Stimme+
Fußball
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Vom Hörsaal in die Bundesliga: Christian Keller beim HHN-Sportstalk über Karriereweg

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Über 100 Zuhörer verfolgen den Sportstalk@HHN von Fabian Brugger mit Christian Keller. Der ehemalige Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln spricht über Ausbildung und Herausforderungen im Profifußball.

Wirtschaftsrecht-Professor Fabian Brugger (re.) hat in der zweiten Auflage des „Sportstalk@HHN“ Christian Keller zu Gast gehabt.
Wirtschaftsrecht-Professor Fabian Brugger (re.) hat in der zweiten Auflage des „Sportstalk@HHN“ Christian Keller zu Gast gehabt.  Foto: Ben Ferdinand

Einst saß Christian Keller selbst im Hörsaal – mit dem Wunsch, Leidenschaft und Beruf später einmal zu verbinden. Das gelang ihm. Der 47-Jährige studierte Außenwirtschaft an der Hochschule in Reutlingen, wechselte nach dem Bachelor, Master und dem Doktor-Titel ins Beratergeschäft und wurde schließlich im April 2022 dann für etwas mehr als drei Jahre Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln.Dass diese Laufbahn Interesse weckt und sich sicher manch einer zum Vorbild nimmt, zeigt die zweite Auflage des „Sportstalk@HHN“ von Wirtschaftsrecht-Professor Fabian Brugger. Der Hörsaal im Untergeschoss der Fakultät Wirtschaft auf dem Bildungscampus in Heilbronn ist mit mehr als 100 Studierenden und Interessierten voll besetzt.

Und wie schafft man das? Diese Frage stellt Fabian Brugger seinem Gast Christian Keller im Sinne der Zuhörenden. „Eine klare Vision haben und alles dafür geben“, sagt Christian Keller. Dazu brauche es eine gute Ausbildung sowie eine fundierte Grundlage in Management, Marketing und Finanzen. Gerade Letzteres war in seiner Karriere entscheidend.

Rasanter Aufstieg in Regensburg 

2013 sollte Keller als Geschäftsführer und Sportlicher Leiter den finanziell angeschlagenen Drittligisten SSV Jahn Regensburg sanieren. Das gelang ihm: Er verantwortete Gehälter, Transfers und Sponsorendeals im Verein. Bei seinem Abschied 2021 war der SSV Jahn wieder liquide, unter anderem wurde ein neues Stadion gebaut und die Rückkehr in die 2. Liga geschafft.

Die stabilisierte Finanzlage sicherte später den sportlichen Erfolg, der zunächst zurückstehen musste – eine Maßnahme, die im Fußball zu wenig Beachtung finde, meint Christian Keller. „Das Profifußballgeschäft ist schnelllebig und kurzsichtig. Man kann die besten Finanzzahlen liefern, doch man wird am sportlichen Erfolg gemessen.“ Das führe oft zu irrationalen und emotionalen Entscheidungen, wie er selbst als Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln erlebte.Auch in Köln galt Kellers Mission der finanziellen Sanierung. Diese gestaltete sich jedoch schwieriger als in Regensburg. „Die Wucht der Medien in Köln zu erleben, war verrückt“, sagt er und zieht die Augenbrauen hoch. Zudem band ihm eine dem Verein 2023 auferlegte Transfersperre die Hände. „Ich wurde schnell das Gesicht der Transfersperre, obwohl das vor mir passiert ist“, sagt er. „Es war die schwerste Zeit in meiner beruflichen Laufbahn.“ Der FC stieg infolge der Sperre 2024 ab.

Rauswurf kurz vor dem Erstliga-Aufstieg 

Keller gelang zwar die Stabilisierung des FC, senkte die Spielergehälter um 40 Prozent und stellte die Weichen für den Wiederaufstieg. Doch am 4. Mai 2025, zwei Spieltage vor Saisonende und auf Rang eins liegend, wurde er mit Trainer Gerhard Struber entlassen. Der Aufsichtsrat des FC hatte trotz komfortabler Ausgangslage Sorgen um den Aufstieg. Keller sollte den Cheftrainer entlassen, entschied sich aber dagegen. „Ich habe mich vor den Trainer, vor meine Angestellten gestellt“, sagt er. Keller musste gehen, der FC stieg auf. „Da nicht mitfeiern zu können, tat schon weh“, lässt er durchblicken.

„Man muss seiner Linie treu bleiben, das ist wichtig“, rät er den Studierenden, die auch Fragen haben – von Einstiegsmöglichkeiten ins Fußballgeschäft über die 50+1-Regel bis hin zu der Frage, wer der bessere Fußballer sei: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo? Christian Keller nimmt sich Zeit für Antworten. Er habe Zeit – noch. Aktuell widmet er sich privaten Projekten, ehe von Oktober an ein neues Engagement im Profifußball möglich wäre. „Ich erhalte oft Anrufe“, sagt er.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben