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Untereisesheim
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Untereisesheimer Gemeinschaft funktioniert in der Corona-Zeit

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Familien, Nachbarschaftshilfe, Lieferservice, ehrenamtliche Näherinnen: In dem 4000-Seelen-Ort halten die Bürger zusammen, vor allem auch in der Krise.

von Bigna Fink
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Sybille Keicher und Klaus Scherz vom Wurschtzipfel bieten einen Lieferservice an. Da Großkunden wie Restaurants und Besen wegfallen, ist der Umsatz im Wurschtzipfel in der Krise um 50 Prozent eingebrochen. Foto: Bigna Fink
Sybille Keicher und Klaus Scherz vom Wurschtzipfel bieten einen Lieferservice an. Da Großkunden wie Restaurants und Besen wegfallen, ist der Umsatz im Wurschtzipfel in der Krise um 50 Prozent eingebrochen. Foto: Bigna Fink  Foto: Fink, Bigna

Die Bürger von Untereisesheim wissen sich und anderen zu helfen. Das wird während der Corona-Zeit deutlich, wie Beispiele aus dem Dorf am Neckar belegen. Kurz nach dem Inkrafttreten strenger Vorsichtsmaßnahmen gegen das Virus startete etwa die Initiative "Untereisesheim hilft". Die Idee der Leiterin des Jugendtreffs, Vanessa Steinbach, dem evangelischen Pfarramt und der Nachbarschaftshilfe: Freiwillige gehen für Menschen, die zur Coronavirus-Risikogruppe gehören einkaufen.

Die Suche nach Helfenden und Hilfsbedürftigen erfolgte via Facebook und über einen Newsletter der Gemeindeverwaltung. "Etwa 20 Helfer haben sich bei uns gemeldet", sagt Vanessa Steinbach. Doch Hilfsbedürftige fanden sich keine.

"Ein sehr gutes Zeichen", sagt Pfarrer Andreas Wißmann. Das finden auch die Jugendtreff-Leiterin und Bürgermeister Bernd Bordon. "Das zeigt, dass die älteren Untereisesheimer vernetzt und aufgehoben sind. Die Familien gehen für sie einkaufen, oder sie können selbst noch die Besorgungen erledigen", sagt Steinbach. Und Bordon findet: "Dass sich in Krisenzeiten genügend Helfer finden, gibt wertvolle Sicherheit für unseren Ort und signalisiert: Man ist nicht allein."

Sechs Infizierte, ein Todesfall

Begehrte Stoffmasken

In der Apotheke und im Hofladen von Untereisesheim können Stoffmasken aus dem Ort gekauft werden. Sie sind aber schnell vergriffen, die Warteliste ist lang. Die Initiatorin der Hilfsaktion, Claudia Majores, und mittlerweile 15 Damen nähen die Mund-und-Nase-Behelfsmasken ehrenamtlich. „Die Erlöse gehen an ein lokales Projekt“, sagt die Untereisesheimerin.

Eine Textilfirma und Privatleute spenden Stoffe. Die Frauen sind dankbar für weitere Spenden – etwa Männerhemden und  Gummibänder.

Der am 8. März wiedergewählte Bürgermeister nimmt sich Mitte April Zeit für eine kleine Tour durch das Dorf. "Bei der Bürgermeisterwahl hatte ich schon ein etwas mulmiges Gefühl wegen des Virus." Seither zählt die Gemeinde sechs Fälle an Corona-Infizierten, "leider auch einen Todesfall".

Das Ziel in den vergangenen vier Wochen war für Bordon und sein Team: "Das Leben in Zeiten von Corona neu zu organisieren." Und das habe sehr gut geklappt, denn die Hilfsangebote kamen hauptsächlich von Bürgern, Vereinen und Firmen selbst.

Erhebliche Einbußen die einen, deutlich mehr Kunden die anderen

So bietet die einzige Metzgerei im Ort einen Lieferservice an, den es auch schon vor Corona gab. "Der wird ganz gut aufgenommen", sagt Fachverkäuferin Sybille Keicher. Etwa acht bis zehn Senioren nutzen den Dienst. "Wir wollen das Signal setzen, dass wir helfen, wenn es klemmt."

Metzger Klaus Scherz fährt die Bestellungen persönlich zu den Leuten. "Etwa 50 Prozent Einbußen haben wir bisher zu verzeichnen", erzählt der 53-Jährige. "Hier zeigt sich, wie alles miteinander zusammenhängt. Die Gastronomie, die wir eigentlich beliefern, die Besenwirtschaften, die hat die Krise besonders hart getroffen."

In den Hofladen von Elke Sommer kommen deutlich mehr Kunden als sonst. Hier gibt es auch selbstgenähte Stoffmasken. Foto: Bigna Fink
In den Hofladen von Elke Sommer kommen deutlich mehr Kunden als sonst. Hier gibt es auch selbstgenähte Stoffmasken. Foto: Bigna Fink  Foto: Fink, Bigna

Ihr Lieferservice wird kaum genutzt, dafür ist in Sommers Hofladen selbst für Elke Sommer und ihr Team sehr viel zu tun: Fast 50 Prozent mehr Kunden, neuerdings auch aus anderen Orten, kommen laut der Besitzerin in das kleine Geschäft, in dem es unter anderem Lebensmittel aus eigener Produktion gibt. Vielleicht weil die Leute große Läden meiden, spekuliert Sommer. "Besonders viel wird nach Hefe, Mehl und Eiern gefragt seit der Krise."

Dürfen die polnischen Erntehelfer kommen?

Nur: Dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie fehlen allerdings Erntehelfer durch die Grenzschließungen. Aktuell ist fraglich, ob drei Familienangehörige eines bei Sommers beschäftigten polnischen Arbeiters zu ihnen fahren dürfen. "Deutschland, Rumänien, Polen - in jedem Land sind die Bestimmungen anders", erfährt Gerd Sommer. ,"Wir regeln gerade, ob wir als örtliche Polizeibehörde hier eine Ausnahme machen dürfen", sagt Bürgermeister Bordon.

 
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