Eppingens Trainer geht mit gutem Gefühl: "Pfeifferle, alles richtig gemacht"
Nach fünf Jahren als Trainer bei Verbandsligist VfB Eppingen bleiben David Pfeiffer vor allem die Menschen in Erinnerung

Mit dem Auswärtsspiel am Samstag, 17 Uhr, beim VfB Gommersdorf endet beim VfB Eppingen nicht nur die Saison in der Verbandsliga. Sondern auch die Zeit von Trainer David Pfeiffer. Eine in vielerlei Hinsicht besondere Zeit, wie der 39-Jährige, der zu Oberligist TSG Backnang wechselt, im Interview verrät.
David, am Samstagabend fahren Sie als VfB-Trainer in den Urlaub - kommen als Backnang-Trainer wieder. Ist das noch unwirklich für Sie?
David Pfeiffer: Nee. Es ist schon alles sehr nah. Ich hatte auch viele Gespräche mit Backnang. Es geht relativ zeitnah nach dem Urlaub los. Ich habe mir auch eine To-Do-Liste angelegt, was ich im Urlaub abarbeiten möchte an Vorplanungen. Von daher ist es schon sehr greifbar.
Besteht nach fünf Jahren in Eppingen also nicht die Gefahr, dass Sie aus Gewohnheit falsch vom Hof abbiegen?
Pfeiffer: Glaube ich nicht. Aber das wird schon der erste Moment, wo es komisch wird, wenn ich aus meiner Ausfahrt nicht mehr rechts in Richtung Eppingen, sondern links abbiege nach Backnang.
Wie viel Wehmut steckt dann noch im Abschied von Eppingen?
Pfeiffer: Wehmut gar nicht so. Vielleicht kommt es aber auch noch. Im Endeffekt bin ich mit mir im Reinen, mit der Entscheidung. Auch damit, wie ich in Eppingen gearbeitet habe, kann ich ohne schlechtes Gewissen meine neue Aufgabe angehen. Ich hinterlasse eine gute, intakte Mannschaft.
Abgesehen von einem Test in der Vorbereitung werden sich Ihr und der Weg des VfB nicht mehr häufig kreuzen, ist Eppingen schnell aus dem Sinn?
Pfeiffer: Das nicht. Ich habe schon vor, wenn nicht beide Mannschaften zeitgleich spielen, mal rüber zu fahren und mir Eppingen anzuschauen. Und was das Testspiel angeht, überlege ich mir auch nochmal, was man im Anschluss machen kann, ob ich als nachgezogenen Abschluss noch einen ausgebe.
Gibt es den einen Moment, der Ihnen aus fünf Jahren in Eppingen hängengeblieben ist?
Pfeiffer: Wenn ich was vor meinem geistigen Auge als Erstes sehe, dann ist es Lothar Berneker (der 2020 unerwartet gestorbene Co-Trainer, Anm. d. Redaktion). Das ist das Erste, das mir in den Kopf kommt. Auch jetzt in Bezug auf meine Entscheidung, den VfB zu verlassen. Da weiß ich genau, dass der Lothar sagen würde: Pfeifferle, alles richtig gemacht. Lothar ist für mich eine zentrale Figur gewesen. Die Freundschaft war besonders, das werde ich immer in Erinnerung behalten.
Sind es generell die persönlichen Verbindungen, die hängen bleiben?
Pfeiffer: Ich hatte nicht geplant, vor dem letzten Heimspiel große Reden zu schwingen. Mache ich grundsätzlich nicht gerne. Jetzt hat die Mannschaft mir aber was überreicht, und Flo Kradija auch wirklich nette Worte gefunden. Dann habe ich ein bisschen was gesagt. Das lässt sich etwa so zusammenfassen: Wenn ich vom Hof wegfahre zum Training und ich freue mich drauf - dann ist das gut. Das war die ganze Zeit so in Eppingen. Das hat mit der Mannschaft und den Jungs zu tun.
Sie sagen von sich, nicht sentimental zu sein. Aber die Worte des stellvertretenden Kapitäns haben Sie dann doch berührt. Was hat er gesagt?
