1. FC Lauffen droht der Ausschluss vom Spielbetrieb – das ist der Grund
Der türkische B-Ligist 1. FC Lauffen liegt mit den Sportfreunden Lauffen über Kreuz. Es geht ums Geld – und um die Zukunft des Vereins, dessen Spieler derzeit nicht trainieren können.

Kann der B3-Ligist 1. FC Lauffen die aktuelle Saison zu Ende spielen? Wird der Verein für die kommende Runde im neuen Bezirk Franken aus dem Spielbetrieb gestrichen? Aktuell droht dem türkischen Verein tatsächlich das sportliche Aus, weil er als "Untermieter" der Sportfreunde Lauffen die Bezahlung seiner Nebenkosten für den Spiel- und Trainingsbetrieb an diese eingestellt hat. Seit dem 1. Januar 2024 ist dem FCL die Nutzung der Umkleidekabinen von den Sportfreunden untersagt. Schon 2023 wurde dem B-Ligist das Flutlicht gesperrt.
Zur Heimpartie des FC Lauffen gegen Croatia Heilbronn reisten beide Mannschaften umgezogen an. Ein Umstand, den der Württembergische Fußballverband (WFV) nicht akzeptiert. Eine Umkleide- sowie Duschmöglichkeit für den Gegner und den Schiedsrichter zu stellen, "ist die Voraussetzung, um am Spielbetrieb teilnehmen zu können", sagt José Macias, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim WFV. Am Sonntag spielt der FCL daheim gegen Fürfeld/Bonfeld II. "Gibt es keine Lösung, wird das Spiel abgesetzt und an das Sportgericht weitergegeben." Es gibt jedoch die Möglichkeit beim Gegner anzutreten, sofern dieser zustimmt.
1. FC Lauffen droht Aus vom Spielbetrieb: Zwei wichtige Fristen
Laut WFV muss bis Mittwoch geklärt sein, ob die restlichen Heimspiele dieser Saison auf der Ulrichsheide oder auf einer alternativen Sportanlage ausgetragen werden können. Und bis Ende Mai ist die Heimspielstätte für die Saison 2024/25 zu benennen, oder es wird keine Spielerlaubnis erteilt.
Rund 2000 Euro betragen die Rückstände des FC Lauffen an die Sportfreunde. "Es gibt einen Vertrag der Stadt Lauffen als Eigentümer der Gebäude und des Sportgeländes mit den Sportfreunden Lauffen", erzählt Spfr-Vorstand Steffen Baumann. Dieser Vertrag weise die Sportfreunde als verantwortlicher Hauptnutzer aus. "Wir als Verein tragen die kompletten Kosten, bezahlen Öl, Strom, Wasser und die Putzfrau." Auch die Flutlichtanlage, deren Eigentümer die Sportfreunde sind. Vor knapp zehn Jahren kam der FC Lauffen als "Untermieter" hinzu, wird seither nutzungsanteilig von den Sportfreunden an den Nebenkosten beteiligt
1. FC Lauffen: Seit zwei Jahren keine Überweisungen mehr
Acht Jahre lang habe es keine Probleme gegeben, sagt Baumann, "seit zwei Jahren wurde jetzt aber kein Geld mehr überwiesen". Baumann macht aber deutlich: "Wir haben nichts gegen den türkischen Verein und wollen ihn auch nicht loswerden, werden aber nicht die finanziellen Kosten des FCL tragen." Und so wurde dem FCL ab Januar die Nutzung der Umkleidekabinen untersagt. Bereits seit 1. Januar 2023 ist das Flutlicht gesperrt.
"Wir wollen nichts umsonst", ist für FCL-Vorstand Ayhan Özer jedoch die Höhe der festgelegten Zahlungen völlig überzogen. Mit Datum 1. Oktober 2022 wurde die Nutzung der Flutlichtanlage aufgrund gestiegener Betriebskosten von 35 auf 45 Euro pro Stunde erhöht. Die Nutzung der Umkleidekabinen steigerte sich pro Trainingseinheit und je Spiel von 15 auf 25 Euro.
1. FC Lauffen droht Aus vom Spielbetrieb: Özer fühlt sich über den Tisch gezogen
"Mit uns wurde darüber nicht geredet", sagt Özer. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden und fühle sich "über den Tisch gezogen". Özer hatte mehrmals, auch schon in den Jahren vor der Kostenerhöhung, um eine Kostenaufstellung gebeten, in der detailliert aufgeführt ist, welche finanziellen Aufwendungen die Sportfreunde haben und wie diese auf den FCL umgelegt werden. "Das ist bis heute nicht geschehen", sagt Özer und will zudem wissen, wie man auf die Summe von 25 Euro pro Kabinennutzung komme. Auch die 45 Euro pro Stunde Flutlicht stellt er als maßlos überhöht dar.
Zu beachten sind auch Instandhaltungskosten. "Wir haben zwei Lampen der Flutlichtanlage ausgetauscht, da kostet eine 800 Euro", erzählt Baumann. Zudem mussten 2023 für vom TÜV auferlegte Reparaturmaßnahmen 10 000 Euro aufgewendet werden. "Das haben die Sportfreunde bezahlt." Von derartigen finanziellen Aufwendungen profitiere auch der FCL.
AH deshalb abgemeldet
Ein geregelter Übungsbetrieb ist für den FC Lauffen nicht möglich, zumindest seit mehr als einem Jahr in der dunklen Jahreszeit, seit die Flutlichtnutzung untersagt wurde. "Wird Flutlicht benötigt, können wir nicht trainieren", sagt Ayhan Özer, man habe deshalb die Alten Herren abgemeldet. Und die Aktiven treffen sich nur sonntags zum Spiel - sie halten sich selbstständig fit.
"Dem Verein wurde die Verwaltung übertragen. Er trägt somit alle anfallenden Nebenkosten für das Gebäude. Auch die Reinigungskraft ist bei den Sportfreunden angestellt", sagt Frieder Schuh, Kämmerer der Stadt Lauffen, über den ursprünglichen Vertrag aus dem Jahr 2000. Schuh erklärt, die reine Nutzung der Sportanlage - auf der die Sportfreunde auch den Hausmeisterdienst verrichten - und der darauf befindlichen Gebäude sei für alle Vereine im Rahmen der Sportförderung der Stadt Lauffen kostenfrei.
Nebenkosten sind jedoch zu entrichten. Als vor rund zehn Jahren der 1. FC Lauffen als quasi Untermieter hinzukam, wurde ein Nutzungsvertrag ausgearbeitet, unterschrieben von allen drei Parteien (Stadt und beide Vereine). FCL-Vorstand Ayhan Özer versteht aber nicht, warum sein Verein als "Untermieter" angesehen wird und von der Kommune nicht wie die Sportfreunde als gleichberechtigter Partner behandelt wird.
Als der FC Lauffen in die Nutzungsvereinbarung aufgenommen wurde, habe man sich darauf geeinigt, sagt Schuh, "dass weiterhin die Sportfreunde Lauffen, und das ist in diesem Dreiervertrag geregelt, die Verwaltung für das Gebäude, damit auch alle Nebenkosten, übernehmen und diese mit den anderen Nutzern verrechnen. Die Sportfreunde legen uns alle Zahlen offen, und die sind auch nachvollziehbar."
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare