Stimme+
Fußball
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Wie es ist, als einzige Frau in einem Fußball-Männerteam zu spielen

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Jessica Bauer spielt mit ihrem Bruder Dennis beim SV Rohrbach/S. II in der Kreisklasse B 2 Sinsheim. Damit ist die 25-Jährige eine absolute Ausnahme.

Kaum zu halten, schwer zu bremsen: Jessica Bauer (Mitte) sorgt für ein Novum, denn sie spielt mit ihrem Bruder beim SV Rohrbach/S. in einer Mannschaft.
Foto: privat
Kaum zu halten, schwer zu bremsen: Jessica Bauer (Mitte) sorgt für ein Novum, denn sie spielt mit ihrem Bruder beim SV Rohrbach/S. in einer Mannschaft. Foto: privat  Foto: priavt

Um als einzige Frau mit Männern Fußball zu spielen, muss man tough sein. "Du kannst nicht als Püppchen bei den Männern ankommen," sagt Jessica Bauer. Ein Püppchen ist die 25-Jährige auch nicht: Abteilungsleiterin eines Maschinenbauunternehmens - und nun auch Spielerin in einer Männermannschaft. Seit zweieinhalb Monaten kickt Jessica Bauer bei den Aktiven des SV Rohrbach/S. II in der Kreisklasse B 2 Sinsheim, in der auch ihr Bruder Dennis spielt.

Ein Novum für den Verein

Für den Verein ein Novum, für Jessica Bauer ein logischer Schritt. "Ich bin so groß geworden", sagt sie. Seit sie vier Jahre alt war, spielt sie mit ihrem Bruder in einer gemischten Mannschaft. Ihr Vater war damals der Trainer. Von Frauenfußball sei sie ohnehin kein Fan. "Wenn ich die Chance hatte, mit Männern zu spielen, habe ich das bevorzugt."

Bauers Fall zeigt, dass die Leidenschaft für Fußball keine Geschlechtergrenzen kennt. Dabei war das Ganze zunächst als Scherz gemeint. Viele ihrer Mannschaftskollegen sind Freunde, darum komme sie ohnehin zu jeder Begegnung. Zum Spaß habe der Trainer sie gefragt, ob sie nicht mitspielen wolle. "Ich kam dann einfach und sagte ,Hier bin ich"", sagt Bauer. "Ob ich neben oder auf dem Platz stehe, macht für mich keinen Unterschied."

Bei den Frauen hat Jessica Bauer die Dynamik gefehlt

Bis zur B-Jugend durfte Jessica Bauer mit den Jungs kicken, danach brauchte sie eine Sondergenehmigung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die bekam sie: So kickte sie von 2010 an beim SV Rohrbach und in der Mädchenmannschaft der TSG Hoffenheim. Bauer: "Montag, Mittwoch, Freitag bei den Jungs und Donnerstag bei den Mädels. Samstagmorgens habe ich bei den Jungs gespielt, abends bei den Mädels. Also ich war immer auf dem Sportplatz."

Doch das Training in der Frauenmannschaft machte ihr keinen Spaß. "Ich habe gemerkt, da ist nicht so die Dynamik drin, der Körpereinsatz ist anders", sagt Bauer. Im Männerfußball würden die Spieler mehr gefordert. Auch die Taktik sei anders.

"Wenn du das Niveau der Jungs gewohnt bist, war das für mich schon eine Umstellung," sagt Bauer: "Wie Frauen halt sind – die reden viel. Beim Training hat manchmal die Ernsthaftigkeit gefehlt oder die Spritzigkeit, nochmal einen Sprint durchzuziehen."

Bruder Dennis Bauer ist weiterhin skeptisch

Jessica Bauer zusammen mit ihrem Bruder Dennis. Seit ihrer Kindheit spielt sie lieber mit Jungs Fußball, sagt die 25-Jährige.
Foto: Theresa Heil
Jessica Bauer zusammen mit ihrem Bruder Dennis. Seit ihrer Kindheit spielt sie lieber mit Jungs Fußball, sagt die 25-Jährige. Foto: Theresa Heil  Foto: Theresa Heil

Für ihren Bruder Dennis Bauer ist es noch ungewohnt, dass seine Schwester und er in einer Mannschaft auflaufen. "Ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommen würde", sagt der 24-Jährige.

Trotzdem hält er die Entwicklung für eine "coole Sache". So ganz scheint er seine Skepsis aber nicht abgelegt zu haben. "Es ist allgemein komisch, mit Frauen zu spielen, wenn ich ehrlich bin, weil man das einfach noch nie gemacht hat - außer als man kleiner war." Technisch halte sie zwar sehr gut mit, trotzdem sei er kein Fan, dass sich die Mannschaften künftig mehr durchmischen. "Wie es davor war, war es gut. Männersport ist Männersport, Frauensport ist Frauensport."

Ein Mann gehe bei einer Frau nicht auf gleiche Art in den Zweikampf. Er merke, dass die Gegner mehr Rücksicht auf seine Schwester nehmen. Einzelfälle wie dieser seien okay, aber es solle in seinen Augen nicht "in Mode kommen".

Krafttraining im Fitnessstudio

Was seine Schwester davon hält? "Wäre ich jetzt grottenschlecht, würde er schon sagen, Jessi überleg"s dir noch mal," sagt Bauer. Um körperlich mitzuhalten, geht sie joggen und ins Fitnessstudio, um Kraft aufzubauen. Sie hat mit ihrem Bruder zusammen bereits auf einer zentralen Position gespielt, weiß sich in der Männermannschaft problemlos zu behaupten. Die Teamkameraden hätten sie akzeptiert. "Der Support von den Jungs ist so groß", sagt Jessica Bauer. Aber sie weiß auch, dass man der Typ dafür sein muss.

Ob es ihr andere Frauen nachtun, ist ihr nicht so wichtig. Hauptsache, sie kann Fußball spielen.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben