Ein Blick hinter die Kulissen eines Fünf-Sterne-Hotels
Im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe sorgen viele Helfer für die Gäste aus der Umgebung und aus aller Welt. Was Tellerfee, Gärtner, Nachtportier und Zimmermädchen zu tun haben.

Sie arbeiten spätnachts, hinter Büschen und Bäumen, während die Gäste frühstücken oder hinter Geschirrbergen: Das Wald- und Schlosshotel im Zweiflinger Teilort Friedrichsruhe hat sich vor allem durch seine Küche über Hohenlohe hinaus einen Namen gemacht. Damit das Essen auf den Tisch kommt, und auch Service und Ambiente stimmen, braucht es viele fleißige Hände.
Manuela Funk-Stahl freut ich, "wenn sich das Geschirr stapelt", erzählt die Tiefensallerin, die seit 18 Jahren als Küchenhilfe im Hotel arbeitet. Um neun Uhr morgens beginnt ihr Tag, während im Restaurant die Frühstücksteller klappern. Ihr Kollege ab 8 Uhr leistet schon Vorarbeit an der Topfmaschine. Alleine oder zu Zweit füllt sie die riesige Maschine, in der auch ein Mensch Platz hätte. Tassen, Kannen alles wird ordentlich gestapelt, nachdem es blitzsauber aus der Maschine gefahren wird. Zwischen die weißen Teller kommt Papier.

Ab zehn Uhr treffen nach und nach rund zehn Köche ein. In Konditorei, am Buffet herrscht emsiges, aber kein hektisches Treiben. "Unser Chef ist ein sehr angenehmer und ruhiger Mensch", lobt die 58-Jährige auch ihre Kollegen.
Ab ins Polierbad
Und noch etwas mag die Tiefensallerin: Wenn es glänzt. Bis Anfang des Jahres ("dann ging es wegen meinem Rücken nicht mehr) war sie die Frau fürs Silber. Einmal in der Woche wird das Christoffel-Besteck erst eingelegt, dann mit Wasser abgespült und schließlich ins Bad mit den Kugeln zum Polieren gelegt. Kerzenständer, Kühler werden von Hand mit einer Paste und viel Gefühl wieder glänzend gemacht. Zwischen elf und zwölf wird das Frühstücksgeschirr weniger. Das heißt nicht, dass es ruhiger wird. Zwischen elf und zwölf essen die Mitarbeiter in der Kantine. Und wenn die Teller doch mal weniger werden, "hilft man eben wo man kann", erzählt sie.
Gärtner rund um die Uhr
Einer, der nie so richtig Feierabend hat, ist Rolf Schneider. Das liegt allerdings daran, dass der Gärtner in Friedrichsruhe wohnt, und auch mal sonntags eine Runde gießen geht. "Das Schöne muss erhalten bleiben, nur Hecke schneiden ist nicht", so fasst er seine Tätigkeit in dem rund viereinhalb Hektar großen Park knapp zusammen. Über 150 Jahre alte Bäume sind in der herrschaftlichen Anlage nicht selten, ebenso Raritäten wie der alte Mammutbaum und Rotbuchen. "Von ihnen hat jeder seine Geschichte", sagt Schneider. Stolz auf seinen Arbeitsplatz blickt der 48-Jährige aus dem Fenster des Schlossbalkons mit Blick über die Allee. Es ist ein verregneter Tag und dennoch vermitteln die alten Bäume und das Flair des Schlosses eine Wohlfühlatmosphäre.

Alles wirkt naturbelassen, so sei es auch gewollt. Das heißt aber nicht, dass nicht eine Menge Detailarbeit den Tag der Gärtner bestimmt. "Wir lassen manche Sachen auch mal wachsen, es soll nicht steril aussehen und dennoch gepflegt." Im Frühjahr etwa erfreuen sich die Besucher, wenn Tulpen und Krokusse auch mal so in der Wiese wachsen. Und wenn Efeu geschnitten wird, kommt es auch als Tischdeko noch einmal zum Einsatz. Nun wenn es kalt wird, kommen die Kübel ins Gewächshaus. Allein den Eingang des Jagdschlosses zieren 38 Kübel.
Von Bettwäsche und Keksen

Dass nicht nur die Deko stimmt, sondern auch das Zimmer in top Zustand ist, dafür sorgt Magarita Könich als Zimmermädchen. Badezimmer, Bettwäsche wechseln und in jeder Ecke Staub beseitigen und zum Schluss natürliche den Fritz Keks aus der Konditorei hinlegen: "Es gilt abzustauben, was es abzustauben gibt", erklärt die 40-Jährige. Das soll ja auch in der Anlage so sein, findet sie und schwärmt von den Zimmern mit dem Himmelbett.
Als Zimmermädchen bekomme man natürlich schon Einblicke, meint sie und lächelt. Interessant seien die Vorbereitungen auf den Besuch von Mick Jagger gewesen und auch sonst sieht sie, welcher prominente Gast auch schon mal seine Socken in die Ecke wirft. Und dass sogar auf den Fußleisten kein Staubkörnchen ist, dafür sorgt zum Schluss die Hausdame, die die Zimmer noch einmal überprüft.
Kontrollgänge mit Fuchs
"Wollen Sie zum Nachtkrapp?" so ist die Vorstellung von Olaf Großklaß, der als Nachtportier im Hotel arbeitet. Um zehn Uhr abends beginnt der Tag für ihn mit einem von vielen Kontrollgängen über das Gelände. Jagdhaus, Hauptgebäude oder Spa mit den Heizanlangen: All das obliegt seinem kritischem Blick. Fast etwas unheimlich ist die Stille nachts im großen Park. Nicht für den Neuensteiner, der einst Bundeswehrobjekte überwacht hat.

Auch Büroarbeit wie vereinzelt Reservierungen oder Bestellungen einzusammeln gehört zu seinen Aufgaben und natürlich für Ordnung sorgen, wenn es laut ist. "Aber das ist sehr selten", sagt er. Sie seien alle sehr anständig. Und wilde Partys habe es fast noch nie gegeben. Je nachdem, was in der Küche los ist, ist der 56-Jährige ab halb drei in der Nacht alleine an der Rezeption. Diese Zeit genießt er. Die Ruhe. Ebenso wie die Kontrollgänge morgens im Sommer, wenn nach vier die Sonne aufgeht, alle Vögel pfeifen und man ganz allein ist. Meistens. "Einmal ist mir ein Fuchs drei Tage lang gefolgt", erzählt er lachend.

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