der Oberliga oder Verbandsliga miteinander zu kombinieren, "dafür bin ich noch nicht bereit gewesen", sagt er. "Es kann mit meinen Qualitäten noch eine Liga höher gehen. Die 3. Liga ist ein realistisches Ziel, ich bin mit 28 im besten Fußballer-Alter und wollte weiter professionell Fußball spielen."

Ende Oktober 2020 kommt der nächste Lockdown in Liga vier. Auch die Regionalligen pausieren. Im Südwesten und Westen rollt der Ball seit Wochen wieder. Im Norden und Nordosten nicht. Das ist Vor- und Nachteil zugleich. "Einerseits habe ich nicht viel verpasst", sagt er. Andererseits schränkt der Lockdown die Clubs finanziell ein. Wer hat in der größten Krise Geld für Neuzugänge? "Ich wusste immer, dass es im Winter klappt mit einem neuen Verein", sagt Trianni. Trotz Lockdown findet er einen Verein, vorerst mit einem Vertrag bis Saisonende. "Er ist einer, der uns mit seiner Art und Kreativität im offensiven Bereich gut tun wird", sagt sein neuer Trainer, Key Rebau.

Ambitioniertes Projekt in Delmenhorst

Atlas Delmenhorst ist Schlusslicht in einer der beiden Nord-Staffeln, hat aber erst sieben Partien absolviert. "Da spekuliert keiner auf einen Saisonabbruch. Der Klassenerhalt soll sportlich gelingen", sagt Mattia Trianni.

Der Verein nahe Bremen wurde erst 2012 gegründet, ist seither sieben Mal aufgestiegen. "Das ist ein tolles, ambitioniertes Projekt", sagt Trianni: "Es wäre wünschenswert, wenn das in Heilbronn mit dem VfR genauso laufen würde." Vielleicht mit dem Heilbronner Trianni? "Warum nicht? "In ein paar Jahren kann ich mir das vorstellen", sagt er.

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