Weinsberger Teilorte: Die Vernunftehen haben sich bewährt
Ohne die drei Teilorte Gellmersbach, Grantschen und Wimmental würde die Stadt Weinsberg die 10.000-Einwohner-Marke kaum knacken.

Weinsberg - das ist die Weibertreu, das ist Justinus Kerner, das ist das Bildungszentrum, die Weinbauschule, das Städtle mit guten Einkaufsmöglichkeiten. Weinsberg - das ist aber auch Gellmersbach, das ist Grantschen und Wimmental. Würden die drei Teilorte nicht zu Weinsberg gehören, würde es die Kommune nur mit Ach und Krach über die 10.000-Einwohner-Grenze schaffen.
Angst und Schrecken in den 1970er Jahren
Liebesheiraten waren es nicht gerade, damals, in den 1970er Jahren, als so viele Dörfer Teil eines größeren Ganzen wurden. Kommunalreform hieß das Wort, das zahlreiche kleine Ortschaften in Angst und Schrecken versetzte, weil sie fürchteten, dass ihnen mit dem Verlust der Selbstständigkeit auch ihre Identität abhanden kommt.

Es waren zwar keine Zwangsverheiratungen, als Weinsberg sich 1973 mit Grantschen vermählte und zwei Jahre später auch noch mit Wimmental und Gellmersbach. Diplomatisch formuliert waren es wohl Vernunftehen. "Es gab ja quasi keine Alternative", sagt Hauptamtsleiter Thomas Siegle. Höchstens hier und da Diskussionen, mit wem man vor den Altar treten wollte.
"Es gibt kein Ortsteildenken"
Ist fast 50 Jahre später zusammengewachsen, was ursprünglich nicht zusammengehörte? Siegle zögert keine Sekunde: "Ja. Es gibt kein Ortsteildenken." Siegle muss es wissen: Kaum ein Mitarbeiter im Weinsberger Rathaus kann so lange auf das kommunale Geschehen zurückblicken wie er. Seit 1984 arbeitet er in der Stadtverwaltung. Zum guten Gelingen trugen die Eheverträge bei, also die Eingliederungsvereinbarungen. "Sie wurden strikt eingehalten", sagt Siegle.
Hallenbauten in jedem Teilort

Dazu gehörte zum Beispiel, dass das kleine Freibad in Wimmental zu erhalten war. Dazu gehörten auch Hallenbauten in jedem Teilort. Das größte Zugeständnis waren jeweils eigene Ortschaftsverwaltungen. Und an der unechten Teilortswahl, die dem Trio eine feste Zahl von Sitzen im Weinsberger Gemeinderat garantiert, wird bis heute festgehalten. Woanders ist dieser Zopf längst abgeschnitten.
Wie viele Einwohner haben die drei Dörfer nun? Eine Idee, eine Vermutung vielleicht? An dieser Stelle sei's verraten, aus erster Hand sozusagen, von den Ortsvorstehern: In Wimmental leben - Stand Oktober 2020 - exakt 666 Menschen. In Grantschen sind es 854 und in Gellmersbach 1062.

Stimme.de
Kommentare