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Dietmar Hopp feiert seinen 80. Geburtstag

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SAP-Gründer, Hoffenheim-Mäzen, Geldgeber für Forschung: Dietmar Hopp hat sehr viel für die Region getan. Nun feiert er seinen 80. Geburtstag. Eine große Geburtstagsparty gibt es in Zeiten des Coronavirus nicht.

Foto: dpa
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Dietmar Hopp ist ein Mann der direkten, kurzen Wege. Nach wichtigen Heimsiegen seiner TSG 1899 Hoffenheim geht es immer schnurstracks direkt in die Mannschaftskabine. "Zicke, Zacke, Zicke, Zacke. Hoi, Hoi, Hoi", brüllt Hopp dann und freut sich wie ein Kind über seine Weihnachtsgeschenke.

An diesem Sonntag fällt die große Party zum 80. Geburtstag aus. Das verlängerte Wochenende in Südfrankreich mit Gattin Anneliese, den beiden Söhnen, den Enkeln, es fällt aus. Stattdessen wird daheim in Walldorf gefeiert. Die Enkel in direkter Nachbarschaft winken aus der Ferne. Mehr ist in Zeiten wie diesen nicht möglich.

Schon als Kind setzte sich Dietmar Hopp große Ziele. Seine Mutter hätte einst gerne gesehen, dass ihr Sohn wie der Vater Lehrer wird. "Mama, ich werde einmal Millionär", erwiderte der Bub. Klein-Dietmar hat Wort gehalten, statt Millionär wurde er sogar Milliardär. Als studierter Diplom-Ingenieur in Nachrichtentechnik arbeitete er sechs Jahre bei IBM, ehe er sich mit vier Kollegen Anfang der 1970er Jahre selbstständig machte.

Einer der besonders reichen Deutschen

Aus dem Softwareunternehmen "Systemanalyse und Programmentwicklung" - kurz SAP - wurde ein millardenschweres Börsenunternehmen und Hopp zu einem der reichsten Deutschen. Sein Vermögen wird auf 12 Milliarden Euro geschätzt. Denn eine Unternehmenssoftware made in Walldorf eroberte die Welt. "Die Zeit" kürte ihn einst zum erfolgreichsten deutschen Unternehmensgründer der vergangenen 30 Jahre. So richtig in den Fokus der Öffentlichkeit geriet Hopp aber erst mit seinem Engagement bei der TSG Hoffenheim.

Foto: Mathias Ernert
Foto: Mathias Ernert  Foto: Mathias_Ernert

1989 sah Dietmar Hopp seinen Heimatclub in der Relegation mit einem 2:4 gegen den 1. FC Stebbach aus der Bezirksliga Sinsheim absteigen. "Zum Glück haben wir damals verloren. Danach hat sich Dietmar Hopp entschlossen, uns zu unterstützen", erinnert sich Hoffenheims Präsident Peter Hofmann.

Aus der kleinen Starthilfe wurde über die Jahre große Aufstiegshilfe. Aus den kleinen Aufstiegen wurde bis zum Jahr 2008 eine ganz große Sache. Den Durchmarsch durch alle Ligen, bis in die Bundesliga und 2018 gar in die Champions League finanzierte Hopp. Auf 350 Millionen Euro bezifferte Dietmar Hopp sein Investment in viele Steine (Sinsheimer Arena, Trainingszentrum Zuzenhausen) und teure Kicker-Beine.

Früher spielte er selbst für die TSG Hoffenheim

Hopp ist kein Scheich oder Oligarch, der sich irgendeinen Fußballclub als Zeitvertreib zugelegt hat. Er spielte einst selbst als Student für die TSG Hoffenheim in den Niederungen des Sinsheimer Amateurfußballs. Und für jedes Tor gab es damals statt Geld Wurstdosen. Diese Zeiten sind vorbei. Nach vielen, vielen Jahren ist Hopp stolz, "dass der Verein sich endlich wirtschaftlich trägt, auf eigenen Beinen stehen kann", wie er es mal ausdrückte. Dank kluger Talententwicklung und Transferpolitik ist der Club inzwischen finanziell autark.

Immer wieder wird Dietmar Hopp als Hoffenheimer Geldgeber angefeindet. Mit Gesängen. Auf Transparenten. Sein Gesicht wurde auf Transparenten ins Fadenkreuz genommen. Hopp, der Fußball-Feind, der Prototyp des Investors im kommerzialisierten Fußball. Das verletzt ihn tief, weil er für seine anderen Engagements in Medizin oder Forschung nur Lob und Wohlwollen geerntet hat.

