Die hungrigen Kilometerfresser von Hoffenheim
Der Hoffenheimer Erfolgslauf geht auch beim verdienten 1:0 gegen Bayer Leverkusen weiter. Das sind die Gründe für den sechsten Heimsieg in Serie.

Als vor Spielbeginn am Samstagnachmittag Pavel Kaderabek nach zehn Jahren bei der TSG Hoffenheim verabschiedet wurde, da flimmerte ein kleines Filmchen über die Sinsheimer Arena-Leinwände. Es zeigte den Tschechen, wie er am 12. Mai 2018 seine TSG mit einem Tor gegen Borussia Dortmund in die Champions League schoss. „Das war der schönste Tag in meiner Karriere“, sagt der 33-Jährige, der im Sommer zum Heimatverein Sparta Prag zurückkehrte und nun als Glücksbringer fungiert hat.
Seine Nachfolger und ehemaligen Teamkameraden sind am Samstag der nächsten Champions-League-Qualifikation einen weiteren großen Schritt nähergekommen. Durch das verdiente 1:0 (1:0) gegen Bayer Leverkusen hat das Überraschungsteam der Saison den sechsten Heimsieg in Serie geholt und den Platz in den Top Vier zementiert. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht zu Unrecht so weit oben stehen“, sagte Trainer Christian Ilzer nach dem Erfolg gegen einen direkten Europa-Konkurrenten.
Hoffenheim hat jetzt schon mehr Punkte als in der gesamten Vorsaison
33 Zähler nach 17 Spielen haben die Kraichgauer bereits gesammelt. Übrigens sieben mehr als 2017/18 unter Julian Nagelsmann zu diesem Zeitpunkt, als man am Ende (Kaderabek sei Dank) Dritter wurde. Zum Vergleich: In der gesamten (!) vergangenen Spielzeit holten die Hoffenheimer in 34 Bundesligaspielen lediglich 32 Punkte. Da reift etwas Großes heran im Kraichgau, was an der Vielseitigkeit des Jahrgangs 2025/26 liegt. Aggressiv-giftig erkämpften Ilzers Mannen vor Weihnachten ein 0:0 in Stuttgart. Spielerisch glanzvoll (5:1 gegen Borussia Mönchengladbach) begann 2026. Beim 1:0 gegen Leverkusen kombinierten die Kraichgauer das Beste aus beiden Stilarten, also Pressing mit leidenschaftlicher Intensität, intensiver Abwehrarbeit. Von „harter Arbeit“ sprach deshalb auch Andrej Kramaric hinterher. Das geht nur mit ganz, ganz viel Laufarbeit.
Die Hoffenheimer laufen und laufen und laufen
Der Duracell-Hase unter all den Kraichgauer Kilometerfressern heißt Wouter Burger, der 13,3 Kilometer zurücklegte. Alle TSG-Spieler zusammen kamen auf knapp 130 Kilometer, nach 125 am Mittwoch. Wesentlich mehr als noch unter Ilzers Vorgänger Pellegrino Matarazzo.
Apropos Laufarbeit: In der ersten Halbserie unter Chris Ilzer lief die TSG oft einem 0:1-Rückstand hinterher. Den steten Begleiter „frühes Gegentor“ haben sie mittlerweile abgeschüttelt, treffen nun wie am Samstag einfach selbst früh. „Wir haben schon mal überlegt, für ein Führungstor Prämien zu zahlen“, sagte Christian Ilzer am Samstag.Wie trainiert Wouter Burger hätte sich die Sonderprämie gewiss verdient für sein sehenswertes Freistoß-1:0 in der 9. Spielminute, als alle mit einer Flanke rechneten, der Ball sich aber in schönem Bogen über Leverkusens Torwart Mark Flekken senkte. Wouter Burger verriet, dass er bei der morgendlichen Aktivierungseinheit im Trainingszentrum in Zuzenhausen sein Kunstwerk genauso trainiert hatte. „Am Mittag war es schöner“, sagte Burger und lachte. Für den Sommer-Neuzugang aus der zweiten englischen Liga war es bereits die zehnte Torbeteiligung in dieser Saison. Eine Prämie gab es dann doch. Aber für alle, nämlich einen trainingsfreien Sonntag zum bereits feststehenden freien Montag. Trotz der Spielabsage in Bremen hatten die Hoffenheimer durchtrainiert. Deshalb sei aus dem Team ein leichtes Murren zu hören gewesen, erzählte der Trainer. „Immer darf man die Spieler nicht entscheiden lassen“, sagte Ilzer am Samstagabend und grinste.
Auch an der Torwand gewinnt Ilzer mit 1:0
Für den Österreicher ging es im Anschluss übrigens direkt nach Mainz ins ZDF-Sportstudio. Die größte Herausforderung dabei? Die Torwand. Schließlich hat Ilzer vier Kreuzbandrisse hinter sich. „Ich schieß einfach und schau, dass mir die Knie nicht rausfliegen“, kündige er vor dem Gang an die Torwand an. Am Ende stand für Ilzer der zweite 1:0-Sieg des Tages.
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