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Zwischen Wildblumen und Golfrasen

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Sattes Grün, ein gepflegter Rasen so weich, dass man sich als Nichtgolfer am liebsten die Schuhe abstreifen und barfuß darüber schlendern möchte. Dafür dass das so bleibt, sorgt Klaus Bortt. Als Greenkeeper kümmert er sich neben der Pflege der Anlage vermehrt um die Natur.

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Sport, Natur und Kunst finden sich auf dem Golfplatz in Friedrichsruhe. 
Foto: Heimatreporter Lilo Eggensperger
Sport, Natur und Kunst finden sich auf dem Golfplatz in Friedrichsruhe. Foto: Heimatreporter Lilo Eggensperger  Foto: Heimatreporter Lilo Eggensperger

Der Golfplatz gehört zu Friedrichsruhe seit die meisten denken können. Ebenso ist es mit Klaus Bortt, der im Gründungsjahr der Anlage im Jahr 1964 zwar noch kein Greenkeeper war, aber sich als echter Friedrichsruher schon als Sechsjähriger das Taschengeld dort aufpeppte. Heute ist er Head-Greenkeeper, das heißt Leiter all jener, die sich darum kümmern, dass der Platz täglich in top Zustand ist. Golfrasen steht für Perfektion und alleine diese Aufgabe des Greenkeepers ist keine leichte. Dass täglich morgens in den Sommermonaten gemäht wird, ist selbstverständlich.

1,5 Hektar Gras sind es, die sehr intensiv gepflegt werden müssen. Es ist das sogenannte Grün, auf der der Ball wie auf einer Fläche rollen muss. Zwischen drei und dreieinhalb Millimetern an Länge darf das Gras hier nicht überschreiten. Und auch zur Pflege gibt es klare Vorgaben. "Wir haben vielleicht fünf Düngemittel, die wir verwenden dürfen", erklärt der Friedrichsruher.

Im Vergleich: in der Landwirtschaft seien es mehre Seiten, auf denen Dünger und Pflanzenschutzmittel stehen. Wichtig ist zudem, dass die Fahnen regelmäßig versetzt werden, zum einen für die Golfspieler und auch wegen der Belastung des Grases. Bortt nimmt eine Fahne aus dem Boden und zeigt darauf: "Der Lochrand muss scharfkantig sein, damit der Ball sauber hineinrollt."

Trockenheit als Problem

Bort mag seine Arbeit, das sieht man, wenn er prüfend über die Anlage blickt. "Das Gras war dieses Jahr viel zu trocken, da sind immer wieder Löcher", kritisiert er. Das Thema Wasserknappheit ist komplex und wird immer schwieriger. Ab Juni mache man sich einen Plan. Oberste Priorität haben die Grüns und die Abschläge. Schließlich wird der Rasen zunächst zwei Tage mit weniger Wasser abgekühlt, damit das Wasser hinuntersickert und sich morgens Tau bildet. Eine Grundfeuchtigkeit sei wichtig, betont Bortt. Erst am dritten Tag wird mit zehn Litern auf den Quadratmeter gewässert.

Die Trockenheit bekommt auch der vielfältige Baumbestand der Anlage zu spüren, immer wieder werden neue gepflanzt. Alles passend zum Bestehenden. "Die Anlage ist nicht in einem entstanden, sondern ist nach und nach erweitert worden, daher haben die Plätze immer wieder ein anderes Flair", beschreibt der 59-Jährige. Besonders der ursprüngliche Teil liegt umgeben von mächtigen Eichen, Eschen oder Nussbäumen.

Lieblingsstelle ist eine Hecke

Eine buntgemischte Wiese gehört inzwischen genauso zum Golfplatz wie der perfekt gepflegte Rasen, findet nicht nur Head-Greenkeeper Klaus Bortt.
Foto: Stefanie Jani
Eine buntgemischte Wiese gehört inzwischen genauso zum Golfplatz wie der perfekt gepflegte Rasen, findet nicht nur Head-Greenkeeper Klaus Bortt. Foto: Stefanie Jani  Foto: Jani, Stefanie

Die Lieblingsstelle von Klaus Bortt überrascht dennoch: Er stellt sich vor eine wild gewachsene Hecke. Die sogenannten Wildlinge wurden nicht gepflanzt und sind gerade dadurch sehr robust, da sie sich ihren Standort selbst aussuchen. Und so eine Hecke am Rande des Golfplatzes? Vor Jahren wäre ein solcher Anblick auf dem Golfplatz noch undenkbar gewesen, heute ist der Wildwuchs eine Ergänzung zum sorgfältig gepflegten Platz.

Der Golfclub ist Mitglied im Programm Natur und Golf. "Allerdings hat bei uns die Landschaftspflege schon vorher eine Rolle gespielt", so Bortt. Nun werden noch mehr Blumenwiesen angelegt und zudem alle Baumarten oder Apfelsorten dokumentiert. Für Greifvögel sind Sitzstanden aufgestellt worden. Die Natur der Anlage ist nicht nur für die Sportler. "Dadurch, dass die Wege öffentlich sind, ist in Friedrichsruhe etwas Gemeinsames entstanden", sagt Bortt. Spaziergänger, Natur und der Golfsport sollen eine Einheit sein.

Der Golf-Club Heilbronn Hohenlohe ist 1964 gegründet worden und zählt somit zu den ältesten Anlagen in Baden-Württemberg. Nach und nach hat sich der Park immer wieder vergrößert. Los ging es mit einer Neun-Loch-Anlage, 1994 erweiterte man auf 18 Loch und vor rund acht Jahren fand die letzte Erweiterung auf 27 Löcher statt. Heute fasst das Gelände insgesamt zehn Seen. Ursprünglich waren es drei. Insgesamt misst die Anlage eine Fläche von rund 90 Hektar, um die sich sechs Greenkeeper kümmern. Der Club hat derzeit insgesamt 1100 Mitglieder. Vorstand seit 2019 ist Dr. Bruno Fergen, Geschäftsführer ist Gerald Schleucher.

 
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