Noch können Radler den Neckar-Steg bei Untereisesheim nutzen
Die Gemeinde Untereisesheim wartet mit der Nachbarstadt Bad Friedrichshall auf eine klare Antwort aus Stuttgart.

Die historische Brücke zwischen Untereisesheim und dem Bad Friedrichshaller Kochendorf verbindet seit Jahrzehnten die Nachbarn, mittlerweile ist die Brücke in die Jahre gekommen - und sollte saniert werden. Sollte - dieses Hilfsverb ist wichtig. Der Denkmalschutz verhindert, dass die Brücke ersetzt werden kann. Zwar müssen sich die Orte vertraglich gemeinsam um die Querung kümmern, aber ob Passanten genau an dieser Stelle den Neckar passieren werden, ist unklarer denn je. Grund: Das Land will einen Radschnellweg anlegen und dafür eine Brücke beim sogenannten Yachthafen errichten. Innerhalb weniger Hundert Meter gäbe es dann zwei Möglichkeiten, über den Fluss zu kommen.
Alle warten auf Klarheit beim Naturschutzgebiet
Wie es weitergeht, dazu sagt Untereisesheims Bürgermeister Bernd Bordon nur: "Still ruht der See." Die Kommunen warten auf eine schriftliche Aussage der Landesregierung, dass die Neckar-Insel, auf die der Steg führt, wie von Stuttgart geplant ein Naturschutzgebiet wird. "Da brauchen wir die ganz klare, schriftliche Antwort, dann wissen wir, wie es weitergeht." Bordon geht davon aus, dass die Sanierung des Bauwerks zwei Millionen Euro kostet. Hier spielt die Ausweisung als Naturschutzgebiet eine Rolle.

Der Bürgermeister erwartet, dass man in einem solchen Falle ganz neue Zuschuss-Möglichkeiten habe. Welchen Topf kann man anzapfen? Das wisse man eben erst, wenn die eindeutige Antwort der Landesregierung vorliegt. Bislang gebe es nur eine mündliche. "Wir drehen uns so lange im Kreis, bis diese Entscheidung steht." Hinzu kommt der Radschnellweg, der schließlich auch von Untereisesheim erreicht werden soll.
Den Radschnellweg sollen viele Pendler nutzen
Das erklärte Ziel ist es, über diesen breiten Weg mehr Pendler dazu zu bewegen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Bernd Bordon spricht von den Varianten, die möglich sind, die Radler aus der Gemeinde auf die ausgebaute Trasse zu führen: über den Neckar-Steg oder über den Umweg auf Höhe Yachthafen.
Bernd Bordon bezeichnet die letzte Möglichkeit als eine "knallharte Entscheidung": Man würde es den Untereisesheimern zumuten, erst 400 Meter auf der westlichen Neckar-Seite zu fahren, dann 50 Meter über die Brücke beim Yachthafen und wieder 400 Meter zurück - "damit sie zur Stadtbahn kommen". Und auch zum Radschnellweg. Entschieden ist in diesem Zusammenhang noch nichts. Die Gemeinderäte der beiden Nachbarorte werden über den Steg abstimmen.
Vielleicht wird der Neckar-Steg gesperrt

Vor einem Jahr, gibt der Untereisesheimer Bürgermeister zu, habe er sich nicht vorstellen können, den Neckar-Steg tatsächlich zu sperren. "Stand jetzt, wenn wir kein Geld haben?" Da sieht es anders aus. Bernd Bordon befürchtet, dass wegen der Corona-Krise Einnahmen für die Gemeinde wegfallen und die Ausgaben geprüft werden müssen. "Da fällt auch der Neckar-Steg mit rein." Bei einem Votum spielt die Entwicklung der Mobilität eine Rolle: Als er kürzlich mit dem Rennrad unterwegs war, seien 80 Prozent der Radler auf E-Bikes gefahren. Die seien schneller unterwegs, warum also sollten sie den direkten Weg über den Neckar-Steg haben?
Der Steg stand mal in Neckarsulm

Mit dem Steg hat sich auch der Neckarsulmer Heimatforscher Gerhard Mannheim beschäftigt. Diese Eisenkonstruktion sei ein Teil des Neckarsulmer Neckarstegs gewesen. "Er wurde 1907 als Fußgängerbrücke erbaut und ersetzte die bis dahin betriebene Fähre." Anfang der 1920er Jahre sei dieser Steg mit dem Bau der Wehr- und Kanalbrücke überflüssig und daher 1924 abgebaut worden. "Eine Hälfte der Eisenkonstruktion wurde von zwei miteinander verbundenen Schleppkähnen etwa drei Kilometer flussabwärts transportiert, wo sie auf zwei neu errichtete Betonpfeiler aufgesetzt wurde."

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