Unterstützung für Väter in Ausnahmesituation
Psychosoziales Team der SLK-Kliniken begleitet Eltern psychologisch, seelsorgerisch und sozial.

Ein offenes Ohr tut immer gut. Bei jemandem, der die Sorgen und Ängste versteht und ernst nimmt. Diese Erfahrung machen Annett Wehrmann-Rohling und Jürgen Rist immer wieder. Die Sozialpädagogin und der Theologe gehören zum psychosozialen Team des SLK-Perinatalzentrums.
Wenn die Schwangerschaft schwierig ist, das Kind zu früh auf die Welt kommt oder es bei der Geburt Komplikationen gab, stehen sie den Eltern zur Seite − oft über Wochen und Monate hinweg. "Wir gehören zu den wenigen Kliniken, in denen das Team nach einem festgelegten Konzept arbeitet, das die Zusammenarbeit von Sozialberatung, Psychosomatik und Klinikseelsorge beschreibt und das wir gemeinsam erarbeitet haben", erklärt Wehrmann-Rohling. Jeder hat seinen eigenen Tätigkeitsschwerpunkt, die Zusammenarbeit, auch mit anderen Bereichen, ist klar definiert. Wehrmann-Rohling und Rist sind für die psychologische und auf Wunsch seelsorgerische Begleitung der Eltern zuständig. Eine weitere Kollegin kümmert sich um die sozialen Aspekte, hilft Anträge zu stellen oder eine Betreuung für die Geschwisterkinder zu organisieren.
Doch nicht nur die organisatorische Form hat Seltenheitswert. Auch, dass ein Mann als Seelsorger für die Frauen- und Neugeborenenstationen zuständig ist, ist eher die Ausnahme. "Anfangs habe ich mir noch Gedanken darüber gemacht, wie die Frauen reagieren", erinnert sich Rist. Doch die Bedenken wurden schnell zerstreut: "Ich merkte, dass ich nochmal eine andere Perspektive einbringen kann − auch für die Väter."
Dem kann seine Kollegin nur zustimmen: "Gelegentlich spreche ich mit den Müttern und sie bitten mich, dass Herr Rist Kontakt zu ihren Partnern aufnimmt. Ein Gespräch von Mann zu Mann fällt meist leichter." Denn auch sie kommen durch Komplikationen bei der Geburt an den Rand der Belastbarkeit. Häufig werden die Frauen in der Frauenklinik versorgt, die Neugeborenen auf der neonatologischen Station, die Väter pendeln hin und her. "Das kann in den ersten Tagen zu einer inneren Zerrissenheit führen. Soll ich die Zeit bei meinem Kind verbringen oder bei meiner Frau? Darf ich mich darüber freuen, wenn es einem von beiden etwas besser geht, dem anderen aber noch nicht?", erzählt Rist.
Robert Weissgerber kennt die Situation. Er ist Vater von zu früh geborenen Zwillingen. Besonders die ersten Tage seien dramatisch gewesen, mit vielen Höhen und Tiefen. Er lobt die Arbeit des Klinik-Teams: "Die Ärzte machen sehr gute Arbeit, die Pflegekräfte sind mit viel Herzblut und Fürsorge dabei", sagt er. Doch die Zeit ist dennoch schwierig: "Als Vater versucht man seiner Rolle gerecht zu werden, stark zu sein, zu funktionieren. Das Umfeld kann das nicht immer nachvollziehen, doch es ist wichtig Menschen zu haben, die einem helfen, die Situation zu verarbeiten. Die eigene Mutter, ein guter Freund oder eben auch die Seelsorger."
Manchmal kommen bei Vätern noch ganz andere Sorgen hinzu, weiß Rist. Was, wenn der Arbeitgeber kein Verständnis zeigt und vollen Einsatz verlangt? "Es ist unglaublich, was viele Väter leisten. Ich erlebe immer wieder Männer, die nach anstrengender Schichtarbeit noch ins Krankenhaus fahren, um mit ihrem Baby durch Kangarooing eine engere Bindung aufzubauen. Das verdient Respekt."
Er freut sich, dass die Rahmenbedingungen dafür bald besser werden: Die Kinderklinik wird ja gerade durch einen Anbau erweitert. Die Stiftung Große Hilfe für kleine Helden sammelt seit Monaten Spenden für eine familiengerechte Innenausstattung, so dass zum Beispiel das Kangarooing dank Elternbetten in den zukünftig geräumigen Zweibettzimmern besser möglich sein wird.
Manchmal sind Rist und Wehrmann-Rohling auch Vermittler zwischen den Eltern. Denn wenn ein Kind gerade in Lebensgefahr schwebt oder monatelang in der Klinik liegt, kann das eine echte Zerreißprobe für die Beziehung werden. "Wir können keine Paarberatung anbieten, aber diese Spannungen aufzunehmen und zur Seite zu stehen, gehört auch zu unseren Aufgaben", sagt Wehrmann-Rohling. "Dann ist es wichtig zu erklären, dass jeder anders mit der Situation umgeht und es bei Gefühlen kein richtig oder falsch gibt."
Manchmal motivieren sie Eltern, sich mal wieder um sich selbst zu kümmern. "Die Neugeborenen sind hier gut versorgt. Es ist völlig in Ordnung, wenn Eltern mal nicht kommen und sich einen gemeinsamen Tag jenseits der Klinik gönnen." red
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