2004 war Hoffenheim noch Drittligist. Hopp schaute hier im nach ihm benannten Stadion aus seiner Loge zu. Foto: Ronald Wittek
2004 war Hoffenheim noch Drittligist. Hopp schaute hier im nach ihm benannten Stadion aus seiner Loge zu. Foto: Ronald Wittek  Foto: Ronald Wittek

Wer als Milliardär sein Geld in Kunstwerke oder Hochschulen fließen lässt, der wird dafür gefeiert, hofiert, bewundert. Profifußball funktioniert nach anderen Maßstäben als Kunst oder Bildung. Museen und Universitäten stehen nicht so im Wettbewerb zueinander wie Bundesligaclubs. "Im Fußball gibt es einen Unterschied: die Emotionalität", musste Hopp erkennen. Dankbarkeit von gegnerischen Fans hat Dietmar Hopp nie erwartet, aber doch ein bisschen mehr Respekt und Anstand. Eben jene Werte, die ihm zeitlebens wichtig waren. Zehn Jahre lang hat er die gegnerischen Anfeindungen "vorbeiziehen lassen", wie er es einmal ausgedrückt hat. Später setzte er auf den juristischen Kampf gegen "skrupellose und in Teilen kriminelle Krakeeler". Der Konflikt ist kurz vorm Corona-Lockdown eskaliert. Die Bilder von Profis als streikenden Ballschiebern bei der TSG-Partie gegen die Bayern (0:6) gingen um die Welt.

Wichtiger Investor in der Biotech-Branche

Corona hat den Konflikt nur unterbrochen, nicht gelöst. Dabei könnte nun ausgerechnet Hopp in anderer Funktion dafür sorgen, dass momentan leere Fankurven wieder voll werden können. In den vergangenen Jahren stieg Hopp zum größten Investor der deutschen Biotechnologie-Branche auf. Seine Firmen probierten viel, sie scheiterten meist. Rund eine Milliarde Euro habe ihn sein Biotech-Investment gekostet, verriet Hopp vor einigen Jahren. Jetzt hofft nicht nur er als Mehrheitseigner des Tübinger Pharmaunternehmens CureVac auf schnelle Fortschritte bei einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die ganze Welt wäre dankbar.

Diese Dankbarkeit erfährt Hopp schon länger vor allem in der Rhein-Neckar-Region, in Heilbronn und Hohenlohe. Denn man hat unverhofft einen Fußball-Erstligisten vor die Haustür gesetzt bekommen.

Hopp hat sich seiner persönlichen Vergangenheit stets gestellt. Vater Emil war als Truppführer der Sturmabteilung der Nazis 1938 an der Zerstörung der Hoffenheimer Synagoge beteiligt. Es gibt ein lesenswertes Buch und einen sehenswerten Film ("Menachem und Fred"), den es ohne Hopps finanzielle Unterstützung nicht geben würde. Aktuell treibt Hopp eine zentrale Zukunftsfrage um: "Wenn Menschen behaupten, es gibt keinen Klimawandel und man braucht keinen Klimaschutz, dann kann ich nur den Kopf schütteln."

Der Region etwas zurückgeben

Hopp ist wichtig, der Region etwas zurückzugeben. Die würde anders aussehen ohne seine Stiftung, die er 1995 gründete und in die er den Großteil seiner SAP-Aktien überführte. Eine der größten privaten Stiftungen Europas unterstützte seither mit rund 800 Millionen Euro Krankenhäuser genauso wie den Jugendsport ("Anpfiff ins Leben"). Computertomographen, Krebsforschung, das neue Klima-Erlebniszentrum in Sinsheim oder auch Spielplätze. Das alles gäbe es ohne ihn nicht.

Sohn Daniel soll sein Wirken bei der TSG Hoffenheim fortsetzen. Dessen Liebe gehört dem Eishockey und den Adlern aus Mannheim. Als 17-Jähriger hatte Daniel seinen Papa überredet, die Adler vor der Pleite zu retten. Hopp junior stieg schon mit Anfang 20 zum Geschäftsführer des deutschen Eishockey-Aushängeschilds auf. Hoffenheim statt Mannheim - so richtig Lust habe Hopp junior auf den Sportartenwechsel nicht, so ist immer wieder zu hören. Ob der 39-Jährige irgendwann wie sein Vater "Zicke-Zacke"-Gesänge in der Hoffenheimer Kabine anstimmt?

 
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