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In Weinsberg lässt es sich gut leben

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Bei der Bürgerbefragung zum Stadtentwicklungskonzept verteilen Einwohner viele gute Noten. Aber: Wohnraum, Einkaufssituation, Kulturangebot und der Verkehr werden als Handlungsfelder genannt.

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 Foto: Berger, Mario

Die Weinsberger haben viele gute Noten verteilt. Die Zufriedenheit, was die Lebensbedingungen und die Lebensqualität betrifft, ist hoch. Die Infrastruktur, insbesondere das Angebot an Bildung und Betreuung, wird geschätzt. Auch die Stadtverwaltung schneidet gut ab. Das hat die Bürgerbefragung zum Stadtentwicklungskonzept 2035 ergeben, die jetzt ausgewertet ist. Das Meinungs- und Stimmungsbild, das ins kommunalpolitische Strategiepapier für die Zukunft einfließen soll, zeigt aber wo Handlungsbedarf ist und Defizite liegen.

Bezahlbarer Wohnraum ist wichtig

So ist den Befragten wichtig, dass Wohnraum und Bauplätze bezahlbar sind. Die Innenstadt soll attraktiver werden, mehr Gastronomie und mehr kulturelle Veranstaltungen stehen auf der Wunschliste.

In Gellmersbach ist die Zufriedenheit am geringsten

In der Kernstadt ist die Zufriedenheit am größten (94,4 Prozent). Die niedrigste Quote erreicht Gellmersbach, mit 85,3 Prozent. Woran liegt das? Bürgermeister Stefan Thoma und Hauptamtsleiter Thomas Siegle rätseln. Von den Stadtteilen habe Gellmersbach die beste Infrastruktur. Vielleicht spiegele sich der Widerstand gegen die Erweiterung des Wohnbaugebiets "Salmannsäcker" in den Antworten wieder. Bei der Bürgerbeteiligung werde man dem sicherlich nachspüren.

Die 24 Fragen, die an 4000 zufällig ausgewählte Einwohner im Juni verschickt worden sind, umfassen folgende Themengebiete: Leben, Wohnen und Arbeiten, Kultur und Freizeit, Nahversorgung, Bürgerbeteiligung, Kommunalpolitik und Verwaltung.

Berwertung der Lebensqualität für Jugendliche geringer

Die Lebensqualität für Familien, Kinder und berufstätige Erwachsene wird als besonders hoch eingestuft. Die Bewertung, was Jugendliche betrifft, fällt mit 65 Prozent deutlich ab. "Das muss man hinterfragen und gezielt auf die Jugendlichen zugehen", sagt Bürgermeister Thoma. Das Jugendreferat und das Jugendhaus erlebten gerade einen "enormen Aufschwung". Klar sei, dass nicht alle Wünsche, etwa eine Skateranlage oder ein Fastfood-Restaurant, erfüllt werden könnten.

Ergebnis zum Kultur- und Freizeitangebot überrascht

Das kirchliche Angebot, das Vereins- und Sportangebot werden sehr positiv bewertet. Beim Kultur- und Freizeitangebot sehen die Befragten Nachholbedarf. Das überrascht Thoma. "Wir haben ein sehr hochwertiges Angebot an Kultur, das über Weinsberg hinaus strahlt." Und er verweist auf das umfangreiche städtische Kulturprogramm. Das sei coronabedingt seit März jedoch ausgesetzt, versucht Thomas Siegle einen Erklärungsansatz. "Vielleicht tun wir auch zu wenig im Marketing?", überlegt er. Für ein breiteres Publikum wird die Stadt 2021 Weinsberger Weinwanderungen aufnehmen.

Drogeriemarkt und Metzger werden vermisst

"Wir sind mit dem Besatz an Fachgeschäften durchaus zufrieden. Wir haben so gut wie keine Leerstände", sagt Thoma. Das deckt sich nicht mit der Einschätzung der Befragten. Denn mehr als die Hälfte bemängelt die Einkaufsmöglichkeiten in der Kernstadt, ganz zu schweigen von den Teilorten. Drogeriemarkt und Metzger werden vermisst. Das Wohnungsangebot betrachten nur knapp 16 Prozent der Befragten als sehr gut und gut.

Ganz auf Linie mit den Einwohnern ist die Kommunalpolitik bei der Nachverdichtung, die in der Umfrage favorisiert wird. "Das Füllen von Baulücken gelingt gut", sagt Thoma. In den vergangenen Jahren seien in der Kernstadt so rund 220 Wohnungen geschaffen worden. Weitere Projekte stünden an.

Bei Verkehrslenkung muss was passieren

Punkten kann Weinsberg mit seiner verkehrsgünstigen Lage. Allerdings wird der Verkehr als sehr störend angesehen. Die innerörtliche Verkehrslenkung brennt auch Thoma unter den Nägeln. Die Umfrage zeigt einen Nachholbedarf beim Klimaschutz und bei erneuerbaren Energien.

Fast dreiviertel der Antwortenden fühlen sich in Weinsberg sicher. Über 70 Prozent bewerten das Stadtbild mit vielen Grünflächen als positiv. Und 80 Prozent verbinden mit Weinsberg vor allem eines: die Burgruine Weibertreu, das Alleinstellungsmerkmal.

Die weiteren Schritte

4000 Fragebögen hat das beauftragte Büro Reschl Stadtentwicklung an zufällig ausgewählte Einwohner verschickt. 1677 wurden auf Papier oder online beantwortet, so dass sich eine Rücklaufquote von 41,9 Prozent ergibt. Dafür vergibt das Büro die Note eins.

Der Gemeinderat wurde schriftlich über die Ergebnisse informiert, nachdem die Klausurtagung wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Die Bürgerbeteiligung, bei der Wünsche, Anregungen und Ideen eingebracht werden können, soll im Frühjahr 2021 stattfinden. Danach werden die strategischen Ziele mit Projekten und Planungen für die kommenden Jahre erstellt. Das Konzept beschließt dann der Gemeinderat. Es ist jedoch kein starres Handlungsprogramm, sondern wird ständig weiter entwickelt. Die Umsetzung hängt von den finanziellen Möglichkeiten ab.

Rund 70 000 Euro kostet das Stadtentwicklungskonzept. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sind auf der Homepage www.weinsberg.de nachzulesen.

 
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