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Die große VfR-Party ist nur um ein Jahr verschoben

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Vor 25 Jahren holten die A-Junioren des VfR Heilbronn den DFB-Pokal. Die goldene Generation ist die Keimzelle des neuen VfR.


 

Es wird eine Silberhochzeit in kleinem Kreis, ein Abend beim Italiener. Kein rauschendes Fest wie vor genau 25 Jahren, beim letzten großen Festtag des Heilbronner Fußballs. Am 14. Juli 1996 gewannen die A-Junioren des VfR Heilbronn den DFB-Pokal. Ein 6:1-Spektakel gegen Energie Cottbus vor 6000 euphorischen Zuschauern im Frankenstadion.

Es war der Beginn der letzten Hoch-Zeit des Unterländers Fußballs und ausgerechnet im 100. Jahr des Vereinsbestehens der einzige Heilbronner Fußball-Titel von nationaler Relevanz. Danach gab es im Lande des viermaligen Fußball-Weltmeisters nie wieder eine A-Jugend als DFB-Pokalsieger, deren erste Mannschaft währenddessen so niederklassig gespielt hat.

Eine Mannschaft als Unterländer Auswahl

Die U19 des VfR war damals eine Unterländer Auswahl, ein Best-of. "Du wusstest, du schaffst es nur, wenn du dort kickst", hat es Rüdiger Rehm mal ausgedrückt. Das ist heute anders, wenn Talente mitunter schon mit elf, zwölf Jahren in die Nachwuchsakademien des VfB Stuttgart oder der TSG Hoffenheim wechseln.

Der fliegende Rainer Baumgart: Hier markiert er verdeckt vom Ball das Tor zum 2:0 im Finale gegen Energie Cottbus. Am Ende hieß es 6:1. Nun ist der 43-Jährige selbst Trainer der VfR-A-Junioren.
Fotos: imago/Baumann
Der fliegende Rainer Baumgart: Hier markiert er verdeckt vom Ball das Tor zum 2:0 im Finale gegen Energie Cottbus. Am Ende hieß es 6:1. Nun ist der 43-Jährige selbst Trainer der VfR-A-Junioren. Fotos: imago/Baumann  Foto: imago sportfotodienst

Aus den Heilbronner Teenagern von einst sind Väter geworden. Hier und da mit grauen Haare, einem bald Mit-Vierziger-Bäuchlein. Wie das eben so ist in dieser Lebensphase. Das Wichtigste aber am Altern: Alle sind auch 25 Jahre nach dem großen Fußball-Tag gesund, wohlauf und regelmäßig in Kontakt. Es gibt eine Whatsapp-Gruppe, das Zehnjährige, das Fünfzehnjährige und Zwanzigjährige wurde groß gefeiert. Manche sind Freunde fürs Leben. "Erfolgserlebnisse sind wie Klebstoff", sagt Robert Mucha, einer aus der Siegerelf von 1996, bei dem daheim ein 25 Jahre altes Mannschaftsfoto hängt.

Warum die Mannschaft sportlich zerfallen ist

Die Siegerelf damals zerfiel nur sportlich, weil sich niemand beim VfR darum kümmerte, die Talente im Verein zu halten. Einige wie Michael Wenczel und Rüdiger Rehm wurden Fußball-Profis, andere wie Rainer Baumgart oder Peter Wagner kehrten immer wieder zurück an die Badstraße. Das alles ist Vergangenheit, so wie die vielen Fusionen, die den Heilbronner Fußball nicht voranbrachten.

In der Gegenwart sollte das 25-Jährige im Sommer 2021 eine große Fußball-Party werden. Onur Celik, Teil der Klasse von 1996, hatte sie im Kopf schon ganz genau geplant. Ein Fußball-Wochenende ganz im Zeichen des VfR Heilbronn. Jugendturniere, ein Testspiel mit einem Bundesligaverein im vollen Frankenstadion. Garniert mit der Neuauflage des Duells gegen Cottbus als Alte-Herren-Kick. Aufgeschoben statt aufgehoben ist nun das Pandemie-Motto des VfR-Vorsitzenden Celik. "Dann feiern wir halt 26 Jahre statt 25, die EM wurde ja auch um ein Jahr verschoben."

Im Spaß vor fünf Jahren gesagt, im Ernst umgesetzt

Erst der Coup, dann der Cup: Gruppenbild mit dem DFB-Pokal der A-Junioren am 14. Juli 1996. Deutlich zu sehen: Vor 25 Jahren trugen junge Fußballer die Haare deutlich länger als heutzutage.
Erst der Coup, dann der Cup: Gruppenbild mit dem DFB-Pokal der A-Junioren am 14. Juli 1996. Deutlich zu sehen: Vor 25 Jahren trugen junge Fußballer die Haare deutlich länger als heutzutage.  Foto: imago sportfotodienst

Der 2018 wiederbelebte VfR mit seinen mittlerweile rund 400 Mitgliedern ist 2021 die Spätfolge, sozusagen die Nachwirkung der 20-Jahrfeier von 2016. Denn seine Keimzelle hat der neue VfR im Pokalsieger-Team von 1996. Bei einem Treffen vor fünf Jahren wurde noch gewitzelt, dass man den VfR neu gründen sollte. "Da wären wir nach zwei Jahren die Nummer eins der Stadt", hieß es damals. Im Spaß gesagt. Im Ernst dann tatsächlich umgesetzt.

Nach einem Gespräch mit Ex-VfR-Präsident Horst Eisele rund um die 20-Jahr-Feier, "fing das Ganze bei mir an. Das war schon irgendwie die Initialzündung", sagt der heutige Vorsitzende des neuen VfR. "Hätte die Stadt schon einen Oberligisten gehabt, dann würde es uns nicht geben", glaubt Onur Celik, der mit dem aktuellen Bezirksligisten in "fünf Jahren wieder dort sein möchte, wo man vor 25, 30 Jahren war." In der Oberliga also. Die Regionalliga ist das Fernziel.

Rainer Baumgart ist der neue Otto Frey

Der Großteil der Klasse von 1996 fungiert dabei als Beobachter, als Fan. Nicht jeder ist so umtriebig wie Onur Celik und der einstige Kapitän Tobias Schwarz als Führungsfiguren. Für Rainer Baumgart hat sich als A-Jugend-Trainer der Kreis geschlossen. Er ist der neue Otto Frey, der die U19 vor 25 Jahren als damaliger Jugendleiter ja nur verantwortete, weil sich für den Job niemand sonst finden ließ. "Die Stärke der Mannschaft bestand darin, dass sie am Ende gar keinen Trainer mehr gebraucht hat", hat Frey es mal formuliert: "Es lief einfach, ich war ja fast überflüssig."

Dass der neue VfR aus der letzten goldenen Generation von einst entstanden ist, das hält Robert Mucha "nicht für Zufall. Leistungsorientiert waren und sind wir alle." Einen Titel von nationaler Relevanz für den VfR Heilbronn, wird es das jemals wieder geben? "Da sehe ich für uns ehrlicherweise in der Zukunft die meisten Chancen im Frauenfußball", sagt Onur Celik. Wie lange es wohl dauert bis zum nächsten großen VfR-Titel? "Mindestens solange wie es gebraucht hat, um Gerd Müllers Bundesligatorrekord zu brechen", vermutet Robert Mucha - und lacht. Das waren fast 50 Jahre. In 25 Jahren steht die Goldene Hochzeit für die Pokalsieger von 1996 an. Das wäre doch ein guter Anlass für ein rauschendes Fußball-Fest.

 
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