Optimale Hilfe für die Kleinsten
SLK-Geschäftsführer Jendges erklärt, warum für die Neonatologie Spenden nötig sind.
Die SLK-Kliniken erweitern die Kinder- und Neugeborenenintensivstation und bauen die neonatologische Station des Klinikums Heilbronn neu. Um den Neubau für die Kleinsten und ihre Eltern optimal auszustatten, hat die Stiftung „Große Hilfe für kleine Helden“ mit Unterstützung der Heilbronner Stimme jetzt eine Spendenaktion gestartet. Im Gespräch mit SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges geht es um die Verwendung der Spendengelder.

Warum ist der Bau notwendig? Die Kinderklinik ist noch gar nicht so alt.
Thomas Jendges: Der Bau ist 15 Jahre alt. Er entstand vor der Kinderklinik, die 2006 eröffnet wurde.
Brauchen Sie Platz?
Jendges: Wir haben eine erhebliche Zunahme an Frühgeborenen. Auch die Zahl der Kleinstkinder, die behandelt werden, ist gewachsen. Wir haben am Gesundbrunnen 3000 Geburten, Tendenz steigend. Und wir haben 1000 Neugeborene, die manchmal nur kurzzeitig medizinisch behandelt werden müssen, die zusätzlich zum Teil auch von außerhalb hinzu kommen. 2016 hatten wir 90 neonatologische Kinder aus Sinsheim, 50 aus Mosbach und mehrere aus Öhringen. Und dann gibt es die besonders kritischen Frühstgeborenen mit weniger als 1500 Gramm Geburtsgewicht, momentan 70 Kinder im Jahr, die oft über Monate bei uns bleiben. Auch der Raumbedarf steigt. Früher standen vier Inkubatoren in einem Raum, künftig werden es nur noch zwei sein. Und die Behandlungskonzepte haben sich verändert.
In welche Richtung?
Jendges: Früher hat man weniger Wert gelegt auf das Miteinander von Eltern und Kind in dieser Phase. Inzwischen weiß man, dass der Hautkontakt zu Vater und Mutter ganz wichtig ist, um dem Kind Geborgenheit zu geben. Und die Integration der Eltern in die komplexe entwicklungsfördernde Versorgung der Babys wird unterstützt.
Wie viel größer wird der Bereich?
Jendges: In der Kinder- und Neugeborenenintensivstation sind es heute 19, künftig 21 Betten, in der neonatologischen Überwachungsstation 28 statt 17 Betten. Die Fläche wächst von 1640 auf 3420 Quadratmeter, wird also doppelt so groß.
Die Eltern sind viele Stunden am Tag bei ihrem Kind in der Klinik, oft über Monate. Was ändert sich für sie?
Jendges: Bisher wurden stundenweise Aufklapp-Liegen in die Räume mit den Inkubatoren geschoben. Nun schaffen wir auch Aufenthalts- und Übernachtungsmöglichkeiten und Betreuungszimmer für die Eltern. Dort ist die notwendige Ruhe gewährleistet – ein Faktor, der sehr wichtig ist für die Entwicklung der Kinder. Denn eigentlich wären sie zu dieser Zeit ja noch im Bauch der Mutter abgeschirmt von den äußeren Einflüssen.
Was kosten die Baumaßnahmen?
Jendges: Rund neun Millionen Euro. Für den Baubereich müssen wir gut acht Millionen Euro ausgeben, 5,3 Millionen kommen als Zuschuss vom Land, von Stadt und Landkreis je rund 1,5 Millionen Euro als freiwillige Zuschüsse. Wir sind sehr dankbar für das Angebot der Stiftung, den Betrag für die Ausstattung zu finanzieren, der nicht in den Zuschüssen enthalten ist.

SLK hat gerade 225 Millionen Euro für den Gesundbrunnen ausgegeben, sind 700.000 Euro da nicht Peanuts?
Jendges: 700.000 Euro sind für uns ein großer Betrag. Die Eigenmittel der SLK-Kliniken sind für Plattenwald mit 25 Millionen Euro und Gesundbrunnen mit etwa 100 Millionen Euro komplett aufgebraucht. Stadt und Landkreis Heilbronn haben erst im Herbst ihre Zuschüsse nochmals aufgestockt und sind jetzt ebenfalls am Limit.
Stiehlt sich das Land aus der Verantwortung, Neubauten zu finanzieren?
Jendges: Es übernimmt ja 5,3 Millionen Euro und liegt damit über den üblichen 50 Prozent. Die Ausstattung aber müssen wir als Klinik selbst finanzieren. Dazu gibt es für das Gesamtklinikum viel zu knapp bemessene pauschale Fördermittel. Ich kann sie nicht zu Lasten anderer Klinikbereiche einsetzen für Maßnahmen, die wir im Interesse der Frühgeborenen und ihrer Eltern als Ausstattung für wünschenswert halten, die aber nicht zwingend vorgeschrieben sind.
Was geschieht mit dem Spendengeld?
Jendges: Das ist nicht nur für die Übernachtungsmöglichkeiten und Sanitärbereiche für die Eltern. Da ist die wohnliche Ausstattung des Stillzimmers, das sonst ein nüchterner Raum wäre. Das ist auch die hochwertige medizinische Ausstattung mit einem besonderen Reanimationsgerät oder ein Atemtherapiegerät, das eine individuelle Einstellung zur sanfteren Begleitung des Frühstgeborenen ermöglicht.
Es heißt, die SLK-Neonatologie erreiche damit Universitätsstandard.
Jendges: An der Stelle werden wir besser sein als so manche Unikliniken. Die sind natürlich forschend unterwegs. Aber für die Versorgung der Neugeborenen und ihrer Eltern werden wir mehr tun können.
Was bringt dieses Mehr?
Jendges: Bei der Versorgung geht es zunächst darum, dass die Säuglinge überleben, aber auch ganz entscheidend um das Vermeiden von Schädigungen. Aber es geht danach auch um die verbesserten Rahmenbedingungen. Sie müssen sich vorstellen, in der Zeit findet ein ganz wesentlicher Teil der Gehirnentwicklung statt. In dieser kritischen Phase kommt es auf ein optimales Umfeld in der Klinik an, zum Beispiel auf das Abschirmen von Lärm und Licht. Hier entscheidet sich, wie das Kind später in seinem Leben zurechtkommen wird. Dabei ist es so hilfreich und wertvoll, die entsprechende Ausstattung zu haben. Und deshalb sind wir so dankbar für die Spendenaktion, da wir es aus eigenen Mitteln nicht schaffen. Dass hier die Stiftung an der Seite der Kinder und Eltern steht, ist ausgesprochen wichtig.
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