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Sozialpädiatrisches Zentrum der SLK-Kliniken unterstützt Familien von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen

Physiotherapeutin Christina Rüttinger und Kinderarzt Hans-Martin Büttel begleiten die Familien oft über Jahre, geben Therapieempfehlungen oder beraten sie.Fotos: SLK
Physiotherapeutin Christina Rüttinger und Kinderarzt Hans-Martin Büttel begleiten die Familien oft über Jahre, geben Therapieempfehlungen oder beraten sie.Fotos: SLK

Konzentriert balanciert das kleine Mädchen auf einer Bodenlinie. So lange es kann, bleibt es auf einem Bein stehen. Oder es stapelt Bauklötzchen aufeinander. Was aussieht wie ein Spiel, sind Tests. Sie helfen dem Team des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ), den Entwicklungszustand eines Kindes zu beurteilen.

"Überraschend viele Frühgeborene entwickeln sich gut und benötigen nach der Entlassung aus der Neonatologie keine besonderen Therapien", freut sich Dr. Hans-Martin Büttel. Der auf Entwicklungsdiagnostik spezialisierte Kinderarzt leitet das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) am SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn seit fast 14 Jahren.

Dennoch: Nicht alle Frühchen können vollkommen gesund aus der neonatologischen Station entlassen werden. Diese Kinder kann der behandelnde Kinderarzt nach der Entlassung aus der Klinik an das Sozialpädiatrische Zentrum überweisen. Hier wird der weitere Therapiebedarf diagnostiziert. "Wir unterstützen Kinder mit Entwicklungsstörungen, körperlichen Behinderungen oder Intelligenzminderung, aber auch Kinder mit ADHS oder Autismus", erläutert Büttel. Das interdisziplinäre Team aus Ärzten, Psychologinnen, Physiotherapeutin, Logopädin, Ergotherapeutin, Sozial- und Heilpädagoginnen, kümmert sich um rund 1600 überwiesene Patienten jährlich − vom Baby bis zum Jugendlichen.

Viele der Eltern von Frühgeborenen oder erkrankten Neugeborenen haben bereits Wochen auf der neonatologischen Abteilung der Kinderklinik verbracht. Diese wird ja gerade erweitert und dank Spendengeldern hochwertig ausgestattet. Auch für die Eltern ist dann mehr Platz. "Dadurch werden Methoden wie das Kangarooing, also der enge Körperkontakt des Kindes zu den Eltern, noch besser möglich. Das ist sehr wichtig für die Entwicklung des Babys", sagt Büttel.

Verunsichert

Tests, die Ergotherapeutin Bernadette Nied-Lang und Hans-Martin Büttel anwenden: Das Kind soll Perlen auf eine Schnur ziehen oder einen Teddy anziehen.Foto: SLK
Tests, die Ergotherapeutin Bernadette Nied-Lang und Hans-Martin Büttel anwenden: Das Kind soll Perlen auf eine Schnur ziehen oder einen Teddy anziehen.Foto: SLK

"Eine Frühgeburt ist für viele Eltern, vor allem für die Mütter, traumatisierend. Wenn Babys häufig schreien oder Schwierigkeiten beim Trinken haben, wird das oft als Ablehnung verstanden. Das verunsichert die Eltern zusätzlich", weiß der Kinderarzt. Deshalb ist ihm und seinen 15 Mitarbeiterinnen besonders wichtig, die Familie direkt in die Therapie miteinzubeziehen.

Frühgeborene haben häufig mit Verzögerungen bei der Sprachentwicklung, der Motorik oder Konzentrationsstörungen zu kämpfen. Die wichtigste Frage bei den Therapieempfehlungen sei deshalb: Was braucht das Kind? Ziel, so Büttel, sei immer, die Voraussetzungen des Kindes für seine Entwicklung zu optimieren. "Wenn man zu viel auf einmal möchte, sind die Kinder schnell frustriert." Er verdeutlicht den Eltern, dass die Entwicklung ihres Kindes nicht allein von der Therapie abhängt, sondern dass sie selbst einen großen Teil durch ihre liebevolle Zuneigung beitragen können.

Über Jahre

Einige Kinder werden bereits drei Monate nach der Entlassung im SPZ untersucht, bei anderen machen sich die Entwicklungsverzögerungen erst im Vorschulalter bemerkbar. Manche Kinder begleitet das Team über Jahre hinweg. Je größer der Bedarf ist, desto engmaschiger ist die Betreuung − von der ersten Diagnose bis hin zur Auswahl der nötigen Hilfsmittel oder der Unterstützung bei Anträgen.

Büttel und sein Team merken Tag für Tag, was ihre Arbeit bewirkt: "Wir lernen die Familien im Laufe der Zeit oft sehr gut kennen und es ist schön, sich gemeinsam über die Fortschritte der Kinder freuen zu können − besonders, wenn der Start ins Leben nicht einfach war." cc

 
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