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Wie Weihnachten in die Welt kam und warum Luther das Christkind erfand

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Heidnische Bräuche waren Papst Hyppolith ein Dorn im Auge. Er verlegte das  Fest aller Feste kurzerhand vom Frühjahr auf den 25. Dezember.

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Wann genau das Jesuskind geboren wurde, kann keiner mit Bestimmtheit sagen. Ursprünglich feierten die Christen dessen Geburt im Frühjahr. Foto: dpa
Wann genau das Jesuskind geboren wurde, kann keiner mit Bestimmtheit sagen. Ursprünglich feierten die Christen dessen Geburt im Frühjahr. Foto: dpa  Foto: Mohssen Assanimoghaddam (dpa)

Alle Jahre wieder scheint im Dezember die Welt kurz still zu stehen: Auf allen Kontinenten feiern Menschen die Geburt Jesu mit Gottesdiensten, Weihnachtsbaum und vielen Geschenken. Doch warum eigentlich gerade am 25. Dezember? Schließlich ist das Datum historisch nicht belegt.

Den Urchristen war das genaue Geburtsdatum Jesus schlicht unbekannt. In den Evangelien gibt es nicht einmal Hinweise auf die genaue Jahreszeit. Lediglich Bibelinterpretationen weisen auf ein Geburtsdatum im Herbst hin. Denn als Jesu geboren wurde, fand eine Volkszählung statt. Und solche Erhebungen gab es in der Zeit nach der Ernte – also im September oder Oktober. 

Christen feiern heidnische Bräuche einfach mit

Die ersten Christen feierten deshalb nicht Jesu Geburt, sondern gedachten dessen Tod im Frühjahr – unserem heutigen Ostern. Dafür begingen erst die Ägypter und andere Hochkulturen, später dann die Heiden am 21. Dezember den Tag der Wintersonnenwende. Und am 25. Dezember wurde im römischen Imperium das Fest des unbesiegbaren Sonnengottes Mithras, auch „Sol Invictus“ genannt, begangen.

Für die Christen waren dies zwar heidnische Bräuche – mitgefeiert wurde aber trotzdem. Und da die Deutung von Jesus Christus als „Licht“ oder „Sonne“ für Christen schon in den Evangelien und aus alttestamentarischen Prophetien bekannt war, lag es für sie nahe, dieses Fest im Zuge des aufstrebenden Christentums umzudeuten.

Papst kommt nicht gegen Verehrungskulte an

Mit einem eigenen Fest wollte die Kirchenführung so verhindern, dass die Christen weiterhin auch den Sonnengott ehrten. Im Jahr 217 startete Papst Hyppolith deshalb einen ersten Versuch, die bis dahin gebräuchlichen Verehrungskulte zu beseitigen, in dem er das Fest von Christi Geburt auf den 25. Dezember, den dunkelsten Tag des Jahres verlegte. Doch er scheiterte zunächst. Zu stark war die gesellschaftliche Verankerung der Kultfeiern. Es dauerte noch einmal ein gutes Jahrhundert, bis sich das Weihnachtsfest im Dezember in Rom etabliert hatte. Von dort aus eroberte es schließlich ganz Europa.

Menschwerdung von Gottes Sohn als Ausdruck des Protests

Der Grund, dass die Christen jetzt Weihnachten im Dezember feierten, war aber ein ganz anderer als der, den der Papst vorgegeben hatte. Während das Kirchenoberhaupt stets betonte, dass Jesus Gott und Mensch zugleich sei, sahen die frühen Christen in ihm einen der ihren und nutzten das neue Weihnachtsfest als Ausdruck ihres Protestes: Nur Menschen feiern Geburtstag. Deshalb könne Jesus gar kein Gott sein, verkündeten sie, und brachten so unverdrossen ihre oppositionelle Haltung gegenüber der Kirchenführung zum Ausdruck.

Die Verehrung der Heiligen in der katholischen Kirche war Martin Luther ein Dorn im Auge, deshalb soll er das Christkind erfunden haben. Foto: dpa
Die Verehrung der Heiligen in der katholischen Kirche war Martin Luther ein Dorn im Auge, deshalb soll er das Christkind erfunden haben. Foto: dpa  Foto: Oliver Berg (dpa)

Im achten Jahrhundert kam Weihnachten schließlich auch in Deutschland an, und 813 erklärte die Mainzer Synode den 25. Dezember offiziell zum „festum nativitas Christi“, unserem heutigen Weihnachtsfest. Das Wort Weihnachten stammt übrigens von der mittelhochdeutschen Wendung „ze wihen naht“, der „geweihten, heiligen Nacht“.