Pfeiffer: Klar. Er sagte, dass er persönlich dankbar ist, für die gute Zeit, die wir miteinander hatten. Ich kann das nur eins-zu-eins zurückgeben. Vor allem bei ihm. Was ich sehr gut fand - und das bestärkt mich in meiner Art und Arbeit: Dass ich seiner Meinung nach einen guten Weg gefunden habe zwischen Kumpel und Respektsperson.
Wie fällt die sportliche Bilanz in fünf Jahren Eppingen aus?
Pfeiffer: Wir können die Saison als Dritter abschließen, sind nah an den 60 Punkten dran: Das ist schon deutlich mehr, als vor meiner ersten Saison zu erwarten gewesen wäre. Was das Budget angeht, war es in den Jahren vor meiner Zeit immer mehr als in den Jahren unter mir. Trotzdem ging es kontinuierlich bergauf. Wir haben uns als Mannschaft stetig weiterentwickelt.
Ist Platz drei unter den Voraussetzungen auch das maximal Mögliche für den VfB Eppingen?
Pfeiffer: Ein Stück weit ja. Trotzdem war Platz zwei auch ein realistisches Ziel. Nicht in dem Sinn, dass es sein muss. Aber es hat nicht viel gefehlt. Das wurmt mich auch immer noch. Uns hat in zwei Spielen in der Rückrunde die Killer-Mentalität gefehlt. Nur mit der und dem unbedingten Willen kann man das schaffen, wenn man nicht ganz so stark besetzt ist wie die anderen. Da haben nicht alle die letzte Entschlossenheit auf den Platz gebracht, das ärgert mich schon im Nachhinein.
Ihre Arbeit in Eppingen hat das Interesse anderer Clubs geweckt. Es gab Angebote...
Pfeiffer: Angebote kann man nicht sagen. Das andere waren Anfragen, die ich nicht weiter verfolgt habe, weil der Reiz einfach nicht da war. Ich bin bei einem Verein, bei dem ich mich wohlfühle, wo es sportlich reizvoll war. Ich hätte nicht gewechselt, nur um eine Liga höher zu sein. Es gibt immer Push- und Pull-Faktoren: So viel hat mich von Eppingen nicht weggedrückt.
Also hat die TSG Backnang eine hohe Anziehungskraft für Sie?
Pfeiffer: Ich bin nach einem Test in Backnang mit meinem Co-Trainer von der Anlage gegangen und habe, nachdem ich anderen abgesagt hatte, zu ihm gesagt: Wenn sich dieser Verein gemeldet hätte, hätte ich nochmal anders nachgedacht. Dann hat sich die TSG gemeldet.
Sie mussten dann nicht lange überlegen, obwohl Sie in Eppingen eigentlich schon zugesagt hatten?
Pfeiffer: Doch. Da ging es mir nicht nur darum, dass ich schon mein Ja-Wort gegeben hatte. Das war unter der Voraussetzung, dass, wenn noch ein Angebot kommt, wir sprechen können. Da hatte ich weniger große Bedenken wie der Mannschaft gegenüber. Einige Spieler haben zu mir gesagt: Wenn du bleibst, bleibe ich auch. Dann drei, vier Wochen später zu sagen, übrigens ich geh" jetzt, fiel mir extrem schwer. Ich habe das Gespräch mit einigen Spielern gesucht, um für mich ein Gefühl zu entwickeln. Da war von allen die Aussage: Hey David, es wäre scheiße, wenn du gehst. Aber wir kennen dich, wenn du die Möglichkeit hast: Mach"s. Das hat mich bestärkt.
Zur Person
Fünf Jahre hat David Pfeiffer beim VfB Eppingen als Trainer den Ton angegeben. Seit dem Amtsantritt des 39-jährigen Brackenheimers landeten die Kraichgauer in der Verbandsliga immer auf einem einstelligen Tabellenplatz - die Runde könnten sie sogar als Dritter abschließen. Gleich in seiner ersten Saison führte der Vater zweier Kinder und Grundschulrektor den VfB auf Platz fünf.
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