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Eppinger Jubelsturm am Käfiggitter

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Der Treffer zum 2:2 des Verbandsligisten VfB Eppingen gegen Titelaspirant SV Spielberg in der 95. Minute ist der emotionale Höhepunkt eines gelungenen Saisoneinstands für die Kraichgauer.

Intensiv: Elias Feljauer (vorne) im Zweikampf mit Fabian Gondorf.
Intensiv: Elias Feljauer (vorne) im Zweikampf mit Fabian Gondorf.  Foto: Krüger, Klaus

Mit seinem letzten Laufweg hat sich Lukas Durst am Samstagnachmittag unwissentlich in Gefahr begeben. Als der linke Mittelfeldspieler des VfB Eppingen nach seinem Ausgleichstreffer in der 95. Minute gegen den SV Spielberg zum Jubeln in Richtung Spielfeldrand abdrehte, hatte er die speziellen Begebenheiten der HWH-Arena nicht mehr auf dem Schirm. Als der 28-Jährige realisiert hatte, dass er im Eppinger Käfig in der Falle saß, war es schon zu spät: Die heranstürmenden Mitspieler hatten ihn erreicht, sprangen allesamt auf Durst drauf und drückten den Neuzugang an den Zaun.

Es war das emotionale Ende einer intensiven Partie, in der sich in der Schlussphase die Ereignisse überschlugen. Erst waren die Gäste, die als Anwärter auf die Meisterschaft gehandelt werden, durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit mit 2:1 in Führung gegangen. Dann schlugen willensstarke Eppinger in Person eines ihrer Neuen zurück. Durst spürte in erster Linie Erleichterung und machte sich weniger Sorgen um seine Gesundheit. "Ich glaube, ich bin ohne Verletzung und blaue Flecken aus der Nummer gekommen", sagte der Heidelsheimer nach dem Eppinger Jubelsturm und stellte nach dem 2:2 zufrieden fest: "So kann man in die Saison starten."

Eppingen strahlt zu Beginn keine Ruhe aus

Zumal sich das Remis in diesem Fall wie ein Sieg für Eppingen anfühlte. "Eine Niederlage wäre auch nicht gerecht gewesen", sagte Trainer Christian Schweinfurth, der mit dem Auftritt seiner Mannschaft in der Summe zufrieden war. Einzig zu Beginn sei sein Team mit Ball etwas hektisch gewesen und habe ungenau gespielt. "Wir haben nie richtig Ruhe ausstrahlen können", sagte der 35-Jährige. Defensiv habe es seine Mannschaft aber auch in der Phase ordentlich gemacht und kaum etwas zugelassen.

Die Tore fielen allesamt nach der Pause, den Auftakt machte der Favorit und ausgerechnet ein langjähriger Eppinger. Giacomo Wiczynski, acht Jahre lang in Diensten des VfB, hatte nach feinem Spielzug der Gäste leichtes Spiel, musste den Ball am langen Pfosten nur noch über die Linie schießen (52.). Schlechtes Gewissen? "Ein bisschen", gestand der Mittelfeldspieler. Aber in erster Linie war er froh. "Letzte Saison habe ich aus einem Meter übers leere Tor geschossen. Da hat man mir gleich unterstellt, ich sei noch Spieler von Eppingen." Diesmal ließ er bei aller Verbundenheit zum VfB aber keinerlei Zweifel zu.

Neuzugangn schließt eiskalt ins kurze Eck ab

Nach einer guten Stunde verpasste Lukas Durst (rechts) noch das 1:1 für Eppingen. Sein Treffer zum 2:2 war dafür umso wertvoller.
Fotos: Klaus Krüger
Nach einer guten Stunde verpasste Lukas Durst (rechts) noch das 1:1 für Eppingen. Sein Treffer zum 2:2 war dafür umso wertvoller. Fotos: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Und doch reichte der Treffer des früheren Eppingers für Spielberg nicht zum Dreier. Denn der VfB fand noch eine Antwort: Der vier Minuten zuvor eingewechselte Niklas Watzl - wie Lukas Durst ein Neuzugang - erzielte mit einem seiner ersten Ballkontakte den Ausgleich. Von Durst nach einem tollen Spielzug in Szene gesetzt, schloss der 22-Jährige trocken zum 1:1 in die kurze Ecke ab. Eine Stärke des Stürmers, wie Schweinfurth betonte. "Er braucht nicht viele Chancen."

Der Torschütze selbst spielte seinen Premierentreffer ein wenig runter. "Acht, neun Meter vor dem Tor fackelt man halt nicht lange." Zudem sei doch das 2:2 das größere Highlight in dem Spiel gewesen. Wenngleich - oder besser: weil - der VfB erst noch einen Rückschlag wegstecken musste. In der dritten Minute der Nachspielzeit verursachte Marc Zengerle im Getümmel einen Elfmeter, den Spielbergs Fabian Gondorf zum 2:1 nutzte. Dem vermeintlichen Siegtreffer. Doch die körperlich auffällig starken Gastgeber hatten noch Reserven und das Glück des Tüchtigen.

Perfektes Ende für das anschließende Einstandsfest der Neuen

Zengerle traf nach einer Hereingabe von rechts zunächst nur den Pfosten. Und dann stand Lukas Durst genau richtig: Der 28-Jährige bugsierte den Ball über den bereits liegenden Keeper hinweg ins Tor - ein Traumeinstand. Wenngleich mit Niklas Watzl ein anderer Neuer meinte: "Für das 2:2 muss die ganze Mannschaft gefeiert werden." Genau das passierte: am Käfiggitter. Und später beim Einstandsfest der zehn Neuen.

VfB Eppingen: Dups - Kradija, Münz (90.+3 Tomic), Felk, Schweizer - Zengerle, Feljauer (79. Feljauer) - Durst (90.+5 Schnabel), Rudenko, Winter (46. Yurdakul) - Luck (85. Cianciolo). Tore: 0:1 (52.) Wiczynski, 1:1 (83.) Watzl, 1:2 (90.+3) Gondorf, Foulelfmeter, 2:2 (90.+5) Durst. Schiedsrichter: Cedric Walther. Zuschauer: 200.

Trainer ist kurz orientierungslos

Christian Schweinfurth war nach dem 2:2 schon auf dem Weg zu seinen jubelnden Spielern, als er kurzerhand abdrehte. "Ich bin im Kreis gelaufen, war orientierungslos", gestand der VfB-Trainer. Noch war das Spiel nicht zu Ende, der 35-Jährige überlegte, was er in den letzten Sekunden von außen noch tun könnte, um den Punkt zu retten. "Ich hatte kurz vorher einen weiteren Stürmer gebracht und einen Innenverteidiger rausgenommen." Also nahm er den Torschützen raus und brachte noch einen Innenverteidiger. map

 
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