Was der 25. Dezember mit dem Verkündigungsengel zu tun hat

Eine zweite Version für den Termin im Dezember kommt aus der wissenschaftlichen Ecke: Manche Experten glauben, dass das Datum unter anderem mit der Dauer einer Schwangerschaft zusammenhängt. Laut Überlieferung hat der Verkündigungsengel Gabriel Maria am 25. März erklärt, dass sie in neun Monaten den Sohn Gottes zur Welt bringen würde. Demnach wäre Jesus dann am 25. Dezember auf die Welt kommen.

Heiliger Abend – ein ganz banaler Rechenfehler?

Warum aber wird gerade in Deutschland schon am 24. Dezember Christi Geburt gefiert? Mit Baum, Bescherung und vielem mehr? Haben wird uns schlicht verrechnet? Nicht wirklich. Denn nach antiker Tradition endet der Tag mit dem Sonnenuntergang. Folgerichtig beginnt dann auch gleich der nächste. Der Abend des 24. gehört nach diesem Verständnis also schon zum Weihnachtsfest – und darf getrost als „Heiliger Abend“ begangen werden.

Nahezu ungeklärt ist die Herkunft des Weihnachtsbaumes. Zwar wurden die Häuser in der Antike zur Wintersonnenwende schon mit Zweigen geschmückt, auch Kelten und Germanen umgaben sich in dieser Zeit mit frischem Grün, doch der Weihnachtsbaum taucht erstmals im Mittelalter auf. Damals gedachte die katholische Kirche mancherorts an Weihnachten auch der Erschaffung des Menschen mit einem Theaterspiel, in dessen Mittelpunkt der Baum der Erkenntnis stand, von dem Adam und Eva nicht naschen sollten. Es doch taten und so aus dem Paradies vertrieben wurden. Vielleicht hat der Weihnachtsbaum hier seine Wurzeln.

Einzug in die Stuben des gehobenen Bürgertums

Den ersten geschmückten Baum in Deutschland zeigt jedenfalls ein Gemälde von Lucas Cranach aus dem Jahr 1509. Spätestens ab dieser Zeit musste der Tannenbaum zum Brauchtum gehört haben. So richtig populär wurde er aber erst im 19. Jahrhundert, als er sich von Deutschland und Österreich aus auch in andere Länder und Kontinente verbreitete – erst in den Stuben des gehobenen Bürgertums, und bald auch als Zeichen des Trostes und der Hoffnung bei ärmeren Familien.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen der Kirchgang und das Innehalten. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Feier rund um die Geburt Christi zum Familienfest, wo man sich untereinander beschenkte – mit leuchtendem Tannenbaum und Christkind.

Gegenentwurf zum Heiligen Nikolaus

Ach ja, das Christkind. Blond gelockt, engelsgleich, im weißen Kleid und mit Heiligenschein, das sich unbemerkt in die Wohnzimmer schleicht, Geschenke unter dem Christbaum legt und so Kinderherzen erfreut – auch das erblickte das Licht der Welt aus reinem Protest: Reformator Martin Luther soll es gewesen sein, der im 16. Jahrhundert die engelhafte Figur als Gegenentwurf zum Heiligen Nikolaus erfand.

Seit dem Mittelalter gehört der geschmückte Baum zum weihnachtlichen Brauchtum. Foto: obs/Deutsche Tamoil GmbH/JenkoAtaman
Seit dem Mittelalter gehört der geschmückte Baum zum weihnachtlichen Brauchtum. Foto: obs/Deutsche Tamoil GmbH/JenkoAtaman  Foto: JenkoAtaman (Deutsche Tamoil GmbH)

So wollte er die ihm missfallende Heiligenverehrung der Katholiken abschaffen. Den Brauch des Schenkens wollte er aber beibehalten und verlegte ihn kurzerhand vom 6. Dezember auf Weihnachten. Mit Erfolg.

Nach Hause bringen

Die ursprünglich protestantische Tradition ist heute auch in katholischen Gegenden verbreitet. Ob die zu Luthers Zeit unter dem Baum liegenden Gaben – Äpfel, Nüsse und, falls genug Geld vorhanden war, ein Zuckerhut – im 21. Jahrhundert noch für glänzende Kinderaugen sorgen würden, darf freilich bezweifelt werden. Übrigens: Auch für den Reformator war Weihnachten schon ein Familienfest. Sein Geschenk: Das Lied „Vom Himmel hoch“ , mit dem er Christus zu den Menschen nach Hause brachte.

 

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