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Eppingen
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Ein Ort zum Glücklichsein

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Figurentheater-ChefinHeidi Callewaert-Zotz bringt Menschen zusammen

Von Tanja Ochs

Aufgewachsen in Belgien, Stationen in Spanien und Australien, jetzt im Kraichgau: "Ich fühle mich als Weltbürgerin", erklärt Heidi Callewaert-Zotz. Ihr Herz schlage flämisch, aber im Kraichgau hat die 49-Jährige, die mit ihrem Mann Thomas Zotz das Eppinger Figurentheater (Epfi) leitet, ein Zuhause gefunden. "Heimat ist da, wo man in der Gemeinschaft akzeptiert, angenommen und geschätzt wird", sagt die Künstlerin.

2009 hat sie mit ihrem Mann das Figurentheater in der Fachwerkstadt eröffnet und dort ein Stück Heimat geschaffen. Nicht nur für sich: "Wir wollten nicht nur auf der Bühne stehen, sondern Kulturprojekte machen, um mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen." So wurde das Epfi zur Begegnungsstätte für viele unterschiedliche Menschen. Vor zwei Jahren stellten die Schauspieler eine ganze Spielzeit unter das Motto "Grenzenlose Heimat". In Theaterstücken, Aktionen und Events haben sich Künstler, Publikum und Mitstreiter mit ihrer Heimat auseinandergesetzt. Eppinger mit unterschiedlichen Wurzeln dekorierten beispielsweise urdeutsche Wackeldackel, sie gestalteten gemeinsam einen Wandteppich mit Bildern aus alter und neuer Heimat oder erzählten beim Stadtfest aus ihrem Leben. Das vom Land geförderte Projekt wirkt nach. "Da sind Freundschaften entstanden", weiß Heidi Callewaert-Zotz. Menschen haben Verbindungen geknüpft, die bis heute bestehen.

Kulturhaus

"Grenzenlose Heimat" gibt es deshalb als Label weiterhin. In jeder Spielzeit organisiert das Epfi drei bis vier Veranstaltungen, "um Kulturen zusammenzubringen", sagt die Theaterleiterin. Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise mexikanisches Theater. Im Herbst gastieren russische Künstler in Eppingen. "Wir arbeiten an weiteren Projekten", erklärt die Verantwortliche. Es gebe eine Gruppe, in der Menschen mit Migrationshintergrund gemeinsam Musik machen. Auch die werden auf der Bühne des Figurentheaters auftreten. So trage das Haus dazu bei, dass Eppingen Heimat für viele ist.

Das Epfi sei "mehr als eine Einrichtung, wo Theater konsumiert wird". Es ist ein Kulturhaus, das einerseits Kunst anbietet, andererseits den Blick auf andere Kulturkreise öffnet und damit Ängste abbaut und Verständnis fördert. "Ohne Kunst hätten wir eine Verrohung der Gesellschaft", glaubt Heidi Callewaert-Zotz. Ein Theater schaffe vielleicht keine Heimat, aber es sei ein Ort, an dem Menschen glücklich sein können. "Hier erleben sie Momente, die das Leben lebenswert machen", sagt die Schauspielerin.

Lebensbaum

Das gelingt ihr in Eppingen auf mehreren Ebenen. Das Thema Heimat sei dabei immer präsent. Das Figurentheater soll weiter zum Kulturzentrum ausgebaut werden: "Wir sind noch längst nicht am Ende", sagt die Gründerin. Ihr Lebensbaum soll weiter Wurzeln in der Fachwerkstadt schlagen. Hier seien die Menschen offen für ihre Art, die Welt zu sehen, sagt Heidi Callewaert-Zotz. Von hier aus könne sie die Welt erobern.

Morgen erscheint ein weiterer Artikel zum Thema Handwerk 4.0.

 
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