VfB Eppingen – Hamburger SV 2:1 (0:0)VfB Eppingen: Volker Gebhard, Raimund Lietzau, Rudi Kern, Jürgen Schieck, Rainer Götter, Erwin Rupp, Artur Wirth, Gerd Störzer (79. Klaus Kaltwasser), Rudi Welz (87. Volandt), Fritz Breunig, Hannes Autz.Hamburger SV: Rudi Kargus, Caspar Memering, Peter Krobbach, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Ole Björnmose, Kurt Eigl (46. Horst Bertl), Uwe Mackensen, Hans-Jürgen Sperlich, Willi Reimann, Georg Volkert.Tore: 1:0 (60.) Störzer, 2:0 (70.) Störzer, 2:1 Bertl (79.).Schiedsrichter: Theo Antz (Wahlen). Zuschauer: 15 000.
VfB Eppingen schlägt den HSV: Die Sensation wird 50 Jahre alt
Am 26. Oktober 1974 bezwingen die Amateure des VfB Eppingen die Profis des Hamburger SV im DFB-Pokal mit 2:1 – dann startete die Party.
Die Erinnerung an diesen 26. Oktober 1974 ist noch lebendig – vielleicht nicht so frisch, als wäre es gestern gewesen, aber auch nicht so verblasst, als ob es ein halbes Jahrhundert her wäre. Damals, an diesem Samstag vor genau 50 Jahren, bezwang der VfB Eppingen in der zweiten Runde des DFB-Pokals den Hamburger SV mit 2:1 (0:0).
Genau gegen die Mannschaft aus der Hansestadt, die drei Tage zuvor im Hinspiel der zweiten Runde des Uefa-Pokals Steagrul Rosu Brasov noch mit 8:0 abgefertigt hatte und aktueller Bundesliga-Tabellenführer war. Dass ein Amateurteam, das zweimal in der Woche trainiert, gegen Profis gewinnt, hatte es nie zuvor im deutschen Fußball gegeben. Bis heute gilt der Eppinger Erfolg als die Mutter aller Pokalsensationen.

VfB-Verteidiger Raimund Lietzau kann den Tag noch genau rekonstruieren. „Ich bin morgens mit dem Fahrrad von Angelbachtal ins Kraichgau-Stadion gefahren, um zu schauen, wie tief der Platz ist, es hatte den ganzen Vormittag geregnet. Dann bin ich wieder mit dem Fahrrad zurück nach Hause“, berichtet der 75-Jährige. Mittagessen, etwas ausruhen, dann wieder zurück auf den Fußballplatz.
Pokalsensation gegen den HSV: 0:0 zur Pause macht Eppingern Mut
„Die Hamburger haben locker angefangen und uns etwas unterschätzt. Dass wir in die Halbzeitpause mit einem 0:0 gegangen sind, war eine große Motivation. Da haben wir gedacht, heute haben wir eine Chance. Das hat uns so beflügelt“, berichtet Lietzau. „Dann kam Gerd Störzer mit zwei Sololäufen – und wir liegen mit 2:0 vorne.“
Und der damalige VfB-Libero Ewald Pahr, der aufgrund von Personalengpässen die Partie 90 Minuten als Ersatztorwart von der Bank verfolgen musste, ergänzt: „Störzer hat seine Tore immer mit seinem linken Fuß gemacht. Gegen den HSV ist er aber links gelaufen und hat sie mit rechts gemacht.“
Das sei außergewöhnlich gewesen. Denn der ehemalige Profi der Spvgg Unterhaching, dessen Spitzname „Kaffee“ war, habe in seiner Karriere vielleicht fünf Tore mit rechts erzielt, sind sich seine ehemaligen Mannschaftskameraden Pahr und Lietzau einig.
Zweites Tor für Eppingen gegen den HSV: "Da war die Hölle los"
Vor allem das erste Tor des Stürmers aus Neckarbischofsheim „hat mir eine Gänsehaut verpasst“, erinnert sich Lietzau. „Ich habe den Georg Volkert bearbeitet, der ist kein einziges Mal an mir vorbeigekommen.“ Überhaupt „wollte gegen uns niemand spielen. Wir waren Bären in der Verteidigung“, sagt der Angelbachtaler. Es hätte aber auch viel Talent im Team gegeben – egal, ob Erwin Rupp, Gerd Störzer oder Rudi Welz als Rechtsverteidiger.
Und dann erzielte Störzer das zweite Tor. „Da war die Hölle los“, erklärt Pahr. Dann hat HSV-Trainer Kuno Klötzer angefangen auszuwechseln. Unter anderem brachte er Stürmer Horst Bertl. „Ihn wollten die Hamburger eigentlich für die Bundesliga schonen“, erinnert sich der 80-jährige Sulzfelder. „Auch Klaus Zaczyk wurde geschont. Er war gar nicht mit nach Eppingen gekommen.“
Trotz Pokalsiegs gegen den HSV: Eppingen-Spieler sind bodenständig geblieben
Abgehoben hat aber keiner der Eppinger Spieler nach der Pokalsensation. „Mein Chef damals war ganz erstaunt, dass ich am Montagmorgen am Schreibtisch saß. Dass war halt unsere Erziehung. Jeder ist am Montag ins Geschäft gegangen – egal, ob man am Samstag ein Riesenspiel hatte“, erzählt Lietzau. „Am Montagabend ist man aber wieder nach Eppingen gefahren, weil die Feierei weitergegangen ist. Am Dienstag ging es dann trotzdem wieder ins Geschäft und abends dann wieder ins Training.“ Und Pahr ergänzt: „Alle sind normal geblieben. Keiner war dabei, der über die Stränge geschlagen hat.“
Der Erfolg hat zusammengeschweißt. „Es hat einfach gepasst. Jeder hatte vor dem anderen eine gewisse Hochachtung. Alle haben sich in einem großen Boot gefühlt“, berichtet Lietzau. Wenn man sich in der Folge getroffen hat, gab es nie Neid. „Jeder hat sich gefreut, dass man sich mal wiedersieht“, erklärt der 75-Jährige. Und Pahr ergänzt: „Die Gruppe ist immer weiter zusammengewachsen – vor allem, als dann die Kinder dazugekommen sind.“
Konkurrenten haben die Pokalhelden aus Eppingen gelockt
Denn lange blieben die 1974er HSV-Bezwinger nicht als Mannschaft zusammen. Die Erfolge weckten Begehrlichkeiten bei den Konkurrenten aus Sandhausen, Mannheim und Pforzheim. „Sie haben an uns Spielern gegraben“, sagt Lietzau. Störzer wechselte bereits im Sommer 1976 zum SV Sandhausen. Ihm folgten Rudi Kern und Erwin Rupp sowie 1978 auch Lietzau.

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