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Der neue Präsident der TSG Hoffenheim besteht auch den Elchtest

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Kristian Baumgärtner ist der einzige Kandidat, wenn die TSG am Samstag ihren neuen Vereinschef kürt. Sein letztes Spiel für Hoffenheim bestritt der 52-Jährige 2001 gegen den VfR Heilbronn.

Kristian Baumgärtner auf dem Rasen des Dietmar-Hopp-Stadions in Hoffenheim, wo er schon selbst als Spieler aktiv war.
Foto: Philip Achenbach
Kristian Baumgärtner auf dem Rasen des Dietmar-Hopp-Stadions in Hoffenheim, wo er schon selbst als Spieler aktiv war. Foto: Philip Achenbach  Foto: Philip Achenbach

Am Eingang zu den Büros im Dietmar-Hopp-Stadion steht ein riesiger Elch. Hoffi heißt er und ist seit vielen Jahren das Maskottchen der TSG Hoffenheim. Ein Elch im Kraichgau? Warum?

Kristian Baumgärtner erklärt, warum das so ist - und zeigt damit, wie lange seine Verbindung zum Kraichgauclub schon andauert. Am Samstag (11 Uhr) ist der 52-Jährige einziger Kandidat, wenn die Mitglieder der TSG Hoffenheim bei der nachzuholenden Mitgliederversammlung für 2020 einen neuen Vereinspräsidenten für die nächsten drei Jahre wählen.

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass "Baum" im Verbands- und Oberligateam der TSG Hoffenheim Tore schoss. Im Winter ging es Ende der neunziger Jahre stets zum Teambuilding nach Ischgl. Im Stadl hing beim Après-Ski ein Stofftier von der Decke. "Etwas mit Geweih", erinnert sich Baumgärtner, es könnte auch ein Hirsch gewesen sein. Ein Maskottchen für die TSG sollte her, das an die lustigen Zeiten im Stadl erinnert.

Nach einer Zuschauerbefragung wurde aus Anton "Hoffi"

Ein Baumgärtner-Freund arbeitete bei Mercedes. Jeder Käufer einer A-Klasse erhielt damals einen Elch dazu, in Anlehnung an den verpatzten Elchtest (Fahrstabilität von Autos). Der TSG-Elch bekam einen Namen, ein blaues Trikot und einen Platz auf der Bank. Als die Bundesliga immer näher rückte, wurde nach einer Zuschauerbefragung aus Anton "Hoffi" - und ohne Elchtest hätte die TSG wohl ein anderes tierisches Maskottchen.

Papa "Hoffi", der Name passt ganz gut für Kristian Baumgärtner. Schließlich arbeitet der Mann aus Wiesloch seit zehn Jahren im Fanwesen, er leitet den "Hoffeexpress", ist in der Kinderwelt der TSG aktiv, in der "Hoffi" eine wichtige Rolle spielt. "Ich kenne jeden Mitarbeiter, der Busfahrer hat uns schon früher als Spieler gefahren", sagt er.

Der künftige Präsident ist Angestellter der Spielbetriebs-GmbH

Baumgärtner ist Angestellter der Spielbetriebs-GmbH und künftig Präsident beim eingetragenen Verein. Ein Konstrukt, das so auch nur bei der TSG Hoffenheim möglich ist, wo 96 Prozent der Anteile an der Spielbetriebs-GmbH Dietmar Hopp gehören. Woanders würden die Fans protestieren, im Kraichgau nicht. "Wir sind eine TSG", sagt er über das Zusammenspiel mit den drei Geschäftsführern.

Als Präsident rückt Baumgärtner in beratender Funktion in den Beirat auf, zudem wird er sich wie schon bisher mit "Global United" bei Hilfsprojekten im südlichen Afrika engagieren. Eine Wahl mit nur einem Kandidaten, ist das nicht wie ein Fußballspiel ohne Gegner? Baumgärtner sagt: "Es spricht für das Vertrauen gegenüber diesem Team."

Stefanie Kunzelnick und Frank Engelhardt gehören zum Team

Dazu gehören noch Stefanie Kunzelnick (36), die künftig als 2. Vorsitzende fungieren soll. Die neue Dreierband ergänzt fortan Frank Engelhardt (52). "Wir wollen immer ein offenes Ohr für alle Mitglieder haben", sagt Baumgärtner über die 10 275 TSG-Mitglieder. Profis, U 23, die Jugend, sie alle sind längst ausgegliedert. Auch die Frauen, die nächste Woche erstmals in der Champions League spielen, sind fast schon zu groß für den eingetragenen Verein. Das könnte irgendwann auf der Agenda stehen, aber noch nicht an diesem Samstag bei der Mitgliederversammlung auf der Gegentribüne der Sinsheimer Arena.

Nach 20 Jahren erfolgt dort die Beförderung vom Co-Trainer zum Chef, nach 20 Jahren als 2. Vorsitzender. "Das Amt bringt mehr Verantwortung mit sich, aber man hat ja viel vom Chef mitgenommen", sagt Baumgärtner und lacht. Den Chef, den verstorbenen Peter Hofmann, vermisst er sehr. Als Freund und TSG-Präsident. Bei der Trauerfeier vor etwa einem Jahr fragte ihn Gesellschafter Dietmar Hopp, ob er sich die Nachfolge vorstellen könne: "Ich habe nicht lange überlegt", sagt Baumgärtner, der sein letztes Spiel als Fußballer beim Regionalliga-Aufstieg der TSG Hoffenheim im Jahr 2001 bestritt, beim 3:0-Sieg über den VfR in Heilbronn.

"Am Samstag werde ich nervöser sein als damals, aber Anspannung musste bei mir immer da sein", sagt Baumgärtner. Vielleicht hilft es ja bei der Wahlrede, von Ischgl, Anton und dem Elchtest zu erzählen.

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