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"Sein letztes Rennen" kommt am Sonntag ins Pop-up-Autokino Heilbronn

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Als Alternative zum Trolli-Marathon wird an diesem Sonntag um 17 Uhr auf der Theresienwiese der Film mit Dieter Hallervorden gezeigt. Im Interview erzählt Regisseur Kilian Riedhof über seine Filmprojekte in Corona-Zeiten.

Von Michaela Adick
Dieter Hallervorden in Kilian Riedhofs Film "Sein letztes Rennen, der am Sonntag im Autokino Heilbronn zu sehen ist. Foto: dpa
Dieter Hallervorden in Kilian Riedhofs Film "Sein letztes Rennen, der am Sonntag im Autokino Heilbronn zu sehen ist. Foto: dpa  Foto: N.Klier/Universum Film (Nadja Klier/Neue Sch?önhauser Fi)

Kilian Riedhof packt gerne Geschichten an, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben haben: Sei es, dass er in seinem Politthriller den "Fall Barschel" noch einmal aufrollt oder er in "Gladbeck" das Versagen der Medien schonungslos beleuchtet.

Kurz vor der Wiederaufführung seines Films "Sein letztes Rennen" mit Didi Hallervorden beim Pop-up-Autokino auf der Theresienwiese haben wir mit dem Regisseur gesprochen.

 

Wie ergeht es Ihnen und Ihren Projekten Corona-Zeiten?

Kilian Riedhof: Gar nicht mal so schlecht. Ich stecke gerade in zwei Geschichten. In einer deutsch-französischen Co-Produktion mit dem Titel "Meinen Hass bekommt ihr nicht". Das ist die wahre Geschichte von Antoine Leiris, der 2015 beimTerroranschlag auf die Pariser Konzerthalle Bataclan seine Frau verliert und zusammen mit seinem kleinen Sohn einen Weg zurück ins Leben sucht. Mitte Oktober, so die aktuelle Planung, wollen wir drehen. Das andere Projekt beschäftigt sich mit Stella Goldschlag.

 

Jener jungen Jüdin, die während des Zweiten Weltkriegs in Berlin untergetauchte Juden der Gestapo ausgeliefert hatte. Berufen Sie sich hier auf den durchaus umstrittenen Roman von Takis Würger?

Riedhof: Nein, wir haben eigene umfangreiche Recherchen betrieben. Wir erzählen die Geschichte aus Stellas Perspektive. Nicht aus einer besserwissenden historischen Distanz, sondern Parterre..

 

Sind Ihre Projekte durch die Umstände gefährdet?

Riedhof: Unser Problem ist, dass das pandemische Risiko von den Filmversicherungen nicht abgedeckt wird. Am letzten Wochenende ist in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein von mir iniitiierter offener Brief an die Bundesregierung veröffentlicht worden, unterzeichnet von über hundert Regie- und Drehbuchkollegen. Wir fordern darin einen Rettungsschirm für Dreharbeiten. Denn ein Drehstopp, selbst von nur wenigen Tagen, kann einen Produzenten an den Rand der Insolvenz bringen kann.

 

In ihren Filmen stehen oft Kippmomente im Fokus Ihres Interesses. Was fasziniert sie daran?

Riedhof: Ein Alltag in ruhigen Bahnen ist filmisch eher uninteressant. Wenn Menschen aber die Balance verlieren, ins Chaos stürzen und schließlich die Kraft finden neu zu erstehen, dann ist das packend und berührend, weil wir in dieser Metamorphose das Wesen des Lebens an sich erkennen.

 

Im "Fall Barschel" haben Sie sich mit diversen Verschwörungstheorien auseinander gesetzt. Auch heute wimmelt es nur so vor den krudesten Theorien. Haben Sie eine Idee wieso?

Riedhof: Eins möchte ich vorwegschicken. Im "Fall Barschel" haben wir über weite Strecken auf der Basis von Fakten oder zumindest stichhaltigen Indizien erzählt. Natürlich haben wir auch verdichtet. Das ist das Recht eines fiktionalen Films. Anders als beim Journalismus, wo wir sonst schnell bei einem Fall Relotius landen. Was die Verschwörungstheorien angeht, handelt es sich wohl um ein Phänomen, das Menschen umtreibt, die sich nicht mehr gesehen, grundsätzlich missverstanden fühlen. Das ist ein kollektives psychologisches Phänomen, das sich gerade zu einem politischen Problem auswächst.

 

"Sein letztes Rennen" mit Didi Hallervorden scheint in ihrer Filmografie ein wenig aus der Reihe zu tanzen, oder täusche ich mich da?

Riedhof: Ich versuche immer radikal zu erzählen, so verstehe ich meinen Beruf. In "Sein letztes Rennen", einem klassischen Mutmachfilm, liegt die Radikalität in seiner puren Emotionalität. Deswegen lieben ihn den Menschen, deshalb die vielen Wiederaufführungen. "Sein letztes Rennen" kann jeder Zuschauer körperlich erfahren. So soll Kino sein.

 


 
Als Ersatz läuft der Trolli im Autokino

Ein Ersatz-Event für den ausgefallenen Trollinger-Marathon findet am Sonntag, 17. Mai, im Heilbronner Autokino auf der Theresienwiese statt. Die Veranstaltung wird von der Heilbronner Stimme präsentiert. Dort wird der Film „Sein letztes Rennen“ gezeigt, plus Trolli-Beiprogramm. Tickets: www.popup-autokino.de. 

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