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Zweiflingen
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Für den Hof kämpfen und der Krise trotzen

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Zweiflingen ist schon immer eine Gemeinde, in der die Landwirtschaft noch eine große Rolle spielt. In den vergangenen Jahren sind es merklich weniger Betriebe geworden. Verordnungen, Ansehen, Wetterverhältnisse: Die Branche ist belastet. Doch viele lassen sich dadurch ihren Traumberuf nicht verderben.

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Andrea Specht hat sich auf ihrem Hof in Orendelsall in die Nudelproduktion gestürzt.
Andrea Specht hat sich auf ihrem Hof in Orendelsall in die Nudelproduktion gestürzt.  Foto: Jani, Stefanie

Andrea und Rainer Specht aus Orendelsall zählen zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben in der Gemeinde. Zwischen 3000 und 6000 Legehennen, Mastschweine, Getreide, Mais und Zuckerrüben gehören zu ihrem Vollerwerbsbetrieb in dritter Generation. "Es ist eine stetige Entwicklung und man muss sehen wie man erträglich wirtschaften kann, dass man eine Familie ernähren kann", fasst Andrea Specht zusammen. Was das Erfolgsgeheimnis der heutigen Landwirte ist? Andrea Specht überlegt: "Ich denke, man muss sich heut vielseitig aufstellen und verschiedene Einnahmequellen haben."

Die 51-Jährige hat vor Jahren die Liebe zur Nudelproduktion entdeckt. "Ich bin auf den Hof gekommen und da habe ich nachgedacht, was mache ich, zudem habe ich mir immer überlegt, was man mit den Kleineiern der Junghenne tun könnte." Heute gibt es über 100 verschiedene Nudelformen und zahlreiche Sorten. Durch den Hofladen und Führungen im Betrieb habe man immer wieder Kontakt und bis vor einiger Zeit konnte man auch mal die Menschen in den Stall schauen lassen." Als Landwirt habe man auch immer das Image des Tierquälers. Doch wer tatsächlich einen Blick in den Stall werfe, werde oft eines besseren belehrt.

Mehrere Standbeine

Eingespieltes Team: Rolf und Hermann Sinzinger halten auf dem Hof un d in der Familie zusammen.
Eingespieltes Team: Rolf und Hermann Sinzinger halten auf dem Hof un d in der Familie zusammen.  Foto: Jani, Stefanie

Auch die Familie Sinzinger hat auf ihrem Hof in Westernbach mehrere Standbeine. 150 Zuchtsauen, Beerenanbau, Hilfen bei der Ernte und vor allem der Hofladen, in dem mittwochs gebacken wird, versorgen die Familie. Was noch wichtig ist heutzutage: "Wir halten als Familie zusammen und alle helfen mit. Meine Frau, meine Mutter, mein Sohn mit zwölf oder mein Vater mit 70Jahren", zählt Rolf Sinzinger auf. Und das braucht es.

Derzeit setzt den Viehhaltern die afrikanische Schweinepest stark zu. 28 Euro pro Kilo Lebendgewicht: So sieht die Realität derzeit aus. "Der Preis ist eingebrochen, so schlimm war es noch nie", sagt der 44-Jährige, "zumindest bekommen wir unsere Tiere noch los." Dennoch müssen Betriebe im Moment Geld drauflegen statt zu verdienen. Von der Politik fühlen sich viele im Stich gelassen. Auch die Wertschätzung sei zunehmend ein Problem. "Alles muss billig und gut sein, die Tiere sollen dabei glücklich sein", bemängelt er.

Sorgen

Jürgen Mugele liebt seinen Beruf trotz Schwierigkeiten und bildet schon die nächste Generation aus.
Fotos: Stefanie Jani
Jürgen Mugele liebt seinen Beruf trotz Schwierigkeiten und bildet schon die nächste Generation aus. Fotos: Stefanie Jani  Foto: Jani, Stefanie

Auch in Tiefensall gibt es im Vergleich zu früher nicht mehr viele Landwirte. Jürgen Mugele führt seinen Hof seit zwölf Jahren. Er stellt 80 Prozent des Futters für seine Mastschweine selbst her. Auch ihm macht die Entwicklung Sorge: Düngeverordnung und der Stellenwert in der Bevölkerung. "Immerhin produzieren wir Nahrung und tun auch etwas für die Natur", sagt der 50-Jährige und kritisiert den Stellenwert des Beruf. Oft gehe es darum immer mehr Leistung herauszuholen.

Und trotzdem kämpft er für seinen Hof "Das ist mein Lebenswerk, ich habe ihn 30 Jahre mit entwickelt. Denn eigentlich ist seine Arbeit ein Traumberuf. Auch sein 16-jähriger Sohn steht schon mit viel Leidenschaft für den Beruf in den Startlöchern und hat seine Ausbildung begonnen.

Im Obstbau spielt Glück neben dem Können ein große Rolle.Dieses Jahr ist Heiko Schmierer mit seiner Ernte auf dem Hof in Pfahlbach zufrieden, betont er erleichtert. "Wir müssen nun die Löcher stopfen, 2017 und 2018 waren sehr schwierig."Neben dem steinigen Boden sei die Trockenheit ein Problem, politisch der Mindestlohn", erklärt er. Im Frühjahr sei es zu kalt,weil die Vegetation früher beginne, im Sommer zu warm.

Die Kisten sind in diesem Jahr gut gefüllt: Heiko Schmierer freut sich nach einigen schlechten Jahren über die Ernte.
Die Kisten sind in diesem Jahr gut gefüllt: Heiko Schmierer freut sich nach einigen schlechten Jahren über die Ernte.  Foto: Jani, Stefanie

Ein Frost kann einen Obstbauern bis zu 80 Prozent seiner Ernte kosten. Und dennoch sei es "der schönst Job der Welt", betont Schmierer : "Es ist schön zu sehen, wie alles wächst und gedeiht und die schönste Zeit ist die Erntezeit." Er blickt auf sein Reich oberhalb von Pfahlbach. Auf 20 Hektar werden Äpfel und Birnen angebaut, auf zwei Johannisbeeren. Die Zukunft seien auch die Automaten. In den nächsten Monaten soll ein komplett verglaster Container mit rund 70 Fächern an die Straße gestellt werden, in dem auch Fremderzeugnisse verkauft werden.

Und was die Zukunft noch bringt? Der Pfahlbacher scherzt: "Wer weiß, vielleicht bauen wir auch irgendwann Zitronen an."

 
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