Fusion mit Forderung
Nur wenn Michelfeld und Eichtersheim zusammengehen, werden die Sportanlagen saniert − Barth tritt am Saisonende ab

Thorsten Barth hat sich entschieden. Der Fußballtrainer des TSV Michelfeld gibt seinen Posten ab. Zum Saisonende. Anfang Juni endet also eine Ära − vorausgesetzt der aktuelle Tabellen-13. der Landesliga Rhein-Neckar geht nicht in die Verlängerung, die Abstiegsrelegation heißt. "Meine Entscheidung ist fix", sagt Thorsten Barth. Doch nicht nur der langjährige Trainer, der obendrein als Sponsor und Teammanager fungiert, wendet sich ab. Die sportliche Führung tritt zurück. Das sind der Spielleiter Özkan Sümer, Co-Trainer Martin Lang, darüber hinaus Betreuer Thomas Hafner und Ziya Sönmez, der Coach der Zweiten, die in der Kreisliga kickt.
Warum der geschlossene Rückzug? Es geht um die Zukunft des Vereins und um dessen konzeptionelle Ausrichtung. Eine gewichtige Rolle spielt dabei Frank Werner, Bürgermeister in Angelbachtal. Der Kommunalpolitiker präferiert eine Fusion der Sportvereine TSV Michelfeld und TSV Eichtersheim zum TSV Angelbachtal. Der Deal lautet: Kommt die Verschmelzung, beginnt die Gemeinde mit der Sanierung der Sportstätten. "Ein zentrales Sportgelände wäre die schönste Lösung", sagt Frank Werner. Weil die Investitionen für die Gemeinde aber bei sieben bis neun Millionen Euro lägen, plant Werner ein Multifunktions-Sporthaus mit Umkleidekabinen in Eichtersheim für rund 1,5 Millionen Euro. Das sei nicht nur billiger, sondern auch schneller umsetzbar, denn: "Die Vereine brauchen jetzt Hilfe", meint der Bürgermeister. Das neue Gebäude sollen jedoch auch andere Sportarten − darunter der Judoclub − nutzen.
Zudem soll der Michelfelder Hartplatz zu einem Kunstrasenplatz umgestaltet werden. Ob die Michelfelder Sporthalle teil- oder generalsaniert werde, müsse man erst noch überlegen. Nach den Worten von Frank Werner habe es bei der Bürgerversammlung keine Kritik an dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats gegeben. Hans-Peter Mocsnek, der Vorsitzende des TSV Michelfeld, befürwortet die Pläne. Nicht aber Thorsten Barth. Im Prinzip hat er weder gegen die Fusion etwas, schon gar nicht gegen den Kunstrasen. Sehr wohl aber grämt ihn, dass der Bau des Kunstrasens an die Bedingung der Fusion geknüpft ist.
Aus Werners Sicht ist die Sanierung nach der Fusion ein Angebot. "Die Liegenschaften erdrücken die Vereine finanziell", sagt er. Von dieser Last wolle er sie befreien. Allein die Ölkosten für die Michelfelder Sporthalle belaufen sich nach Angaben von Frank Werner in fünfstelliger Höhe. Das Fazit des Bürgermeisters lautet: "Für mich war sofort klar: Wenn wir den Vereinen nicht helfen, geraten sie in eine existenzielle Notlage." Die Fusion ist für ihn daher die einzige Lösung.
Dann wäre da noch das sportliche Konzept des eigenen Vorstandes für den TSV Angelbachtal, mit dem Thorsten Barth nicht einverstanden ist. Er sagt: "Der Vorstand hat uns mitgeteilt, dass der Etat nächste Saison nicht mehr zur Verfügung steht." Er soll um mehr als die Hälfte gekürzt werden. Barths Schlussfolgerung: "Dann gibt"s halt keinen Fußball mehr." Laut Barth strebe Mocsnek die Fusion mit zwei höherklassigen Aktiven-Mannschaften an und berücksichtige gut ausgebildete Jugendtrainer. Wie man das Konzept bezahlen will, sei unklar. Die Landesliga-Akteure hätten für die nächste Spielzeit zugesagt, die Saison sei geplant. Nun aber würden sich die Spieler neue Vereine suchen. Denn: "Die Zeiten, in denen Spieler für eine heiße Wurst spielen, sind vorbei", sagt Thorsten Barth.
Eine andere Sicht auf die Dinge hat Frank Werner: "Nun zieht er auch noch die Spieler weg", sagt der Bürgermeister über den Noch-Coach Barth. Hans-Peter Mocsnek spricht ausdrücklich nur über eine "sportliche Ausrichtung" der Vereine und sagt: "Das hängt auch mit den finanziellen Mitteln zusammen."
Als Thorsten Barth vor 15 Jahren beim TSV Michelfeld angefangen hat, drückten den Verein mehr als 100?000 Euro Schulden. "Jetzt sind es noch 10?000. Traurig, dass man dafür einen Arschtritt kriegt", sagt er ebenso direkt wie enttäuscht. Aus Sicht des Vorstandes sei der Rückzug allein Barths Entscheidung. "Wir haben ihn nicht gezwungen. Es hat ihn keiner weggeschickt", sagt Hans-Peter Mocsnek.
Thorsten Barth hat sich entschieden. Gleiches müssen nun noch die Mitglieder tun. Mitte April gibt es eine Informationsveranstaltung, im Juni soll die Mitgliederversammlung folgen.
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