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Weinsberger Teilorte: Die Vernunftehen haben sich bewährt

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Ohne die drei Teilorte Gellmersbach, Grantschen und Wimmental würde die Stadt Weinsberg die 10.000-Einwohner-Marke kaum knacken.

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Gellmersbach ist der größte Teilort. Und er wird weiter wachsen: auf über 1200 Einwohner, wenn das Neubaugebiet "Salmannsäcker III" bebaut ist.
Gellmersbach ist der größte Teilort. Und er wird weiter wachsen: auf über 1200 Einwohner, wenn das Neubaugebiet "Salmannsäcker III" bebaut ist.  Foto: Seidel, Ralf

Weinsberg - das ist die Weibertreu, das ist Justinus Kerner, das ist das Bildungszentrum, die Weinbauschule, das Städtle mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Weinsberg - das ist aber auch Gellmersbach, das ist Grantschen und Wimmental. Würden die drei Teilorte nicht zu Weinsberg gehören, würde es die Kommune nur mit Ach und Krach über die 10.000-Einwohner-Grenze schaffen.

Angst und Schrecken in den 1970er Jahren

Liebesheiraten waren es nicht gerade, damals, in den 1970er Jahren, als so viele Dörfer Teil eines größeren Ganzen wurden. Kommunalreform hieß das Wort, das zahlreiche kleine Ortschaften in Angst und Schrecken versetzte, weil sie fürchteten, dass ihnen mit dem Verlust der Selbstständigkeit auch ihre Identität abhanden kommt.

Grantschen ist als erstes der drei Dörfer eingemeindet worden. 1973 war das. Jungsteinzeitliche und römische Funde belegen, dass die Gegend schon vor Urzeiten besiedelt wurde. Fotos: Ralf Seidel
Grantschen ist als erstes der drei Dörfer eingemeindet worden. 1973 war das. Jungsteinzeitliche und römische Funde belegen, dass die Gegend schon vor Urzeiten besiedelt wurde. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Es waren zwar keine Zwangsverheiratungen, als Weinsberg sich 1973 mit Grantschen vermählte und zwei Jahre später auch noch mit Wimmental und Gellmersbach. Diplomatisch formuliert waren es wohl Vernunftehen. "Es gab ja quasi keine Alternative", sagt Hauptamtsleiter Thomas Siegle. Höchstens hier und da Diskussionen, mit wem man vor den Altar treten wollte.

"Es gibt kein Ortsteildenken"

Ist fast 50 Jahre später zusammengewachsen, was ursprünglich nicht zusammengehörte? Siegle zögert keine Sekunde: "Ja. Es gibt kein Ortsteildenken." Siegle muss es wissen: Kaum ein Mitarbeiter im Weinsberger Rathaus kann so lange auf das kommunale Geschehen zurückblicken wie er. Seit 1984 arbeitet er in der Stadtverwaltung. Zum guten Gelingen trugen die Eheverträge bei, also die Eingliederungsvereinbarungen. "Sie wurden strikt eingehalten", sagt Siegle.

Hallenbauten in jedem Teilort

Wie Grantschen, so liegt auch Wimmental direkt an der A6. Was das bedeutet, davon können die leidgeprüften Anwohner des kleinsten Teilortes ein Lied singen. Wahrzeichen ist die katholische Kirche St. Oswald.
Wie Grantschen, so liegt auch Wimmental direkt an der A6. Was das bedeutet, davon können die leidgeprüften Anwohner des kleinsten Teilortes ein Lied singen. Wahrzeichen ist die katholische Kirche St. Oswald.  Foto: Seidel, Ralf

Dazu gehörte zum Beispiel, dass das kleine Freibad in Wimmental zu erhalten war. Dazu gehörten auch Hallenbauten in jedem Teilort. Das größte Zugeständnis waren jeweils eigene Ortschaftsverwaltungen. Und an der unechten Teilortswahl, die dem Trio eine feste Zahl von Sitzen im Weinsberger Gemeinderat garantiert, wird bis heute festgehalten. Woanders ist dieser Zopf längst abgeschnitten.

Wie viele Einwohner haben die drei Dörfer nun? Eine Idee, eine Vermutung vielleicht? An dieser Stelle sei's verraten, aus erster Hand sozusagen, von den Ortsvorstehern: In Wimmental leben - Stand Oktober 2020 - exakt 666 Menschen. In Grantschen sind es 854 und in Gellmersbach 1062.

 
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