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Fußball

"Es war ein Privileg, dabei gewesen zu sein"

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Von 2006 bis 2014 war Jochen A. Rotthaus Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim und mitverantwortlich für den Stadionbau. Hier blickt er zurück.

Von Florian Huber
Jochen Rotthaus bei einem Kongress als Redner.
Foto: SpoBiS/SPONSORs /picture alliance
Jochen Rotthaus bei einem Kongress als Redner. Foto: SpoBiS/SPONSORs /picture alliance  Foto: SPONSORs / picture alliance

Herr Rotthaus, heute vor zehn Jahren wurde die Sinsheimer Fußball-Arena eröffnet. Ist so ein Jahrestag präsent?

Rotthaus: Es ist jetzt nicht so, dass ich mir den Tag rot im Kalender angestrichen hätte. Aber neulich erst ist mir aufgefallen, dass das tatsächlich genau zehn Jahre her ist. Es war wirklich ein Privileg, bei diesem Stadionbau dabei gewesen zu sein. Es war von Anfang an etwas ganz Besonderes, ein absolutes Karriere-Highlight, wofür ich Dietmar Hopp unheimlich dankbar bin.
 

Inwiefern war es besonders?

Rotthaus: Vor dem Baubeginn habe ich damals mein Team zu einem besonderen Frühstück eingeladen. Wo jetzt die Arena steht, waren ja nur Maisfelder. Da haben wir ein paar Maisstauden weggerodet, um am heutigen Anstoßkreis eine Hoffenheim-Fahne zu hissen. Dann haben wir zwei Bierbänke hingestellt und ich habe freitagmorgens Weißwürste und Brezn ausgegeben. Da ist jedem bewusst geworden, was das für ein faszinierendes Projekt wird.
 

Großprojekte rechtzeitig fertigzustellen, ist ja mitunter schwierig...

Rotthaus: Dafür ist uns das ganz gut gelungen. Es gab nicht eine Situation, wo ich gedacht habe, die lässt sich jetzt nicht lösen. Wir haben damals mitten in der Stahlkrise gebaut. Das Familienunternehmen Donges ist als Stahlbauer Pleite gegangen. Die Baustelle fürs Dach war schon eingerichtet, dann kam die Hiobsbotschaft, dass die Stahlträger nicht geliefert werden können.
 

Es drohten massive Verzögerungen.

Rotthaus: Ohne dass Dietmar Hopp eingegriffen hätte auf jeden Fall. Er hat die Firma gerettet - und damit auch die pünktliche Fertigstellung der Arena.


Welche Dinge sind Ihnen noch in Erinnerung geblieben?

Rotthaus: Da gibt es sehr viele. Zum Beispiel haben wir lange überlegt, wie wir die Beschriftung an der Rhein-Neckar-Arena außen gestalten. Da haben wir mit zwei Musterbuchstaben und einem geliehenen Kran ausprobiert. Meine Assistentin ist an einem Abend mit dem Auto immer die Autobahn rauf und runter an der Arena vorbeigefahren und hat uns per Funk mitgeteilt, wo die Schrift in der Dunkelheit am besten zu lesen ist. "Hoffenheim" war ja damals wie ein Start-up-Unternehmen.
 

Als Bauherr erinnert man sich oft eher an die Dinge, die fast schiefgelaufen sind.

Rotthaus: Zum Glück ist beispielsweise einem Kollegen aufgefallen, dass wir auf einer Ebene die Toiletten vergessen hatten. Die waren da ursprünglich geplant, mussten aber für das Kühllager des Caterers weichen. Das wäre fatal geworden, wenn wir an der Stelle jetzt keine Toiletten hätten. Apropos Toiletten...
 

...was kann man denn da alles falsch machen?

Rotthaus: Der Projektplaner hatte in den Sanitärräumen eine grüne Bordüre vorgeschlagen. Einen grünen Streifen inmitten weißer Fliesen!
 

Nicht so ganz passend.

Rotthaus: Ich habe dann natürlich ein Veto eingelegt - die Vereinsfarben sind blau und weiß. Und dem Projektplaner vorgeschlagen: Gehen Sie mal ins Dortmunder Stadion und versuchen blaue Fliesen an die Wand zu bringen. Viel Spaß dabei.
 

Wie eng ist noch der Draht in den Kraichgau?

Rotthaus: Ich habe nach wie vor regen Kontakt in zu den Vereinsverantwortlichen. Vielleicht bekommen wir ja mal bei einem künftigen Stadion-Geburtstag ein Ehemaligentreffen hin. Das wäre eine schöne Sache.


Zur Person

Jochen Rotthaus arbeitete vor seiner Zeit in Hoffenheim beim VfB Stuttgart. Nach den acht Jahren als TSG-Geschäftsführer war der 52-Jährige in gleicher Rolle beim Eishockeyclub DEG. Zum Jahresende beendet Rotthaus seine aktuelle Tätigkeit als Marketing- und Kommunikationsdirektor bei Bayer Leverkusen. "Ich möchte gerne noch einmal etwas anderes machen, eventuell auch mal die Seiten tauschen", sagt er. Der passionierte Jäger mit Revier in Tauberbischofsheim ist ein Cousin von Jens Lehmann. 

 

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