Die Fußball-EM 2024 als Milliardenspiel – wer profitiert am meisten?
Am meisten profitiert der europäische Fußballverband Uefa vom wirtschaftlichen Erfolg der Europameisterschaft. Deutschland und die Ausrichterstädte müssen auf andere Effekte hoffen.

Neben dem Empfang in der Ex-Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes steht eine Nachbildung des Coupe Henri Delaunay. Das EM-Objekt der Begierde, für die eine fast 700-köpfige Crew der Euro 2024 GmbH macht und tut. In Frankfurt laufen alle Drähte für die Europäische Fußball-Union (Uefa) als Ausrichter zusammen.
Corona hat dem Fußball seine Faszination nicht genommen. Im Gegenteil: Etwa 2,7 Millionen Fans werden in den Stadien erwartet, zehn bis zwölf Millionen in den Städten und fünf bis sechs Milliarden am Fernseher. Entsprechend gut laufen die Geschäfte. Die Uefa kalkuliert mit Gesamteinnahmen von 2,4 Milliarden Euro.
Chinesische Konzerne nutzen EM als Werbeplattform
Mit ARD und ZDF, Magenta und RTL teilen sich vier deutsche Sender die Übertragungen. Der Verkauf der Medienrechte bringt mehr als 1,4 Milliarden Euro ein. Eine halbe Milliarde Euro steuern Sponsoren bei. 13 Uefa-Partner schmücken sich als globale Sponsoren, darunter sind mit Lidl, Engelbert Strauss und Adidas drei deutsche Firmen. Fünf chinesische Konzerne wollen sich im europäischen Markt bekannter machen - wie die E-Automarke BYT.
Das Ticketing spült weitere 300 Millionen Euro in die Kasse, 100 Millionen Euro wirft das Hospitality-Programm ab. Die Dachorganisation firmiert als gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Schweiz und unterliegt im Ausrichterland keiner Steuer auf Einnahmen aus der Kommerzialisierung ihrer Rechte - nur die Tochtergesellschaften zahlen geschätzt 65 Millionen Euro an den deutschen Fiskus. Ohne die Steuerbefreiung bekommen Bewerber erst gar nicht den Zuschlag.
Männer-EM einzige Cashcow der Uefa
Die Uefa verbucht mit einer EM außerordentlichen Zuwachs: 2015/2016 schnellten die Einnahmen wegen der EM 2016 in Frankreich auf 4,6 Milliarden Euro. 2020/2021 sorgte selbst die wegen der Pandemie verschobene EM 2021 für Erlöse von 5,7 Milliarden Euro. Dennoch sackten die Eigenmittel der Uefa infolge der Pandemie deutlich unter die vereinbarte Grenze von 500 Millionen Euro. Die EM 2024 bringt die Bilanzen wieder auf Vordermann.
Als Gewinn werden 1,75 Milliarden Euro erwartet, doch dieses Geld wird nicht in der Zentrale in Nyon gehortet, wie die Uefa betont: "Über das Entwicklungsprogramm ‚Hattrick" fließen etwa zwei Drittel der Endrunden-Einnahmen in die 55 europäischen Verbände zurück." Zudem sagt Andreas Schär als einer der Geschäftsführer der Euro 2024 GmbH: "Mit 200 Millionen Euro finanzieren wir die nächste EM im Voraus, obendrauf die EM der Frauen. Die einzige Cashcow, die wir haben, ist die Männer-EM."
EM-Titel bringt 41 Millionen Euro
Für die Verbände sind die Prämien interessant. Als Antrittsgeld bekommt jeder EM-Teilnehmer 9,5 Millionen Euro, der Achtelfinal-Einzug wird mit 1,5 Millionen versüßt, das Viertelfinale mit 2,5 Millionen - der Sieger streicht weitere acht Millionen ein.
"Der DFB würde richtig gut verdienen, wenn die deutsche Nationalelf Europameister würde. Für den Titel gibt es 41 Millionen Euro", rechnet Schär. Der Schweizer gesteht aber auch: "Für die Uefa ist das in der Tat ein gutes Modell, auch wenn die Kosten für Sicherheit deutlich höher werden als 2018 prognostiziert."
Hohe Investitionskosten für die Ausrichterstädte
Das betrifft auch den deutschen Steuerzahler. Bund und Land haben hier die Anstrengungen und damit den Aufwand erhöht. Die zehn Ausrichterstädte müssen laut Vereinbarung mit der Uefa die Fan-Feste bezahlen. Frankfurt mit seinem spektakulären Public Viewing am Mainufer gibt etwa 30 Millionen Euro aus, Dortmund rechnet mit 24 Millionen Euro, München investiert 21 Millionen Euro.
Im Gegenzug profitieren die Städte natürlich am meisten von den EM-Anhängern, die verköstigt und teilweise auch beherbergt werden wollen. Die touristischen Mehreinnahmen werden auf 250 bis 300 Millionen Euro geschätzt.
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