Mamma mia! Italiens Fußball-Krise begann 2006

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Zum dritten Mal in Folge verpasst der viermalige Weltmeister Italien die Qualifikation für eine Fußball-Weltmeisterschaft, nachdem er 2010 und 2014 bereits in der Vorrunde ausgeschieden war. Ausgerechnet das Titel-Jahr 2006 wird zum negativen Wendepunkt. 

Trauer, Enttäuschung, Fassungslosigkeit: Gianluca Mancini, Riccardo Calafiori, Francesco Esposito, Bryan Cristante und Marco Palestra (von links) haben mit Italiens Nationalmannschaft erneut die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft verpasst.
Trauer, Enttäuschung, Fassungslosigkeit: Gianluca Mancini, Riccardo Calafiori, Francesco Esposito, Bryan Cristante und Marco Palestra (von links) haben mit Italiens Nationalmannschaft erneut die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft verpasst.  Foto: Armin Durgut

Wieder nichts. Selbst bei der auf 48 Mannschaften aufgestockten Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist im Sommer kein Platz für Italien. Der viermalige Weltmeister scheiterte am späten Dienstagabend in Zenica im Elfmeterschießen an Bosnien-Herzegowina. Zum dritten Mal. In Folge!

Die große Fußballnation, über Jahrzehnte gefürchtet für bedingungslosen Catenaccio und erfolgreichen Ergebnisfußball, hat letzteres in den vergangenen Jahren verlernt. Welche Ausmaße das erneute Scheitern hat, zeigt sich beim Blick zurück. Das bislang letzte Tor Italiens in einer WM-K.o.-Phase köpfte Marco Materazzi 2006 im Finale von Berlin. In Italiens bislang letztem WM-Spiel überhaupt biss Luis Suárez Giorgio Chiellini 2014 in die Schulter. 2010 und 2014 war jeweils in der Vorrunde Schluss, 2018, 2022 und 2026 dann bereits in der Qualifikation.

2030, vor der übernächsten Weltmeisterschaft, wird es daher 16 Jahre her sein, dass die Azzurri WM-Luft geschnuppert haben. All das fühlt sich nicht nur so an, es ist tatsächlich auch eine fußballerische Ewigkeit. Ein heute zwölfjähriges Kind hat zweimal Panama, aber noch nie Italien bei einer WM gesehen.

Calciopoli und seine Folgen werden zum Auslöser des Absturzes

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig, gehen aber im Kern zurück auf den Calciopoli-Skandal im Vorfeld der WM 2006, bei dem Juventus-Manager Luciano Moggi mit Hilfe mafiöser Strukturen im großen Stil Spiele und Schiedsrichter in der Serie A manipuliert hatte. Von dem daraus resultierenden Zwangsabstieg der Turiner und dem zeitgleichen Niedergang der AC Mailand, die 2007 in der Champions League ihren bislang letzten großen Erfolg feierte, hat sich das einstige Sehnsuchtsziel Serie A nie wirklich erholt.

Beim bislang letzten Champions-League-Triumph einer italienischen Mannschaft stand 2010 in Madrid kein einziger Italiener in der Startelf Inter Mailands. Juventus (2015, 2017) und die Interisti selbst (2023, 2025) waren bei ihren nachfolgenden verlorenen Endspielen jeweils ohne Chance.

Baggios Konzeptideen finden kaum Beachtung

Darüber hinaus landete das 900-seitige Fußball- und Nachwuchskonzept, dass Ex-Star-Spieler Roberto Baggio nach dem Vorrunden-Aus 2010 als Technischer Direktor für den italienischen Fußballverband FiGC entwickelt hatte, mehr oder weniger ungelesen im Papierkorb. Moderne Strukturen, Technik und Kreativität statt Taktik und Physis, Nachwuchsleistungszentren sowie feste Quoten für italienische Spieler in Erstliga-Kadern – all das wurde ignoriert.

Angesichts jeder weiteren verpassten WM fällt es schwerer zu erklären, wie es die Auswahl unter Trainer Roberto Mancini bei der Covid-EM 2021 zum Titelgewinn und einer 37 Spiele andauernden Serie ohne Niederlage geschafft hat, nur um danach wieder in die fußballerische Tristesse abzutauchen.

Selbst Genaro Gattuso und Gianluigi Buffon scheitern

Nun haben es selbst Genaro Gattuso und Gianluigi Buffon, zwei Heroen vergangener Tage, als Trainer nicht vermocht, die Squadra Azzurra zur WM zu führen. Mitleid ist bekanntlich die höchste Form der Verachtung, doch zumindest ein wenig Mitgefühl darf der zuletzt ebenfalls durchaus leidgeprüfte deutsche Fußball-Fan durchaus haben – trotz all der schmerzhaften WM-Abende, die die Italiener dem DFB-Team 2006 in Dortmund, 1982 in Madrid oder 1970 in Ciudad de México beschert haben. Ohne Italien fehlt einfach etwas.

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