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Abschiedsvorstellung missfällt dem Trainer des VfB Eppingen bis zur Pause

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Beim 3:1 gegen Neckarelz kommt Verbandsligist VfB Eppingen im letzten Heimspiel von David Pfeiffer erst nach der Pause auf Temperatur. Zuvor war die Liste der Mängel lang.

Schönes Statement: Nach dem 2:1 durch Julius Reinbold (Nummer 9) liefen die VfB-Spieler zur Bank und feierten den Treffer mit Trainer David Pfeiffer (Mitte), der sein Team zuvor in der Halbzeitpause noch angezählt hatte.
Foto: Klaus Krüger
Schönes Statement: Nach dem 2:1 durch Julius Reinbold (Nummer 9) liefen die VfB-Spieler zur Bank und feierten den Treffer mit Trainer David Pfeiffer (Mitte), der sein Team zuvor in der Halbzeitpause noch angezählt hatte. Foto: Klaus Krüger  Foto: Krüger, Klaus

Nein, Fußball ist kein Kindergeburtstag. In der Verbandsliga schon gleich gar nicht. Daher gab es die Abschiedstüten beim VfB Eppingen am Samstag auch nicht nach der Party, sondern davor. In diesem Fall vor dem Anpfiff zum letzten Heimspiel der Runde. Neben fünf verdienter Kickern, darunter Urgestein Stefan Beierle, sowie Co-Trainer Serdar Can stattete der Verbandsligist Trainer David Pfeiffer, der die Kraichgauer nach fünf Jahren verlässt, mit einer Geschenktüte aus. "Ich habe gar nicht reingeguckt", gestand David Pfeiffer später.

Ihn interessierte vielmehr, ob in seinem vorletzten Spiel für den VfB noch drei Punkte in die Tüte kamen. Entsprechend lag sein Fokus einzig auf dem Spiel gegen die Spielvereinigung Neckarelz. Da es für den Gegner noch um den Abstieg ging, wartete auf den VfB alles andere als ein Kindergeburtstag.

Die Mängelliste des VfB ist in der ersten Halbzeit lang, das wurmt den Trainer sehr

Und obwohl Eppingen das Spiel am Ende mit 3:1 gewann, 59 Punkte auf dem Konto hat und sogar noch Tabellendritter werden kann, stand Pfeiffer lange nicht der Sinn nach dem für später geplanten Saison-Abschlussfest. "Die erste Halbzeit hat mich sehr gewurmt, mit so einer Leistung hätte ich mich ungern verabschiedet", sagte der Trainer, der sich während der ersten 45 Minuten fleißig Notizen in sein Tablet machte.

Überhaupt keine Laufbereitschaft, kein Nachrücken, keine Überzahl in Ballnähe, bei Ballverlusten zu offen, wenig Lust auf Zweikämpfe: Die Mängelliste bei den Eppingern war lang. "Es war eine zähe Geschichte", sagte der Trainer. Dennoch war sein Team früh durch den Treffer von Julius Reinbold nach Hereingabe von Kapitän Alex Rudenko in Führung gegangen (9.). Zwar hatte Eppingen auch danach mehr vom Spiel, jedoch hatte Pfeiffer recht: Es war zäh. Neckarelz glich bei einem seiner Vorstöße durch Ibrahim Ilkin per Kopf aus (37.).

Pfeiffers Halbzeit-Worte fallen auf fruchtbaren Boden

Und wäre Ilkin frei vor VfB-Keeper Leob Dobler, der den Verein verlässt, nicht auf den Ball getreten, er hätte wohl das 1:2 erzielt. Das hätte Pfeiffer noch weniger gefallen.

Laut sei er in der Pause seines letzten Heimspiels in Eppingen zwar nicht geworden, "aber ich habe die Dinge schon klar und deutlich angesprochen". Die Botschaft drang zum Team durch. Auf der Liste verbucht waren am Ende Spielfreude, schöne Tore - und nichts mehr zugelassen. Das 2:1 war eine Kopie des 1:0, mit dem Unterschied, dass Alex Rudenko den Ball nun von der rechten Seite flach in die Mitte brachte, wo Julius Reinbold lauerte.

Reinbold gelingen zwei Treffer, Alex Rudenko drei Torvorlagen

Es war Saisontor Nummer 17 des Stürmers, der zum CfR Pforzheim in die Oberliga wechselt. "Vor dem Spiel hat er einen Hattrick angekündigt", ließ Jan-Hendrik Hoyer wissen. "Aber nur zum Spaß", sagte Reinbold, der "schöne Jahre hier" in Eppingen verbracht hat. Einen Hattrick der anderen Art gab es trotzdem zu feiern: Alex Rudenko bereitete auch das 3:1 vor, das Serhat Ayvaz mit einem Schlenzer in die lange Ecke besorgte (75.). "Alex war überragend", lobte Pfeiffer, der froh über die zweite Halbzeit war.

Im Abschiedsmodus befand sich der Trainer aber auch nach Schlusspfiff noch nicht. "Ich hatte noch gehofft, dass Zuzenhausen was gegen Spielberg reißt." In dem Fall wäre es am letzten Spieltag für den VfB doch noch um Platz zwei gegangen. Platz drei ist aber noch möglich. "Das ist jetzt unser Ziel", sagt Pfeiffer. In seine Tüte guckt er dann später.

VfB Eppingen: Dobler - Kradija, Elshanaj, Hofmann, Felk (46. Sautter) - Ayvaz, Durmus, Wiczynski (85. Rauh) - Rudenko, Reinbold (83. Heckmann), Hoyer (62. Nyassi). Tore: 1:0 (9.) Reinbold, 1:1 (37.) Ilkin, 2:1 (56.) Reinbold, 3:1 (75.) Ayvaz. Schiedsrichter: Kevin Solert. Zuschauer: 200.


Die offenen Baustellen des Sportlichen Leiters

Während die Eppinger Kicker langsam an Urlaub denken dürfen, hat Oliver Späth in nächster Zeit viel Arbeit vor sich. "Der Kader für die neue Saison ist noch nicht ganz so, wie er sein soll", sagt der Sportliche Leiter des VfB. Zumal sich zwei neue Baustellen aufgetan haben: Co-Trainer Serhat Can und Torwarttrainer Kai Sauer stehen in der nächsten Runde nicht mehr wie ursprünglich geplant zur Verfügung.

Beide hatten ihre Zusagen schon gegeben - aber unter der Voraussetzung, dass auch David Pfeiffer in Eppingen bleibt. Nach dessen Abgang in Richtung Backnang habe sich die Situation verändert. Can hatte Hoffnungen, Nachfolger von Pfeiffer zu werden. "Ich hätte das sehr gern gemacht, das sind coole Jungs", sagt er über das Team. Dass sich die Verantwortlichen anders entschieden, sei legitim. Und das respektiere er, sagt Can, der andere Wege gehen wird. Cans Nachfolger will Späth in Ruhe suchen. "Es hat schon Gespräche gegeben", verrät er. Manuel Hecker, der zusammen mit dem neuen VfB-Trainer Christian Schweinfurth den VfL Mühlbach trainiert, wird es aber nicht werden. "Er hat in Mühlbach zugesagt, dann lassen wir auch die Finger davon", sagt Späth, der bald alles ins Lot bringen will.

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