Computergenerierte Berichte beim Fußball: Berichterstatter gegen Künstliche Intelligenz 1:0
Künstliche Intelligenz sorgt für computergenerierte Berichte, die rein auf Zahlen, Aufstellungen und Statistiken basieren. Doch noch ist das System nicht ausgereift genug - vor allem auf Amateur-Ebene.

Künstliche Intelligenz wird in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die Sportvereine keine Berichterstatter mehr brauchen - Wunschtraum oder Wirklichkeit? Aus journalistischer Sicht wird es ein Wunschtraum bleiben, auch wenn es theoretisch jetzt schon möglich wäre. Auf dem Internetportal fussball.de wie auch beim Ergebnis-Dienstleister MSU (Medien-Service Untermain GmbH) generieren Computerprogramme bereits Vorschauen und Nachberichte.
Doch noch beinhalten die Texte nicht mehr als aneinandergereihte Sätze, die rein auf Zahlen- und Statistik-Informationen beruhen. Eine Bewertung des sportlichen Geschehens, ob verdienter Sieg oder unglückliche Niederlage, kann ein Computer (noch) nicht vornehmen. Daher ist der Mensch - der Vereinsmitarbeiter oder der Sportredakteur - auch langfristig nicht zu ersetzten.
Online-Spielberichtsbogen ebnet den Weg
MSU, Ergebnis- und Spielbericht-Dienstleister der Heilbronner Stimme, beschäftigt sich, wie auch fussball.de, seit Jahren mit computergenerierten Texten. "Die ersten Experimente in dieser Thematik gab es bei uns bereits 2014. Das war zu dem Zeitpunkt aber noch eine Bastelstube. Das Problem war, es standen nicht ausreichend Daten zur Verfügung", erzählt Harald Salg, Prokurist, Leiter Software and Services bei MSU. "Man hatte ein Ergebnis, wusste, wann das Spiel war, und konnte sich noch ausrechnen lassen, wie oft eine Mannschaft gewonnen hat. Damals waren nur ganz einfache Berichte mit ein oder zwei Textzeilen möglich, wie: Die Bayern haben wieder gewonnen und sind Tabellenführer."
Welche Spieler auf dem Platz standen, wer die Tore erzielte - diese Informationen gab es da noch nicht. "Das Ganze hat dann auch recht lange vor sich hin gedümpelt", sagt Salg. Erst mit der Einführung der Online-Spielberichtsbogen durch die Schiedsrichter, mit Eingabe der Torschützen, in welchen Minuten die Treffer erzielt wurden, Auswechslungen und Aufstellungen und weiteren Details, nahm das Thema mehr und mehr an Fahrt auf.
Rohdaten entscheiden über Qualität und Aussagekraft
Inzwischen gibt es die Möglichkeit, Computer auf das Berichteschreiben zu trainieren. "Man kann verschiedene Sportarten einstellen - nicht, dass von Elfmetern berichtet wird, wenn es um Handball geht", sagt Salg. Die Programme werden mit sportspezifischen Besonderheiten und Fachausdrücken gefüttert.
Wichtig für die Qualität und Aussagekraft der Berichte sind die Menge der zur Verfügung stehenden Rohdaten. So ist es nur in den oberen Spielklassen möglich, zu unterscheiden, ob ein Tor mit dem Fuß oder per Kopf erzielt wurde. Im Amateurbereich sind diese Informationen noch nicht greifbar.
Fehler lassen sich nicht vermeiden
Im Profifußball ist es wie auch in der Handball-Bundesliga möglich, Spieler mit Westen auszustatten, die es erlauben, sie über Videokameras zu verfolgen, um so noch mehr textrelevante Daten zu erhalten. Auch Spielbälle mit eingebauten Chips gibt es bereits. Damit wird unter anderem die Verteilung des Spielgeschehens dokumentiert und aufgeschlüsselt, welches Team zu wie viel Prozent Ballbesitz hatte. Hier ist von den Dienstleistern jedoch ein personeller Mehraufwand wie auch eine deutlich höhere Rechnerleistung erforderlich.
MSU und fussball.de stehen im Bereich des Amateurfußballs die gleichen Daten zur Verfügung. Dass Computer daraus für den Leser mitunter Berichte mit kuriosen Textpassagen generieren, da Zahlen und Statistiken nicht immer zu sinnhaften Spielinformationen führen, lässt sich nicht vermeiden.
Emotionen liefert nur der menschliche Berichterstatter
Wie viele Torchancen eine Mannschaft vergeben hat, ob dem Torhüter zwei, drei grobe Fehler unterlaufen sind, oder ob ein Treffer irregulär und vom Schiedsrichter nicht geahndet erzielt wurde, diese relevanten Faktoren, "das sind alles Dinge, die der Computer nicht wissen kann", bedauert Salg.
Was die Zukunft in diesem KI-Bereich für innovative Neuerungen bringt, darüber kann nur spekuliert werden. "Es ist sicherlich sehr, sehr viel möglich", macht Salg deutlich. Alles müsse sich jedoch finanziell auch aufrechnen lassen. Was es in computergenerierten Spielberichten eher nicht geben wird, sind Zitate von Spielern oder Trainern. Hierzu müssten weitere Medien eingebunden werden - und das ist weit mehr als ein realistisch finanzierbarer Wunschtraum.
Das Text-Duell zum Duell zwischen Leingarten und Schwaigern
Vergleich eines computergenerierten Spielberichts mit dem Text des Vereins-Berichterstatters der Begegnung der Fußball-Bezirksliga Unterland vom 9. Oktober zwischen dem SV Leingarten und dem FSV Schwaigern (0:0).
Computergenerierter Bericht: SV Leingarten und FSV Schwaigern trennen sich mit einem torlosen Unentschieden. Am Ende konnte kein Sieger ermittelt werden. Das Heimteam konnte mit dem Unentschieden Rang sechs halten. Die Auswärtself konnte ebenfalls ihren Rang drei halten.
Bericht des Vereinsmitarbeiters: In einer ereignisarmen Partie egalisierten sich beide Teams über weite Strecken rund um die Mittellinie. Nennenswerte Tormöglichkeiten waren Mangelware. Die beste Chance der Leingartener hatte Schneider per Schlenzer an den Außenpfosten. Die aussichtsreichste Gelegenheit in Durchgang zwei verbuchten die Schwaigerner: Ein Abschluss nach einem Konter ging knapp am SV-Gehäuse vorbei. Das torlose Remis geht so in Ordnung.


Stimme.de
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