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Ilzers cleverer Schachzug, um Sportchef Schicker in Hoffenheim zu stärken 

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Christian Ilzer lässt seine Trainerzukunft bei der TSG Hoffenheim offen, weil er abwartet, was am Montagabend bei der Gesellschafterversammlung passiert. 

Christian Ilzer als lautstarker Antreiber der TSG Hoffenheim: Ob es das auch bei einer Demission seines Vorgesetzten gibt, lässt der Trainer offen.
Christian Ilzer als lautstarker Antreiber der TSG Hoffenheim: Ob es das auch bei einer Demission seines Vorgesetzten gibt, lässt der Trainer offen.  Foto: Uwe Anspach

Am Samstagabend, nach dem 3:1 gegen Union Berlin und dem Sprung auf Rang drei, hatte Christian Ilzer noch seine Wunschschlagzeile fürs Spitzenspiel beim FC Bayern an diesem Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) entworfen. Etwas in der Art „bodenständig, kleiner Verein, der es wagt groß zu träumen“, schwebte dem Trainer der TSG Hoffenheim in kleiner Runde mit den Medienvertretern vor. Es ist zu viel passiert in dieser Woche, um dem Wunsch des 48-Jährigen zu entsprechen. Als Hoffenheimer Turbulenzen, Staffel 3, Folge 35 hat die „Süddeutsche“ das erneute Führungsbeben beim Kraichgauclub umschrieben.

Das Gegeneinander überlagert das Miteinander bei der TSG Hoffenheim 

Im „House of Hoffe“ dominiert das intrigante Gegeneinander, überlagert das sportlich erfolgreiche Miteinander. Dabei geht es nicht so sehr um den Abgang von Marketing-Geschäftsführer Tim Jost, sondern um den Versuch, auch den einzig verbliebenen Geschäftsführer Andreas Schicker aus dem Amt zu bekommen. Auf einer Gesellschafterversammlung soll am Montagabend über die Demission von Schicker befunden werden, die Interimspräsident Christoph Henssler (29) als Vertreter des e.V. und Mehrheitsgesellschafters vorantreibt und mit einem Datenschutzverstoß des Sportchefs begründet. Eine Herabstufung zum Sportdirektor steht im Raum, eine die Schicker nie und nimmer akzeptieren dürfte. Henssler scheint es vier Wochen vor der Wahl eines neuen Präsidenten einmal mehr darum zu gehen, die Gegenposition zu Mäzen Dietmar Hopp einzunehmen.

Als dieser im Herbst Schicker für eine Ablösesumme gen Wolfsburg ziehen lassen wollte, da war Henssler noch pro Schicker, nun will der einstige Ultra Henssler den Bessermacher Schicker plötzlich loswerden. Wenn Schicker abgesägt werden sollte am Montag, was macht dann Kompagnon und Freund Ilzer? Wirft der Erfolgstrainer dann hin? „Das kann sein, ich kann nichts ausschließen. Das hängt von vielen anderen Faktoren ab, die werde ich aber hier nicht besprechen“, sagte Christian Ilzer am Freitagnachmittag bei der Spieltags-Pressekonferenz und erhöht durchs Verknüpfen der eigenen Zukunft mit der seines Vorgesetzten den Druck auf den Interimspräsidenten Henssler.

„Ich hoffe nicht, dass wir unseren erfolgreichen Weg an der Heimatfront kaputtmachen.“ Diese Hoffnung haben auch zahlreiche Unterzeichner eines offenen Briefs pro Schicker zum Ausdruck gebracht, den viele Fans, Partner und Sponsoren unterzeichnet haben. Den Sportchef wird es freuen.Am vergangenen Samstag noch hatte dieser gewitzelt, dass er „heuer mit einem viel besseren Gefühl nach München fahre als im letzten Jahr.“ Da steckte die TSG tief im sportlichen Schlamassel, kassierte ein 0:5. Nun läuft es sportlich besser denn je – und die TSG 1899 ist trotzdem mittendrin im nächsten Schlamassel. Schicker selbst sagt nichts zu seiner Situation und seiner persönlichen Stimmungslage. Nur das hier: „Am Sonntag steht ein Spitzenspiel an. Darauf liegt mein Fokus.“

Ilzer blumiger Vergleich: Mit dem Buttermesser zu einer Schießerei 

Die Gräben in Zuzenhausen und Hoffenheim sind so tief, dass bei Trainer Christian Ilzer Kriegsvokabular her muss. Das Erwähnen der Heimatfront war nicht die einzige Stelle, an der Ilzer am Freitag als Freund blumiger Sprache und Metaphern, martialisch wurde. „Wir mischen in einer Tabellenregion mit, wo ich immer sage: Wir sind Teil einer Schießerei und mit einem Buttermesser bewaffnet“, bewertet Ilzer die Ausgangslage vorm Duell des Tabellendritten beim Spitzenreiter, für ihn ein „David-gegen-Goliath-Duell“.

Die Herangehensweise für den Sonntag ist klar: „Wenn es außen herum laut und unruhig wird, ist es wichtig für uns, im inneren Kreis sehr ruhig zu bleiben und einen ruhigen, fokussierten Kopf zu behalten.“ Und auf dem Spielfeld soll dann mutiger TSG-Fußball für Erfolg und Ablenkung von all den Schlagzeilen zum Drumherum sorgen. 

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