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Der Untereisesheimer ist vielfältig

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Der Untereisesheimer Bürgermeister Bernd Bordon spricht im Stimme-Interview über Herausforderungen und das Engagement in der Gemeinde.

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Im Baugebiet "Schafbuckel II": Bürgermeister Bernd Bordon geht davon aus, dass in dem Areal einmal gut 250 Menschen wohnen werden.
Foto: Andreas Veigel
Im Baugebiet "Schafbuckel II": Bürgermeister Bernd Bordon geht davon aus, dass in dem Areal einmal gut 250 Menschen wohnen werden. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Metzger, Bäcker, Nahversorger: Die Gemeinde Untereisesheim ist gut aufgestellt. Über das Zusammenleben und Herausforderungen spricht Bürgermeister Bernd Bordon im Interview zum Untereisesheim-Schwerpunkt im Rahmen der großen Stimme-Aktion "50 Wochen - 50 Orte".

 

Kollegen von Ihnen lassen sich vor dem Rathaus oder an schicken Stellen in der Stadt fotografieren. Sie bitten unseren Fotografen Andreas Veigel ins Neubaugebiet. Warum?

Bernd Bordon: Das hat mehrere Gründe: Die Bürgermeisterwahl liegt noch nicht so lange zurück, und für meine Kandidatur habe ich mich vor dem Rathaus fotografieren lassen. Deshalb wünschte ich mir dieses Mal ein, das nicht das Vergangene wiederholt. Ich wählte den Bereich, in dem gerade viel passiert. Durch Covid-19 nimmt man das Neubaugebiet ganz anders wahr.

 

Inwiefern?

Bordon: Die Menschen sind daheim und erleben, dass von morgens bis abends dort gearbeitet wird. Das wollte ich zeigen: Hier schlägt gerade das Herz.

 

 

Was erhoffen Sie sich vom Baugebiet "Schafbuckel II"?

Bordon: 250 neue Einwohner.

 

Nur?

Bordon: Wir, also auch Gemeinderat und Verwaltung, wollen Wohnraum bereitstellen für Menschen, die ein Grundstück suchen. Nehmen Sie meinen Jahrgang, 1981/1982. Mit denen habe ich das Abitur gemacht, und von meinen damaligen Untereisesheimer Freunden lebt kaum mehr einer hier im Ort. Als die bauen wollten, hatte Untereisesheim keinen Bauplatz.

 

Was ist das Besondere des Orts?

Bordon: Untereisesheim hat fast alles, und an dem, was fehlt, arbeiten wir. Wir haben eine sehr gute Lage, die Nahversorgung mit Bäcker, Metzger und Discounter ist gut. Wir haben viele engagierte Bürger, auf die ist Verlass. Auch in der Corona-Zeit erleben wir das. Die Menschen leben gern hier. Das zeichnet Untereisesheim aus: die Nähe zu den Arbeitsplätzen, der Rückzug zu Hause. Wir können an den Neckar gehen, und wir haben das Kleinod Mühlbachsee.

 

Was fehlt?

Bordon: Der Allgemeinmediziner.

 

Aber Andre Picard will seine Praxis im kommenden Jahr eröffnen.

Bordon: Die Vorbereitungen laufen gut, aber Stand jetzt fehlt er eben. Im weitesten Sinne fehlt auch noch ein Drogeriemarkt. Wir haben eine Größe mit bald 4500 Einwohner, da ist auch der Bedarf da. Was fehlt noch? Hätten wir einen richtigen Ortskern, gut frequentiert, das wäre gut. Ansonsten ist alles da: Sport- und Veranstaltungshalle, Grundschule, Kindergärten.

 

Sie sprachen über das Engagement der Bürger. Woran zeigt sich das in der Corona-Zeit?

Bordon: Wir haben eine kleine Stein-Aktion im Ort, mit der sich die Menschen Mut zusprechen. Außerdem haben ein Metzger und ein Hofladen von sich aus damit begonnen, die älteren Menschen mit Lebensmitteln zu beliefern. Von der Verwaltung starteten wir außerdem den Aufruf, dass sich Ehrenamtliche melden können, die für Ältere zum Einkaufen gehen. Wir hatten schnell 20 Freiwillige zusammen, die für die Risikopersonen unterwegs sein wollen. Das waren nicht die üblichen Verdächtigen, das ist toll. Wir hatten aber nicht einen einzigen aus der Risikogruppe, der die Hilfe in Anspruch genommen hat. Für mich ist das ein super Zeichen. Die Untereisesheimer finden untereinander selbst Wege, sich zu helfen. Die Gemeinschaft funktioniert, wenn sie funktionieren muss. Diese Verlässlichkeit macht mich stolz.

 

Was macht den Untereisesheimer aus?

Bordon: Den Ur-Untereisesheimer gibt es nur noch selten. In den 70er Jahren hatten wir etwas mehr als 1000 Einwohner, jetzt sind es 3000 Einwohner mehr. Den Untereisesheimer kennzeichnet, dass er vielfältig ist. Wir haben viele, die von außen zugezogen sind. Wir sind ein Ort im Wandel.

 

Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre?

Bordon: Die größte Herausforderung wird die Folge-Krise sein, die nach Corona kommt.

 

Was meinen Sie damit?

Bordon: Wir sind eine kleine Gemeinde und finanzieren uns größtenteils über den Anteil an der Einkommenssteuer. Ich gehe davon aus, dass wir eine gesamtwirtschaftliche Delle erleben werden, die sich auf die Einnahmen aus der Einkommenssteuer auswirkt. Wir müssen dann sehen: Was können wir uns überhaupt noch leisten? Aber wir müssen auch überlegen, wo wir als Ort wachsen wollen. Wir brauchen Wohnraum, aber wollen zugleich der Landwirtschaft und der Natur keinen weiteren Raum wegnehmen.

 

Der Gemeinderat hat beschlossen, Familien beim Kauf von Stoffwindeln für Babys zu unterstützen. Wie läuft das Programm?

Bordon: Fünf Eltern haben einen Zuschuss beantragt, wir reden also über 500 Euro. Wir haben aber genau das erreicht, was wir wollten: Die Menschen fangen an, nachzudenken. Es ist ja nicht nur die Windel. Eine Familie bei uns lebt verpackungsfrei, wir sind Fair-Trade-Gemeinde.

 


Zur Person

Bernd Bordon ist seit 2012 Bürgermeister von Untereisesheim. Zuletzt hat er die Wahl im März gewonnen. Der Alleinkandidat hat er 1261 der gültigen Stimmen erhalten. Auf ihn entfielen damit 98,6 Prozent der Kreuze. Die Wahlbeteiligung war hoch, sie lag bei 41,3 Prozent. Im Jahr 2012 hat Bernd Bordon im zweiten Wahlgang den Chefsessel erobert: Für den damals 30-Jährigen aus Flein stimmten 49,0 Prozent der Wähler.

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