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Siegelsbach
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Siegelsbach ist eine Gemeinde zwischen Nostalgie und Neubau

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In Siegelsbach tut sich was. Die Sporthalle wird neu errichtet, im Restaurant im Fünfmühlental weht ein frischer Wind. Trotzdem hält der Ort auch an Traditionsgebäuden fest.

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In Siegelsbach mag man ihn nicht kennen. Dafür kennen viele Menschen in den USA dank des Rappers R. A. the Rugged Man (man kann ihn auch einfach R.A. nennen) die kleine Gemeinde am Rande des Kraichgaus. Die Mutter des New Yorker Musikers ist nämlich Deutsche, in seiner Kindheit verbrachte er viel Zeit in Siegelsbach. Dabei war er nicht der einzige Amerikaner, der dort schon zu Gast war. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US-Armee die Munitionsanstalt und nutzte sie als Depot.

Von der Mühle zum Restaurant

Am Eingang zum Fünfmühlental steht das Restaurant Siegelsbacher Mühle. Die aktuellen Pächter haben die Anlage erst vor kurzem übernommen. Foto: Elfi Hofmann
Am Eingang zum Fünfmühlental steht das Restaurant Siegelsbacher Mühle. Die aktuellen Pächter haben die Anlage erst vor kurzem übernommen. Foto: Elfi Hofmann  Foto: Hofmann, Elfi

Doch Siegelsbach hat viel mehr zu bieten, als das alte Militärgelände. Kommt man aus Richtung Haßmersheim, liegt linker Hand - etwas versteckt hinter Bäumen - die Siegelsbacher Mühle. Das Restaurant hat seit kurzem neue Pächter und ist besonders bei Ausflugsgästen und Wanderern beliebt.

Die Schnepfenhardter Mühle wurde 1358 gebaut. 1957 brannte sie komplett ab, elf Jahre später wurde der Neubau fertiggestellt. Die Mühle war eine Bannmühle, die Siegelsbacher waren also gezwungen, ihr Getreide, das meistens von Eseln transportiert wurde, dort mahlen zu lassen.

Nicht ganz so alt wie die Mühle ist das Siegelsbacher Schloss, das Anfang des 18. Jahrhunderts entstand und auf den Hirschhorner Hof zurückgeht. 1862 wurde die Anlage aufgeteilt. Seitdem gehört das Schlossgebäude der evangelischen Kirche. Bis heute sind Kindergarten und Pfarrheim dort untergebracht. 25.000 Gulden kostete die Übernahme damals.

1912 verkaufte die Pfarrgemeinde einen Großteil des Schlossgartens an die Gemeinde Siegelsbach, die dort 1923 das Siegelsbacher Schulhaus errichtete. Das steht auch heute noch, wird allerdings nicht mehr als solches genutzt.

Viel Platz für Häuslebauer ist nicht mehr

Das Siegelsbacher Schloss ist über 300 Jahre alt und beherbergt heute das evangelische Pfarramt sowie den Kindergarten der Kirchengemeinde. Foto: Elfi Hofmann
Das Siegelsbacher Schloss ist über 300 Jahre alt und beherbergt heute das evangelische Pfarramt sowie den Kindergarten der Kirchengemeinde. Foto: Elfi Hofmann  Foto: Hofmann, Elfi

Auf dem Gebiet hinter der alten Schule soll, wenn alles klappt, ein Neubaugebiet entstehen. Ursprünglich war dort ein generationenübergreifendes Wohnprojekt geplant. Daraus wird wahrscheinlich nichts. Gebaut werden soll aber trotzdem, denn entsprechende Gebiete sind rar in Siegelsbach. Zwar werden im Mührigweg die Erschließungsarbeiten für die sieben Bauplätze gerade beendet, viel Platz ist innerhalb der Gemarkung dann allerdings nicht mehr.

An Interessenten mangelt es der Gemeinde nicht, denn verkehrstechnisch liegt der Ort nicht weit von der A6 weg. Einen Nahversorger gibt es mit dem Supermarkt am Ortseingang von Bad Rappenau kommend ebenfalls. Für junge Familien ist mit zwei Kitas, einer evangelischen und einer katholischen, der Astrid-Lindgren-Grundschule und der Villa Kunterbunt, in der die Schulkinder am Nachmittag betreut werden, bestens gesorgt.

Gebaut wird seit einigen Monaten an der neuen Sporthalle. Das Millionenprojekt war seit Jahren überfällig und wird nun endlich realisiert.

Dorffest soll nachgeholt werden

Der Rote Flitzer fährt zwischen Juni und Oktober und hält dann auch am Siegelsbacher Bahnhof. Foto: Archiv/Gajer
Der Rote Flitzer fährt zwischen Juni und Oktober und hält dann auch am Siegelsbacher Bahnhof. Foto: Archiv/Gajer  Foto: Gajer

Feiern kann man in Siegelsbach ebenfalls. Alle zwei Jahre findet am letzten Juli-Wochenende das von der Gemeinde und den Vereinen organisierte Dorffest statt. Der Turnus wurde durch Corona allerdings unterbrochen. Bürgermeister Tobias Haucap ist aber guter Dinge, dass das Fest im kommenden Jahr nachgeholt werden kann. Genauso wie die Feierlichkeiten zum 30. Bestehen der Partnerschaft mit der Luxemburgischen Gemeinde Schüttringen.

Zwischen Juni und Oktober kann man außerdem den Roten Flitzer nutzen, um nach Hüffenhardt oder Neckarbischofsheim zu kommen und in Nostalgie zu schwelgen. Die Schienenbusgarnitur aus den 50er und 60er Jahren fährt an Sonn- und Feiertagen zwischen den beiden Gemeinden und hält auch in Siegelsbach. Der reguläre Personenverkehr wurde bereits vor elf Jahren komplett eingestellt.

Größter Arbeitgeber

Größter Arbeitgeber in Siegelsbach ist die Firma Mann und Schröder, die 1864 als Seifensiederei gegründet wurde und im Schloss ihre Waren produzierte. Mittlerweile stellt das Unternehmen ausschließlich Kosmetik- und Körperpflegeprodukte her und hat ihren Hauptsitz weiterhin in Siegelsbach. In der Hochphase der Corona-Pandemie steigerte Mann und Schröder die Produktion von Desinfektionsmittel und belieferte Klinken, Heime und Polizisten in der Region.

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